Garage

Die meisten meiner Kinobesuche in letzter Zeit waren enttäuschende Erlebnisse. Filme, von denen ich vorher auf dem einen oder anderen Weg den Eindruck vermittelt bekommen hatte, dass sie unbedingt sehenswert seien, Filme die irgendwie ‘wichtig’ schienen, waren wenig überzeugend (The Wrestler,  The International, Frost/Nixon, Üc Maymum), teilweise sogar wirklich ärgerlich (Gran Torino). Aber über die Ausnahme möchte ich nicht schweigen. Eine Ausnahme, die in gewissem Sinn auch wieder keine ist, weil dieser Film kaum Aufmerksamkeit bekommen hat, offenbar also nicht wirklich für wichtig erachtet wird. Ich rede von Garage, einem Film von Lenny Abrahamson, der bei den Irish Academy Awards sowohl für den besten irischen Film 2007 als auch als bester Regisseur ausgezeichnet wurde.

Es geht um den körperlich und geistig etwas zurückgebliebenen Tankwart Josie und sein Leben in einer irischen Kleinstadt. Zu Beginn war ich unsicher, ob nicht aus dieser Konstellation zwangsläufig entweder eine Komödie auf Kosten der Debilität des Protagonisten oder ein miserabilistisches Lehrstück werde müsse. Und war dann zunehmend beglückt, dass es dem Film gelingt, genau diese Tendenzen zu vermeiden. Er nimmt nicht nur die Hauptfigur ernst, sondern auch die Situationen, in die sie gerät (und ganz humorfrei ist er trotzdem nicht). Nie bekommt man das Gefühl, dass ohnehin alles auf eine Katastrophe hinausläuft, sondern eher, dass doch eigentlich alles auch ganz o.k. werden könnte.

Auch unter narratologischen Aspekten ist der Film sehr interessant. Die externe Fokalisierung auf den Protagonisten erzeugt eine Unsicherheit darüber, wie Josie seine Welt, seine Konflikte eigentlich erlebt und verarbeitet und was ihn jeweils zu seinen Handlungen motiviert. Wir beobachten ihn wie einen Fremden, den wir langsam näher kennenlernen. Erwähnenswert sind auch die narrativen Leerläufe, in denen kaum etwas passiert, das die Handlung voranbringt oder uns ihren Verlauf verständlich machen würde. Ergänzt werden diese auf der anderen Seite durch narrative Ellipsen, also Auslassungen von handlungsrelevanten Ereignissen, die aber durch den Kontext mental rekonstruiert werden können. Kombiniert mit einer wirklich brillanten Kameraarbeit erzeugen diese narrativen Techniken, die externe Fokalisierung, die Leerläufe und die Elliptierung ein (wie Matthias Maria, dem ich den Besuch des Films verdanke, sehr richtig gesagt hat:) “mind game movie” der besonderen Art.

Außerdem hat der Film eine der schönsten Schlusseinstellungen der jüngeren Filmgeschichte. Seht selbst.

Eine Meinung zu “Garage

  1. avatar

    Ich muss sagen, dass ich den Film wirklich richtig klasse finde. Unter dem Titel “Garage” konnte ich mir zunächst sehr wenig vorstellen, aber der Film fesselt einen wirklich schon innerhalb der ersten wenigen Minuten.
    Das ist definitiv ein Favorit, den ich mir gern auf DVD kaufen werde, wenn es wieder einen Anlass dafür gibt.

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