Ad ACTA II Die Diskussion

Etwas idealtypisch verzerrt kann man sagen, dass in der Diskussion zwei scheinbar gänzlich inkommensurable Weltbilder aufeinander prallen. Das äußert sich zunächst an den die Zustände beschreibenden Termini. So wiederholt die eine Seite – nennen wir sie «die Konservativen» – das Mantra, das Runterladen von copyright-geschütztem Material im Internet sei «Diebstahl». Noch vor einigen Tagen titelte das Berliner Boulevardblatt BZ: «Wisst Ihr ACTA-Demonstranten, dass ihr für Diebstahl auf die Straße geht?» Und auch in den Diskussionen im Kommentarbereich der größeren bürgerlichen Zeitungen taucht das immer mal wieder auf. Die Idee, mit der solche Rede sich plausibilisiert, ist folgende: Wenn Menschen für das, was andere produziert haben, nicht bezahlen und es sich einfach nehmen, bei den Produzentinnen also kein Geld ankommt – dann handele es sich um Diebstahl.

Die Gegenseite – «die Progressiven» – sieht die Sache völlig anders. Nicht gestohlen werde hier, sondern geteilt oder getauscht. Daher der Ausdruck «filesharing». Mit Diebstahl habe das überhaupt nichts zu tun. Und zwar weil niemandem etwas weg genommen werde. Diebstahl definiere sich aber doch gerade dadurch: jemandem etwas gegen ihren Willen entwenden. Beim typischen Fall geht ein Mensch in einen Laden, nimmt sich eine CD, und bezahlt nicht. Anschließend hat der Laden eine CD weniger und die Diebin eine mehr. Gerade das geschähe beim filesharing nicht, da nur untereinander geteilt und getauscht werde.

Die Konservativen antworten, dass dabei aber doch etwas entwendet werde, nämlich das Recht der Produzentin auf die Verwertung ihres Produkts. Weiterlesen

Quelques coins et un cercle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vernissage zu Florian Neufeldts neuer Show in Paris:

Samstag, 12.03.11, 17.00-22.00
20, rue de Tourtille
75020 Paris
(mètro Belleville)
code: 83 B 594
Bienvenue!

 

Fotografischer Adventskalender 10 (Kühn, 1910)

Obwohl ja schon diverse ältere Fotografien in unserem Adventskalender eine starke künstlerische Gestaltung aufwiesen, hat sich die «Kunstfotografie» als stehender Begriff erst im ausgehenden 19. Jahrhundert durchgesetzt. Es ist kein Zufall, dass sich die damit in Zusammenhang stehenden Bilder von Heinrich Kühn stark an eine Ästhetik der Malerei anlehnen. Ihren Kunstwert – ihre Legitimation als Kunst – beziehen sie aus einer Anschmiegung an Bildgestaltungskonzepte, die aus dem Impressionismus stammen. Tatsächlich erinnern manche Fotos von Kühn bis in die Motivik hinein an Gemälde von Monet und anderen Impressionisten. Seltsam antizipiert die Kunstfotografie Kühns, die ihre stilistischen Parameter der Malerei entlehnt, den Fotorealismus, der jene Geste im späten 20. Jahrhundert – und damit unter einer komplett veränderten kunstdiskursiven Konfiguration – umdreht und die Fotografie zum Maß des Gemalten werden lässt.

[Die abgebildete Fotografie ist nicht datiert; bei der Jahresangabe handelt es sich um (m)einen Schätzwert.]

Rio Top Tour

Presidente Lula war wieder einmal auf Einweihungsbesuch in Rio de Janeiro. Diesmal wurde das neue Favela-Tourismus-Programm der Stadt vorgestellt: „Rio Top Tour – Rio de Janeiro aus einer anderen Perspektive“. Gesäuberte Befriedete, d.h. offiziell drogenhandelsfreie Comunidades sollen so touristisch erschlossen werden. Den Anfang macht diese Woche die Santa Marta in Botafogo.

Sightseeing-Punkt Nr. 1 in der Santa Marta: Praça Cantão, gestaltet von den Künstlern Jeroen Koolhaas und Dre Urhahn (Haas&Hahn). ((Haas & Hahn sind Initiatoren des Projekts Favela Painting, Ziel ist es den gesamten Morro anzustreichen. Sie freuen sich daher über jede Unterstützung.)) Mehr Fotos