Blogempfehlung: Abstract City

5. November 2010 | Kommentieren

Sonne, herbstlich dünn und zag,
Und das Obst fällt von den Bäumen.
Stille wohnt in blauen Räumen
Einen langen Nachmittag.

Der Herbst war die Lieblingszeit des Dichters, doch wo Trakl verwesende Flügel im Schatten sah, findet Christoph Niemann Inspiration. Herbstlaub, seit jeher deutsches Bastelmaterial, kann auch im 21. Jahrhundert durchaus noch seinen Charme entwickeln, wenn man es in einen popkulturellen Kontext stellt.

Sein Blog bei der New York Times wird zwar äußerst sporadisch befüllt, doch befriedigen die Einträge stets die Sehnsucht nach einer vereinten Form von Klugheit und Eleganz, wie sie Flaubert zu Papier brachte. Er gesteht, bei Kippenberger, Warhol und Dürer zu klauen, den ersten hatte Guido hier auch schonmal behandelt, und bleibt stets angenehm assoziativ. Die Bilder erscheinen, als wären sie vor wenigen Minuten entstanden, und sie transportieren die Idee/Illusion des Selbstgemachten, Authentischen. Das gelingt, weil er nicht nur seinen Mitmenschen vorgeblich ehrlich gegenüber tritt, sondern vor allem sich selbst. Zwei Illustrationen über einen transatlantische Flug verdeutlich das.


Christoph Niemann hat zudem Kinderbücher veröffentlicht, u.a. über eine Wolke, die gerne Polizist geworden wäre.

Die neblige Straße schließt den Kreis zur Herbststimmung. Noch ist Zeit. Trakl:

Dämmerung voll Ruh und Wein
Traurige Guitarren rinnen.
Und zur milden Lampe drinnen
Kehrst du wie im Traume ein.


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