EPIC WINNING LOL

zwitscherte Peter Sunde heute vergnügt in die Welt hinaus. Er hatte allen Grund dazu, denn im Verfahren gegen The Pirate Bay musste die Staatsanwaltschaft schon heute einen derben Rückschlag hinnehmen. Woraufhin die taz zu schäbiger Polemik sich hinreißen liess:

Schon an Prozesstag zwei lässt die Staatsanwaltschaft die Hälfte ihrer Klage gegen die „Pirate Bay“-Betreiber fallen. Grund: Die Piraten stellten die technische Inkompetenz der Ankläger bloß.

Abgesehen davon, dass wohl die wenigsten Schreiberlinge der taz auf Anhieb erklären könnten, was distributed hash tables sind, und diese Zwischenüberschrift den Axel-Springer-Orden am Band verdient hat, scheint es aber tatsächlich so zu sein, dass der Staatsanwalt (nachdem er sich 3 Jahre auf den Prozess vorbereitet hat), mit äußerst dürftigen Beweisen vor Gericht erschienen ist.
So sind seine sogenannten Beispiel-Downloads samt und sonders nichtig, weil er damit nicht beweisen kann, dass die Downloads nur durch den Pirate-Bay-Tracker (übrigens deutsche Softwähr) ermöglicht wurden. Denn auf den Traktor Tracker kommt es an, da dieser die Information über evtl. vorhandene Dateien verwaltet. Wer nicht weiß, was ein Tracker ist, oder was überhaupt Bittorrent sein soll, dem sei hier noch einmal die famose, zweistundenlange Ausgabe 57 des Chaosradio Express Podcasts empfohlen.

Da der Staatsanwalt Håkan Roswall keine Ahnung von Treckern hat, musste er heute einen wichtigen Punkt seiner Anklage fallen lassen. Roswall wirft den vier Angeklagten nun nicht mehr die Mittäterschaft bei der „Vervielfältigung“ urheberrechtlich geschützten Materials vor, sondern lediglich die Komplizenschaft bei der „Bereitstellung“ von Raubkopien. Ist für jeden normalen Menschen im Grunde dasselbe, juristisch aber ein deutlicher Unterschied. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden die Angeklagten aber noch nicht einmal dafür belangt werden.

So bleibt vom heutigen Tag eigentlich nur Häme für die blaugelbe Strafverfolgungsbehörde, eine volle Breitseite für die Schaluppe der Musikindustrie. Die Angeklagten haben Staatsanwalt und Polizei darüber aufklären müssen, dass es Unsinn ist, ihnen vorwerfen zu wollen, was Internetuser im Einzelnen auf ihrem Rechner mit den Dateien anstellen, für die „Pirate Bay“ nur Torrent-Dateien, also „Wegweiser“ bereitgestellt hat.

Fredrik Neij, einer der Angeklagten, hatte sich darüber amüsiert, wie „unglaublich niedrig“ das Niveau der technischen Kenntnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft sei.

Wenn jemand am Boden liegt, so tut man sich schwer nochmal nachzutreten. Auch, weil man weiß, dass schwedischen Medienberichten zufolge der Leiter der Vorermittlungen gegen Pirate Bay seinen Posten bei der Polizei inzwischen gegen einen neuen Job bei Warner Bros Schweden getauscht haben soll. Wenn selbst spawn über Belehrungen für die Staatsanwaltschaft schreibt, und das Mitleid schon um die Ecke lugt, so sollte man sich doch klar machen, dass es hier um den Todeskampf einer kapitalistischen Distributionsform geht.

Eine Meinung zu “EPIC WINNING LOL

  1. avatar

    […] Prozess gegen die Betreiber von The Pirate Bay (wir berichteten) geht langsam dem Ende entgegen, und ich möchte vor der Urteilsverkündung die Gelegenheit nutzen, […]

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