Feb 23 2009

Die guten Seiten

Nicht alles ist schlecht. Es gibt auch kul­tu­relle Ent­wick­lun­gen, die erfreu­lich sind. Für mich per­sön­lich: die Renais­sance der Vinyl-Schallplatte. Schon vor einem hal­ben Jahr hat die NYT dazu fest­ge­stellt: 

The ranks of vinyl devo­tees are gro­wing. Lately, the ana­chro­nistic LP has expe­ri­en­ced an unli­kely spike in sales, deca­des after the main­stream music indus­try wrote off the for­mat as obso­lete. Major labels are expan­ding their vinyl offe­rings for the first time since they left records for dead nearly two deca­des ago…

Wozu soll man sich noch CDs kau­fen, wenn die Musik in fast glei­cher Qua­li­tät auch als MP3 — und in fast allen Fäl­len: kos­ten­los — zu haben ist. Für Samm­ler und Feti­schis­ten hatte Vinyl ja eh immer Vor­teile gegen­über den klei­nen Sil­ber­schei­ben in den häss­li­chen Plas­tik­hül­len: große Cover und die­ses ritua­li­sierte aus der Hülle holen und auf den Plat­ten­tel­ler legen.

Die Zah­len bewei­sen, dass nicht nur alte Fans, son­dern auch jün­gere Men­schen, die eigent­lich im Post-Vinyl-Zeitalter auf­ge­wach­sen sind, im Laden wie­der öfter zu den gro­ßen For­ma­ten grei­fen: in den USA bei­spiels­weise sind die Ver­käufe 2008 gegen­über 2007 um 89 Pro­zent ange­stie­gen (von fast 1 Mil­lion auf 1.88 Mil­lio­nen), nach­dem schon 2007 deut­lich mehr Plat­ten ver­kauft wor­den waren als im Vorjahr. 

Und, ganz beson­ders erfreu­lich: nach­dem kleine Bands jah­re­lang aus Kos­ten­grün­den nur CDs ver­öf­fent­lich­ten, ent­ste­hen jetzt wie­der Vinyl-Only-Labels, z.B. das über­aus sym­pa­thi­sche Ame­ri­can Typewri­ter, auf dem soeben die erste, sehr schöne Platte von Matt Sheehy erschie­nen ist. Und auch die ange­kün­digte zweite Ver­öf­fen­ti­chung der Postrock-Band Var­gas klingt vielversprechend. Glückwunsch!

Ein Kommentar zu “Die guten Seiten”

  • Florian Florian Sagt:

    In der Tat eine erfreu­li­che kul­tu­relle Ent­wick­lung. Nicht nur wegen Vinyl-Haptik und Technik-Melancholie. Denn, nicht zu ver­ges­sen: die gute alte Schall­platte hat eine A– und eine B-Seite und damit eine Bin­nen­struk­tur, die bei der CD ver­lo­ren geht. Und das ist doch eigent­lich schade.

Antworten