In memoriam Tim Stüttgen For a Friend

young tim stüttgen

Ich ver­danke Tim viel. Vieles habe ich durch ihn ken­nen­gel­ernt. In seinem Kellerz­im­mer, in dem so manche Ini­ti­a­tion in ver­gan­gene Avant­garde-Höhep­unk­te stat­tfand, habe ich mit 18 die ersten Free­jaz­zplat­ten gehört, die ersten Diskus­sio­nen über die Beat­niks geführt und die ersten Filme von Tarkowskij, Godard und Cas­savetes gese­hen. Ich erin­nere mich daran, dass wir Jarmusch’s Per­ma­nent Vaca­tion in einem der­maßen vernebel­ten Zus­tand guck­ten, dass ich von dem Film am näch­sten Tag buch­stäblich nichts mehr wusste.

Ken­nen­gel­ernt habe ich Tim 1997 als bis zur Ver­aus­gabung viel­seit­ig inter­essierten und großzügi­gen Men­schen, was gepaart mit gewis­sen (ego-)manischen Zügen eine sehr eigen­tüm­liche Mis­chung ergab. Seine Plat­ten, Büch­er, Videokas­set­ten waren in der rhein­ländis­chen Kle­in­stadt zwis­chen Düs­sel­dorf und Köln, in der wir bei­de aufgewach­sen sind, über einen großen Fre­un­deskreis ver­streut. Mit einem dieser Fre­unde, der von Tims Freige­bigkeit unge­niert Gebrauch machte, habe ich Duzende sein­er Plat­ten gehört. Viele klan­gen fremd und großar­tig und berauschend. Ich denke etwa an die LP Reformhölle der (zu unrecht ver­hält­nis­mäßig unbekan­nten) Ham­burg­er Schule-Band Cpt. Kirk & ., die Tim mir einige Jahre später schenk­te (nach­dem ich sie in ver­schiede­nen Plat­ten­lä­den verge­blich gesucht hat­te, wir also bei­de wussten, dass sie recht rar war).

Vor allem aber habe ich Tim die ersten Kon­tak­te mit der Musikrich­tung zu ver­danken, die mich nach­hältig prägte. Er hat­te eine Mix­tape aufgenom­men, das beschriftet war mit den Worten: «this is the so-called postrock»; mit Stück­en von Tor­toise, Trans Am, Eleventh Dream Day und Ui. Das war Musik, auf die ich gewartet hat­te, ohne es zu wis­sen; Musik, die dazu führte, dass wir uns mit Runde 1, der Band, in der ich damals spielte, vom Blum­feld-Sound unser­er Anfangstage hin zu Postrock-Anlei­hen und Mark-Hol­lis-Ein­flüssen verän­derten. Tim war ein­er der ersten, dem wir die Auf­nah­men für unsere 7“-Single «The riv­er is served, sir» vor­spiel­ten. Später hat er Konz­erte von uns gefilmt und uns in Trois­dorf im BluBox-Ton­stu­dio besucht.

Ich habe in den bei­den ver­gan­genen Wochen viel an Tim gedacht. Hun­dert Dinge sind mir wieder einge­fall­en: seine ersten, noch unbe­darften, aber enthu­si­astis­chen Film­pro­jek­te, seine bei­den Bands Klang (irgend­wo zwis­chen den Doors und den Ein­stürzen­den Neubaut­en) und Diakustik (deutschsprachiger Hiphop mit Live­in­stru­menten, noch vor dem ersten großen deutschen Hiphop-Hype und mit sehr viel Poten­zial), gemein­same Konz­ertbe­suche und Par­tys, sein Bericht vom ersten Auftritt in der Spex-Redak­tion, sein Pro­jekt Play­ing Kontin­genz (von dem Felix Klopotek in seinem Nachruf spricht), gegen­seit­ige Besuche in europäis­chen Großstädten, seine Downs nach Tren­nun­gen, seine vie­len Begeis­terun­gen, seine tausend Ideen. Sein zu kurzes Leben war ein pral­lvolles, immer­hin.

Aber das macht es nicht bess­er. So long, Tim, alter Fre­und. Ich denke an dich und bin weit­er untröstlich.

2 Meinungen zu “In memoriam Tim Stüttgen For a Friend

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    Es ist trau­rig Tim. Ich ver­misse Dich. Dein Bastie Pesch , The Lord of fuck­ing Dark­ness!!!!!!

  2. avatar

    Ich bin auch am 3.10.1977 geboren. 2 Stun­den nach Dir.

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