Trouble with Academia

Unterhält man sich mit KollegInnen, die an einer Universität arbeiten, hört man in letzter Zeit vor allem Klagen – über zu geringe Löhne, zu lange Arbeitszeiten, zu viele Tätigkeiten, die einen von der Forschung abhalten, und vor allem über viel zu unsichere Zukunftsaussichten. Ich kenne vor allem Leute in den Geisteswissenschaften und die haben zum Teil die gleichen, zum Teil andere Probleme als solche, die an natur- oder sozialwissenschaftlichen Fakultäten arbeiten. Dass fast überall radikaler Reformbedarf herrscht, ist aber nicht mehr zu übersehen. Einen sehr lesenswerten Text zu dem Thema hat ein ehemaliger PhD-Student von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) geschrieben. Er ist hier zu finden.

 

Ein Grund zur Freude Zabriskie Buchladen

zabriskie-point-overvue-death-valley-united-states+1152_12994555458-tpfil02aw-29684Wie schön: Seit dieser Woche hat der neue Buchladen Zabriskie in der Manteuffel-Straße 73 geöffnet. Im Herzen von Kreuzberg werden den letzten Bibliophilen feine Schätze, Klassiker und Raritäten zu den Themenfeldern Gegenkultur, Rausch, Utopie, Obskures & Kultiges in Film und Musik geboten. Die Auswahl ist noch nicht riesig groß, aber dafür umso erlesener. Die kluge, geschmackvolle Leserin wird hier sicher fündig werden. Hübsch eingerichtet ist der Laden auch und lädt zum Verweilen ein. Ich werde dort die ein oder andere gemütliche Stunde verbringen und in den schönen Büchern blättern. Ein Grund zur Freude!

«Commons based queer production»

…war zuerst nur ein Wortspiel, mit dem der Vortrag schloss, den ich zusammen mit Bini zum Thema «Utopie» in einer Reihe der Jour Fixe-Initiative gehalten habe. Dann hat sich Bini das für die erste Frankfurter Occupy-Demo auf ein Plakat gemalt, wurde dort von Benni Bärmann gesehen und fotografiert und gefragt, was es damit auf sich habe. Die Antwort ist ein kleines Textchen, das seit gestern drüben bei keimform steht.

Schriftkultur

Ordentliches Gekrittel am taz-Gekrakel

Gedacht als „Ansprechpartner für brisante Informationen“ gibt es seit Kurzem eine neue Rubrik in der taz: opentaz. Hier darf der verbeamtete Geheimnisverräter seine Dokumente anonym abladen oder der geneigte Leser sich auch mal ein Thema wünschen. Diesmal also die baden-württembergische Schreibreform der Grundschulen. Anscheinend interessiert sich die Leserschaft unheimlich für dieses brisante Sujet. Klingt zwar erst unwahrscheinlich, ist es aber wahrscheinlich doch nicht – angesichts der Leserschaft dieses Blattes (junge Eltern u. dergl. m.).

Und wie zu erwarten: Die Taz steigt voll ein. Titelstory! Schließlich geht es um unsere KINDER. German Angst wieder einmal. Und diesmal ist es nicht der Terrorismus, auch nicht der böse Muselmann, diesmal ist das Abendland bedroht durch die vermeintliche Abschaffung der Schreibschrift.

Einige Bundesländer, allen voran BaWü, planen die verbundenen Schreibschriften abzuschaffen und stattdessen die Grundschrift einzuführen. Verbundene Schreibschriften? Das sind die (dekadisch wechselnden) Schriften, die jedes Kind der 2. Klasse in eigens dafür gedruckten Heftchen bis zur Sehenscheidenentzündung eintrainieren musste, obwohl man ja schon längst eine Schrift (nämlich die im 1. Schuljahr mühsam erlernte Druckschrift) beherrschte, um dann später doch eine individuelle, persönliche Handschrift zu entwickeln.

Die Grundschrift ist (und da ist Herr Füller von der taz, wie aus sonst des Öfteren, falsch informiert) auch eine Schreibschrift. Durch ein unkompliziertes System von verbundenen Druckbuchstaben soll eine flüssige Handschrift entstehen, mit der Kinder lebenslang lesbar, ergonomisch richtig und vor allem gerne schreiben. So hat es zumindest der in der Tat renomierte Pädagoge Horst Barnitzky erfolgreich erprobt.

„Verrat unserer Schriftkultur“ ängstigt sich Ute Andresen. Weiterlesen