Mrz 30 2009

Garage

Die meis­ten mei­ner Kino­be­su­che in letz­ter Zeit waren ent­täu­schende Erleb­nisse. Filme, von denen ich vor­her auf dem einen oder ande­ren Weg den Ein­druck ver­mit­telt bekom­men hatte, dass sie unbe­dingt sehens­wert seien, Filme die irgend­wie ‚wich­tig‘ schie­nen, waren wenig über­zeu­gend (The Wrestler,  The Inter­na­tio­nal, Frost/Nixon, Üc May­mum), teil­weise sogar wirk­lich ärger­lich (Gran Torino). Aber über die Aus­nahme möchte ich nicht schwei­gen. Eine Aus­nahme, die in gewis­sem Sinn auch wie­der keine ist, weil die­ser Film kaum Auf­merk­sam­keit bekom­men hat, offen­bar also nicht wirk­lich für wich­tig erach­tet wird. Ich rede von Garage, einem Film von Lenny Abra­ham­son, der bei den Irish Aca­demy Awards sowohl für den bes­ten iri­schen Film 2007 als auch als bes­ter Regis­seur aus­ge­zeich­net wurde.

Es geht um den kör­per­lich und geis­tig etwas zurück­ge­blie­be­nen Tank­wart Josie und sein Leben in einer iri­schen Klein­stadt. Zu Beginn war ich unsi­cher, ob nicht aus die­ser Kon­stel­la­tion zwangs­läu­fig ent­we­der eine Komö­die auf Kos­ten der Debi­li­tät des Prot­ago­nis­ten oder ein mise­ra­bi­lis­ti­sches Lehr­stück werde müsse. Und war dann zuneh­mend beglückt, dass es dem Film gelingt, genau diese Ten­den­zen zu ver­mei­den. Er nimmt nicht nur die Haupt­fi­gur ernst, son­dern auch die Situa­tio­nen, in die sie gerät (und ganz humor­frei ist er trotz­dem nicht). Nie bekommt man das Gefühl, dass ohne­hin alles auf eine Kata­stro­phe hin­aus­läuft, son­dern eher, dass doch eigent­lich alles auch ganz o.k. wer­den könnte.

Auch unter nar­ra­to­lo­gi­schen Aspek­ten ist der Film sehr inter­es­sant. Die externe Foka­li­sie­rung auf den Prot­ago­nis­ten erzeugt eine Unsi­cher­heit dar­über, wie Josie seine Welt, seine Kon­flikte eigent­lich erlebt und ver­ar­bei­tet und was ihn jeweils zu sei­nen Hand­lun­gen moti­viert. Wir beob­ach­ten ihn wie einen Frem­den, den wir lang­sam näher ken­nen­ler­nen. Erwäh­nens­wert sind auch die nar­ra­ti­ven Leer­läufe, in denen kaum etwas pas­siert, das die Hand­lung vor­an­bringt oder uns ihren Ver­lauf ver­ständ­lich machen würde. Ergänzt wer­den diese auf der ande­ren Seite durch nar­ra­tive Ellip­sen, also Aus­las­sun­gen von hand­lungs­re­le­van­ten Ereig­nis­sen, die aber durch den Kon­text men­tal rekon­stru­iert wer­den kön­nen. Kom­bi­niert mit einer wirk­lich bril­lan­ten Kame­ra­ar­beit erzeu­gen diese nar­ra­ti­ven Tech­ni­ken, die externe Foka­li­sie­rung, die Leer­läufe und die Ellip­tie­rung ein (wie Mat­thias Maria, dem ich den Besuch des Films ver­danke, sehr rich­tig gesagt hat:) „mind game movie“ der beson­de­ren Art.

Außer­dem hat der Film eine der schöns­ten Schluss­ein­stel­lun­gen der jün­ge­ren Film­ge­schichte. Seht selbst.

Ein Kommentar zu “Garage”

  • Fertiggaragen Fertiggaragen Sagt:

    Ich muss sagen, dass ich den Film wirk­lich rich­tig klasse finde. Unter dem Titel „Garage“ konnte ich mir zunächst sehr wenig vor­stel­len, aber der Film fes­selt einen wirk­lich schon inner­halb der ers­ten weni­gen Minu­ten.
    Das ist defi­ni­tiv ein Favo­rit, den ich mir gern auf DVD kau­fen werde, wenn es wie­der einen Anlass dafür gibt.

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