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Die guten Seiten

Nicht alles ist schlecht. Es gibt auch kul­turelle Entwick­lun­gen, die erfreulich sind. Für mich per­sön­lich: die Renais­sance der Vinyl-Schallplat­te. Schon vor einem hal­ben Jahr hat die NYT [1] dazu fest­gestellt: 

The ranks of vinyl devo­tees are grow­ing. Late­ly, the anachro­nis­tic LP has expe­ri­enced an unlike­ly spike in sales, decades after the main­stream music indus­try wrote off the for­mat as obso­lete. Major labels are expand­ing their vinyl offer­ings for the first time since they left records for dead near­ly two decades ago…

Wozu soll man sich noch CDs kaufen, wenn die Musik in fast gle­ich­er Qual­ität auch als MP3 — und in fast allen Fällen: kosten­los — zu haben ist. Für Samm­ler und Fetis­chis­ten hat­te Vinyl ja eh immer Vorteile gegenüber den kleinen Sil­ber­scheiben in den hässlichen Plas­tikhüllen: große Cov­er und dieses rit­u­al­isierte aus der Hülle holen und auf den Plat­ten­teller leg­en.

Die Zahlen beweisen, dass nicht nur alte Fans, son­dern auch jün­gere Men­schen, die eigentlich im Post-Vinyl-Zeital­ter aufgewach­sen sind, im Laden wieder öfter zu den großen For­mat­en greifen: in den USA beispiel­sweise sind die Verkäufe 2008 gegenüber 2007 um 89 Prozent angestiegen (von fast 1 Mil­lion auf 1.88 Mil­lio­nen), nach­dem schon 2007 deut­lich mehr Plat­ten verkauft wor­den waren als im Vor­jahr. 

[2]Und, ganz beson­ders erfreulich: nach­dem kleine Bands jahre­lang aus Kosten­grün­den nur CDs veröf­fentlicht­en, entste­hen jet­zt wieder Vinyl-Only-Labels, z.B. das über­aus sym­pa­this­che Amer­i­can Type­writer [3], auf dem soeben die erste, sehr schöne Plat­te von Matt Shee­hy erschienen ist. Und auch die angekündigte zweite Veröf­fen­tichung der Postrock-Band Var­gas [4] klingt vielver­sprechend. Glück­wun­sch!