Präsidentschaftswahlen in Peru

Die Wahl zwischen Krebs und Aids

Als hätte die amerikanische Politiker-Kaste aus den vergangenen Jahrzehnten nichts gelernt.

Rudolph Giuliani asesorará a Keiko Fujimori en materia de seguridad ciudadana

titelt El País, was auf Deutsch soviel bedeutet wie „Rudolph Giuliani kriecht Keiko Fujimori in den Arsch und nutzt die Angstmache damit in Peru eine US-genehme Regierung installiert wird“.

Aber Peru ist kompliziert. Die Parteienlandschaft besteht im Jahr 2011 eigentlich nur noch aus Wählervereinigungen für bestimmte Kandidaten. Einerseits liegt das daran, dass Präsidenten nur für eine Amtszeit gewählt werden können (eine schmerzliche Lehre aus den neunziger Jahre) und sich Kontinuität dadurch etwas schwieriger gestalten lässt, andererseits sind alle Kandidaten dermaßen populistisch und bewiesenermaßen korrupt, dass sich die Principien einer Partei nur schwer feststellen ließen und sie sich damit gewissermaßen schon selbst überflüssig machen.

Neben der „rechtsextremen“ Fujimori ist in der zweiten Runde der Präsidentschaftwahl der „linksnationalistische“ Kandidat Ollanta Humala übrig geblieben. Obwohl ideologisch irgendwie links zu verorten (Verstaatlichung, Nachfrageorientierung, Indiofreundlich) steht er nicht für die reine (sozialistische) Lehre, sondern eher für das – in Lateinamerika weit verbreitete – nationalistische Modell der Sozialdemokratie, verspricht aber im Gegensatz zu Fujimori immerhin eine Abkehr von der neoliberale Ausrichtung der peruanischen Wirtschaftspolitik und eine echte Integration der vernachlässigten indigenen Einwohner des Landes.

Wäre da nicht seine Vergangenheit, Weiterlesen

Musik vom Wochende

The Weeknd - House of BalloonsWieder einmal eines dieser Webphänomene… Irgendwann taucht ein Song irgendwo auf und man kommt ihn nicht mehr aus dem Feed Timeline Kopf.

In diesem Fall ist klar, dass der Kanadier Drake mit einem Tweet den Ohrwurm in die Welt gelassen und fleißig mit Textzeilen und Links gefüttert hat.

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Auch wenn alles wieder einmal nach einer großartigen viralen Kapagne aussieht – die Songs hat The Weeknd aka Abel Tesfaye Anfang März völlig kommentarlos auf YouTube gestellt – steckt angeblich weder eine Plattenfirma noch, wie von manchen vermutet, Drakes Producer Noah „40“ Shebib dahinter.

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Ist eigentlich auch völlig egal. Das Album „House of Balloons“ ist für eine R’n’B-Album großartig und gibt’s zudem offiziell und kostenlos auf der Künstler-Seite herunterzuladen. Und für die Videos sorgen die nicht wenigen Fans, die momentan dabei sind, sich in Offizielles-Musikvideo-Authentizität zu überbieten. Weiterlesen

PLinks KW 19/11 Kollektives Schreiben

Wir hatten vor kurzem (bzw. mittlerweile schon etwas längerem) die Idee zu einem Buch. Es sollte darin um dicke Eier, Gomez, Hitler, Dr. Rrranz und den Regenwald gehen und – das ist jetzt in diesem PLink-Zusammenhang interessant – in einem Kollektiv geschrieben werden. Weil wir nun einmal in verschiedenen Städten und Ländern wohnen, stellte sich die Frage, wie die grenzüberschreitende Kollaboration funktionieren sollte. Dass das nicht über Briefpost gehen würde, war klar. Und siehe da – die Lösungen liegen schon bereit, man schaue nur ins Netz:

  • Google Docs – ist auf jeden Fall die naheliegendste Lösung. Man erstellt ein Dokument und gibt es frei. Hatten wir auch bei der Übersetzung von Assanges „Conspiracy as Governance“ so praktiziert. Für die Zwecke (ein linerarer Text) war das angemessen, aber nicht unbedingt perfekt. Für eine Storyentwicklung muss etwas maßgeschneidertes her.
  • Celtx – ist so etwas maßgeschneidertes. Hauptsächlich für die Entwicklung von Drehbüchern geschrieben, lassen sich damit auch Theaterstücke, Radio- und Fernsehstücke, Comics und eben Romane entwickeln. Wir hatten vor einigen Jahren die Beta-Version ausprobiert und angefangen einen Kurzfilm zu schreiben, nunja, über „Das Princip des Films“ kamen wir nicht hinaus und in der Folge entstand dieses Blog… Weiterlesen

Schriftkultur

Ordentliches Gekrittel am taz-Gekrakel

Gedacht als „Ansprechpartner für brisante Informationen“ gibt es seit Kurzem eine neue Rubrik in der taz: opentaz. Hier darf der verbeamtete Geheimnisverräter seine Dokumente anonym abladen oder der geneigte Leser sich auch mal ein Thema wünschen. Diesmal also die baden-württembergische Schreibreform der Grundschulen. Anscheinend interessiert sich die Leserschaft unheimlich für dieses brisante Sujet. Klingt zwar erst unwahrscheinlich, ist es aber wahrscheinlich doch nicht – angesichts der Leserschaft dieses Blattes (junge Eltern u. dergl. m.).

Und wie zu erwarten: Die Taz steigt voll ein. Titelstory! Schließlich geht es um unsere KINDER. German Angst wieder einmal. Und diesmal ist es nicht der Terrorismus, auch nicht der böse Muselmann, diesmal ist das Abendland bedroht durch die vermeintliche Abschaffung der Schreibschrift.

Einige Bundesländer, allen voran BaWü, planen die verbundenen Schreibschriften abzuschaffen und stattdessen die Grundschrift einzuführen. Verbundene Schreibschriften? Das sind die (dekadisch wechselnden) Schriften, die jedes Kind der 2. Klasse in eigens dafür gedruckten Heftchen bis zur Sehenscheidenentzündung eintrainieren musste, obwohl man ja schon längst eine Schrift (nämlich die im 1. Schuljahr mühsam erlernte Druckschrift) beherrschte, um dann später doch eine individuelle, persönliche Handschrift zu entwickeln.

Die Grundschrift ist (und da ist Herr Füller von der taz, wie aus sonst des Öfteren, falsch informiert) auch eine Schreibschrift. Durch ein unkompliziertes System von verbundenen Druckbuchstaben soll eine flüssige Handschrift entstehen, mit der Kinder lebenslang lesbar, ergonomisch richtig und vor allem gerne schreiben. So hat es zumindest der in der Tat renomierte Pädagoge Horst Barnitzky erfolgreich erprobt.

„Verrat unserer Schriftkultur“ ängstigt sich Ute Andresen. Weiterlesen