Fotografischer Adventskalender 8 (Muybridge 1878)


Vor der Zeit des Ead­weard Muy­bridge wusste kein Men­sch, in welch­er Rei­hen­folge sich die Beine eines tra­ben­den Pfer­des befind­en. Ein für die Men­schheit akutes und äußerst wichtiges Prob­lem wurde erst durch eine Rei­he von Fotografien gelöst, auf denen das Pferd in allen Sta­di­en seines Laufes fest­ge­hal­ten wurde. Doch eine der­ar­tige Rei­he kon­nte selb­stver­ständlich nicht mit einem einzi­gen Appa­rat ereldigt wer­den. Muy­bridge schal­tete erst ein, dann zwei und schließlich drei dutzend Fotoap­pa­rate hin­tere­inan­der, um jede Einzel­be­we­gung des Tiers festzuhal­ten. Die Serielle Fotografie war geboren. Doch ließ sich mit ein­er Rei­hen­fo­tografie wie dieser noch etwas anderes bew­erk­stel­li­gen: Ein fotografis­ches Dau­menk­i­no, dass die Bilder nicht in ein­er über­sichtlichen Tafel präsen­tiert, son­dern hin­tere­inan­der ablaufen lässt.

Ein ewiger Ritt auf der Rennstrecke in Palo Alto, aufgenom­men am 19. Juni 1878. Die Entwick­lung der seriellen Auf­nah­me­tech­nik war nicht nur für die Fotografie rev­o­lu­tionär, son­dern bee­in­flusste die ver­wandten Kün­ste der Malerei und des Films in vielle­icht noch stärk­erem Maße, wie man in Mar­cel Duchamps berühmten “Nude Descend­ing a Stair­case (No. 2)”, das von ein­er Muy­bridgschen Rei­he inspiri­ert wurde, eben­so sehen kann, wie an de mod­er­nen “Bullet-Time”-Technik des Block­busterki­nos der 90er. So haben auch banale Fra­gen, wie die nach der Fußstel­lung des Pfer­des im Trab, unab­se­hbare Auswirkun­gen auf die men­schliche Kul­tur.

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