Die guten Seiten

Nicht alles ist schlecht. Es gibt auch kulturelle Entwicklungen, die erfreulich sind. Für mich persönlich: die Renaissance der Vinyl-Schallplatte. Schon vor einem halben Jahr hat die NYT dazu festgestellt: 

The ranks of vinyl devotees are growing. Lately, the anachronistic LP has experienced an unlikely spike in sales, decades after the mainstream music industry wrote off the format as obsolete. Major labels are expanding their vinyl offerings for the first time since they left records for dead nearly two decades ago…

Wozu soll man sich noch CDs kaufen, wenn die Musik in fast gleicher Qualität auch als MP3 – und in fast allen Fällen: kostenlos – zu haben ist. Für Sammler und Fetischisten hatte Vinyl ja eh immer Vorteile gegenüber den kleinen Silberscheiben in den hässlichen Plastikhüllen: große Cover und dieses ritualisierte aus der Hülle holen und auf den Plattenteller legen.

Die Zahlen beweisen, dass nicht nur alte Fans, sondern auch jüngere Menschen, die eigentlich im Post-Vinyl-Zeitalter aufgewachsen sind, im Laden wieder öfter zu den großen Formaten greifen: in den USA beispielsweise sind die Verkäufe 2008 gegenüber 2007 um 89 Prozent angestiegen (von fast 1 Million auf 1.88 Millionen), nachdem schon 2007 deutlich mehr Platten verkauft worden waren als im Vorjahr. 

Und, ganz besonders erfreulich: nachdem kleine Bands jahrelang aus Kostengründen nur CDs veröffentlichten, entstehen jetzt wieder Vinyl-Only-Labels, z.B. das überaus sympathische American Typewriter, auf dem soeben die erste, sehr schöne Platte von Matt Sheehy erschienen ist. Und auch die angekündigte zweite Veröffentichung der Postrock-Band Vargas klingt vielversprechend. Glückwunsch!

Eine Meinung zu “Die guten Seiten

  1. avatar

    In der Tat eine erfreuliche kulturelle Entwicklung. Nicht nur wegen Vinyl-Haptik und Technik-Melancholie. Denn, nicht zu vergessen: die gute alte Schallplatte hat eine A- und eine B-Seite und damit eine Binnenstruktur, die bei der CD verloren geht. Und das ist doch eigentlich schade.

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