Axolotl

Heute ist ja Darwins Geburtstag und alle Welt überschlägt sich. Ich denke mir, dass es ein paar Kniebeugen ja auch tun würden, und will daher einmal etwas zur Evolution im Allgemeinen, und über das Axolotl im Speziellen schreiben.

Fluch und Segen der E. ist wohl die Verkürzung der Theorie auf die These des „Survival of the fittest“. Einmal ganz abgesehen davon, dass mit diesem Satz die ein oder andere Boshaftigkeit auf diesem Planeten legitimiert werden sollte, erschließt sich der Satz eigentlich auch nur, wenn man die E. kennt. Und das traf und trifft wohl auf die meisten Menschen nicht zu. In der heutigen Zeit mag das zu einem Teil daran liegen, dass die Worte fit und fitness in einem gänzlich anderen Kontext wahrgenommen werden, dessen Beschreibung dem Autor hier nicht weiter zugemutet werden soll.

Und so steht bei der Evolutionstheorie eigentlich nicht so sehr die Art im Vordergrund, sondern ihr Ökosystem. Denn der Terminus fitness kann grundsätzlich nur eine relative Angabe sein, sowohl in seiner aktuellen, als auch in seiner eigentlichen Bedeutung (to fit=in etwas hineinpassen). Ein Zehnkämpfer auf dem Mars stirbt, obwohl er auf der Erde wahrscheinlich eines der fittesten Individuen ist. Er würde in der Antarktis nicht überleben, auch nicht in Wüste, Hochgebirge und Meer.

D.h. dass man eine Art immer von ihrer Nische her betrachten muss, um ihren evolutionären Vorteil erkennen zu können, und eine Nische kann alles sein: Die Besenkammer, der Amazonas, Taklamakan, oder eine spezielle Höhle.

Jetzt könnte man einwenden, dass so noch kein Fortschreiten der Evolution notwendig wäre, denn das erste Leben war wahrscheinlich an seine Nische schon angepasst, bzw. wurde aus ihr geboren, sonst hätte es gar nicht entstehen können. Und genau hier kommt die Reproduktion (also Sex) ins Spiel. Um der Entropie entgegen zu wirken, muss man seine genetische Information weitergeben, wofür man allerdings einen Träger benötigt. Und dieser Träger (von dem Darwin noch nichts wusste; was seine Leistung nicht gerade schmälert) ist ständig Veränderungen unterworfen, die man in Organismen auch Mutation nennt (bei CDs heißt das gerne mal „CRC–Fehler“). Das meint die zufälligen, durch Strahlung, Gifte, Krankheit, Parasiten und Mangelernährung entstehenden Fehler im Träger der genetischen Information, der DNS.

Nehmen wir als Beispiel mal ein Bakterium, dass sich von Algen ernährt. Es erfährt eine Mutation in seinem Genom, und kann daraufhin die Algen (die so gleich im Bakterium fröhlich weiterleben und sich evtl. vermehren) von denen es sich eigentlich gerne ernährt, schlechter verdauen. Im Wettbewerb mit den anderen Bakterien ein klarer Nachteil, denn so kann es nicht rasch genug die Energie aufbringen, sich zu teilen, sprich seine genetische Information weiter zu geben. Und so gehen die Tochterbakterien langsam zu Grunde, die Teilungsrate sinkt ins Bodenlose. Durch die Mangelernährung kommt es nun zu einer weiteren Mutation (dies geschieht natürlich nur in einer der Milliarden Tochterzellen), die es ermöglicht, die Stoffwechselprodukte der Alge zu nutzen, nachdem sie verspeist wurde. Und auf einmal: Bamm!!

Und so kann durch eine einzige, harmlos wirkende Mutation eine neue Art entstehen. Der Mensch könnte ohne diese geniale Vorarbeit gar nicht existieren. Die Kraftwerke unsere Zellen, die Mitochondrien, sind nichts anderes, als in unsere Zellen eingewanderte, einzellige Organismen, die über ihre eigene DNS verfügen. Eine Tatsache, die man sich gerne und häufig zu Nutze macht, wenn man Abstammungslinien erstellen will (wer möchte, kann darin die Verankerung der E. in den modernen Naturwissenschaften erkennen, und so könnte man den ganzen Kreationisten und I.D.lern zurufen:„Go figure! Entweder Alles oder Nichts!“, aber für solch billige Distinktionsgewinne sind wir hier nicht zu haben).

axolotlAuch das Axolotl, das gerade eben im Xochimilco-See ein bißchen Froschlaich verspeist hat, verdankt seine Existenz einer solchen, harmlos wirkenden Mutation. Bei diesem Organismus handelt es sich um einen mexikanischen Schwanzlurch, die wiederum ein Unterordnung der Amphibien darstellt. Es ist mit dem Grottenolm eng verwandt. Das Axolotl ist ein Nachfahre der ersten Landwirbeltiere, wie alle Amphibien, seine Besonderheit besteht darin, dass es niemals das Larvenstadium verlässt. Es ist quasi ein ewiger Kaulquapp und genau in dieser Form ist es an seine aquatische Nische angepasst. Der Grund dafür ist ein Schilddrüsendefekt, der Informationsträger der Metamorphose war defekt, ein Hormon namens Thyroxin, dass die Verwandlung beginnen lässt. Und selbst heute, Millionen Jahre später, kann man dem Axolotl Thyroxin zuführen, und in manchen Fällen, beginnt es mit der Metamorphose, was zwar nur in einigen Fällen funktioniert (wahrscheinlich wenn ein entsprechender genetischer Defekt vorliegt), aber die Stichhaltigkeit eines der wichtigsten biologischen Paradigma erneut nur zu klar vor Augen führt.

2 Meinungen zu “Axolotl

  1. avatar

    heißt das Ding jetzt Axolotol oder Axolotl?

  2. avatar

    Axolotl. Habs korrigiert. Der Name stammt aus der aztekischen Sprache Nahuatl, nämlich von Atl (Wasser) und Xolotl (Aztekengott). Dies bedeutet in etwa Wasserspiel oder Wassermonster oder Wasserpuppe.
    Mein neues Lieblingstier.

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