Balibar und die Idee des Kommunismus

Vorhin habe ich einen Vortrag von Etienne Balibar gehört. Es ging um Theater, Ästhetik und Louis Althussers Ideologietheorie. Der Vortrag war nicht uninteressant, aber insgesamt hat sich schon mein Eindruck verstärkt, dass Balibar von den großen Althusser-Schülern (die anderen beiden heute noch weithin bekannten sind Jacques Rancière und Alain Badiou) zwar der sympathischste, aber auch der orthodoxeste  – und langweiligste ist.

Ein schönes Zitat habe ich allerdings bei ihm gefunden, das ich gerne mit der geneigten (imaginären) Leserschaft teilen möchte:

Es besteht kein Zweifel, dass in Althussers Augen «Kommunismus» immer der (Eigen-) Name für Befreiung war, und zwar in Bezug auf jegliche Ausbeutung und Unterdrückung, und dass er fortan eindeutig die Gesamtbewegung bezeichnet, zu der sämtliche Formen des Kampfes für Freiheit und Brüderlichkeit in unseren Gesellschaftsformen (einschließlich der «sozialistischen» Gesellschaftsformen) beitragen.

Die Rede von der «Brüderlichkeit» ist zwar ein genderblinder Anachronismus, und zweifelhaft ist auch die Rhetorik der Unzweifelhaftigkeit – Balibar hat generell die Tendenz Althusser aufzuhübschen -, aber der Gedanke gefällt mir gut.

Etienne Balibar, Für Althusser, Mainz: Decaton/Edition Bronski 1994, S. 59.

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