Blogempfehlung: Abstract City

Sonne, herb­stlich dünn und zag,
Und das Obst fällt von den Bäu­men.
Stille wohnt in blauen Räu­men
Einen lan­gen Nach­mit­tag.

Der Herb­st war die Lieblingszeit des Dichters, doch wo Trakl ver­we­sende Flügel im Schat­ten sah, find­et Christoph Nie­mann Inspi­ra­tion. Herb­st­laub, seit jeher deutsches Bastel­ma­te­r­i­al, kann auch im 21. Jahrhun­dert dur­chaus noch seinen Charme entwick­eln, wenn man es in einen pop­kul­turellen Kon­text stellt.

Sein Blog bei der New York Times wird zwar äußerst spo­radisch befüllt, doch befriedi­gen die Ein­träge stets die Sehn­sucht nach ein­er vere­in­ten Form von Klugheit und Ele­ganz, wie sie Flaubert zu Papi­er brachte. Er geste­ht, bei Kip­pen­berg­er, Warhol und Dür­er zu klauen, den ersten hat­te Gui­do hier auch schon­mal behan­delt, und bleibt stets angenehm assozia­tiv. Die Bilder erscheinen, als wären sie vor weni­gen Minuten ent­standen, und sie trans­portieren die Idee/Illusion des Selb­st­gemacht­en, Authen­tis­chen. Das gelingt, weil er nicht nur seinen Mit­men­schen vorge­blich ehrlich gegenüber tritt, son­dern vor allem sich selb­st. Zwei Illus­tra­tio­nen über einen transat­lantis­che Flug verdeut­lich das.


Christoph Nie­mann hat zudem Kinder­büch­er veröf­fentlicht, u.a. über eine Wolke, die gerne Polizist gewor­den wäre.

Die neblige Straße schließt den Kreis zur Herb­st­stim­mung. Noch ist Zeit. Trakl:

Däm­merung voll Ruh und Wein
Trau­rige Gui­tar­ren rin­nen.
Und zur milden Lampe drin­nen
Kehrst du wie im Traume ein.

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