digital ist besser II

Heute: Dieter Gorny

Der ist mit­tler­weile Chef der deutschen Musikin­dus­trie und son­dert in dieser Funk­tion wie selb­stver­ständlich son­der­baren Wort­laut ab. Doch nicht nur er, auch Ste­fan Michalk, der Geschäfts­führer des Bun­desver­ban­des, scheint von dieser abstoßen­den, ver­balen Log­or­rhoe infiziert zu sein.

Wir wer­den wieder mehr kla­gen.

Tre­f­fen sich zwei Anwälte. Sagt der eine:“Und, wie geht’s dir?” Antwortet der andere:“Schlecht, ich kann nicht kla­gen.” Ein zugegeben äußerst müh­seliger Witz, aber angesichts dessen, was heute bei heise zu lesen war, ein Kalauer der Extrak­lasse.

Stefan Michalk

Ste­fan Michalk

Nun­ja, heut hat die MI jeden­falls erneut die Presse mit ein­drucksvollem Geschwurbel beliefert, Zahlen zum Umsatz (Präsen­ta­tion der Mark­tzahlen für das Jahr 2008), um genau zu sein, Zahlen zum Gewinn veröf­fentlichen die Fei­glinge ja gar nicht erst groß. Faz­it: Umsatz ist zurück­ge­gan­gen, CD & DVD machen immer noch 81% des Umsatzes aus, aber der soge­nan­nte Dig­i­tal­markt wächst kräftig.

Gestört wird die Feier­stim­mung nur durch die um 1% gestiegenene Zahl der ille­galen Down­loads im Jahr 2008. Die erneute leichte Zunahme beze­ich­net Dieter Gorny zuver­sichtlich als “kleinen Pick­el”, der auch noch “clear­asiliert” werde. Eigentlich sollte ihm das egal sein, denn die Musikin­dus­trie hat ein­drucksvoll belegt, dass die Zahl der ille­galen Down­loads nicht das Ger­ing­ste mit dem von ihr erwirtschafteten Umsatz zu tun hat. So sank im Jahr 2007 die Zahl der ille­gal kopierten Titel zwar von 600.000.000 auf 312.000.000, der Umsatz der MI sank im sel­ben Jahr aber um 3,2%. Da möchte man aus­rufen: cum hoc ergo propter hoc!! Oder: Wie die MI Kausal­ität ein­fach erfind­et. Oder: Log­ic Fail!

In diesem Sinn begrüßt Gorny das Vorhaben des Buch­han­dels, mit der ver­stärk­ten Ein­führung von E-Books par­al­lel ganz selb­stver­ständlich auch auf den Klageweg zu set­zen. Der Musikin­dus­trie bleibe nichts anderes übrig, als eben­falls wieder ver­mehrt vor die Gerichte zu ziehen, solange die Diskus­sion über das Auf­set­zen eines Sys­tems ein­er “abgestuften Erwiderung” auf Urhe­ber­rechtsver­let­zun­gen mit Warn­hin­weisen und Inter­netsper­ren hierzu­lande in eine Sack­gasse ger­at­en sei. Neue Anstöße für diese Debat­te erhofft sich Gorny, wenn das entsprechende franzö­sis­che Mod­ell erst ein­mal als Vor­bild für ganz Europa leuchte.

Potzblitz! Macht der doofe deutsche Rechtsstaat der MI mal wieder einen Strich durch die Rech­nung. Dass man den Leuten aber auch ein­fach so das Inter­net nicht sper­ren kann, sowas aber auch. Obwohl man sich so eine tolle TINA-Argu­men­ta­tion aus den Fin­gern geso­gen hat. Das franzö­sis­che Mod­ell dürfte übri­gens deut­liche Schwierigkeit­en haben, mit irgen­dein­er europäis­chen Ver­fas­sung kon­form zu sein. Aber was sind schon Grun­drechte des Bürg­ers gegen die ent­gan­genen Gewinne ein­er Indus­trie, die nur kurz ein zehn­jähriges Nick­erchen gemacht hat.

Eine Meinung zu “digital ist besser II

  1. avatar

    […] noch? Ich wette, dem­nächst taucht die näch­ste Pseu­do-Sta­tis­tik auf, die uns weiß machen will, dass der Down­load von Musik auf dem direk­ten Weg zur Pleite von […]

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