Fotografischer Adventskalender 6 (Gardner, 1865)

Ein Bild aus der Serie, die Alexan­der Gard­ner 1865 von Lewis Payne (richtiger Name: Lewis Pow­ell) gemacht hat, der zum Tode verurteilt wor­den war, nach­dem er ver­sucht hat­te, den dama­li­gen US-Außen­min­is­ter W.H. Seward zu ermor­den. Was wir auf dem Bild sehen ist also ein dem Tod Gewei­hter, ein junger Mann, der weiß, dass er bald ster­ben wird. Ein anderes Foto aus der gle­ichen Serie inspiri­erte Roland Barthes in seinem Fotothe­o­rie-Büch­lein Die helle Kam­mer — das Wort­spiel, das der Titel mit «cam­era obscu­ra» treibt, ist in der deutschen Über­set­zung nur zu erah­nen — zur Über­legung zum «neuen punc­tum» :

Dieses neue punc­tum, nicht mehr eines der Form, son­dern der Dichte, ist die Zeit, ist die erschüt­ternde Emphase des Noe­mas («Es-ist-so-gewe­sen»), seine reine Abbil­dung. […] Ich lese gle­ichzeit­ig: das wird sein und das ist gewe­sen; mit Schreck­en gewahre ich eine vol­len­dete Zukun­ft, deren Ein­satz der Tod ist. Indem die Pho­togra­phie mir die vol­len­dete Ver­gan­gen­heit der Pose (den Aorist) dar­bi­etet, set­zt sie für mich den Tod in die Zukun­ft.

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