oval live

——– Original-Nachricht ——– Datum: Wed, 1 Apr 2009 12:39:14 +0200 Von: adamski / gallery for contemporary art <mail@galleryadamski.com> Betreff: Re: oval das gerücht stimmt. am freitag spielt oval ca. ab 21 uhr ein konzert in den galerieräumen. ab 18 uhr wird die ausstellung ovalprocess eröffnet in der erstmals alle drei „scotodesks“ zu sehen sein werden… mit besten grüßen, stephan adamski Am 01.04.2009 um 12:24 schrieb Guido Kirsten: > ein gerücht besagt, oval spiele am freitag in ihrer berliner galerie ein konzert. was hat es damit auf sich? > —

Also noch mal zum mitschreiben:

OVAL spielt in Berlin in der Galerie Adamski,  Straußberger Platz 3 (Friedrichshain), am Freitag, den 3.4.2009 ab 21 Uhr!

Bergala

Ein sehr lesenswertes Interview mit dem französischen Filmtheoretiker und -pädagogen Alain Bergala (Co-Autor des Klassikers Ésthetique du film und Herausgeber der DVD-Reihe L’éden cinéma) findet sich bei kunst-der-vermittlung. Es geht um die französische Cinéphilie, die filmische Vermittlung von filmrelevantem Wissen und Little Fugitive (Morris Engel, USA 1953), von dem Truffaut „nicht müde wurde zu behaupten“, dass ohne dessen Einfluss weder Les 400 coups, noch À bout de souffle möglich gewesen wären.  

Lesenwert weiterhin:  Alain Bergala, Kino als Kunst, und über Bergalas Werdegang und seinen Ansatz der Filmpädagogik der Aufsatz von Bettina Henzler in Filme sehen, Kino verstehen (einem Buch zu Theorien und Methoden der Filmvermittlung).

Lyrik X

Die neue Platte von Beck (Modern Guilt) ist ganz großartig. Aber die Tatsache, dass Beck Scientologe ist, macht ihn deutlich unsympathischer. In diesem Fall hat sich das bei mir zwar nicht auf den ästhetischen Genuss und die ästhetische Wertschätzung seiner Musik ausgewirkt. Es ist jedoch kaum zu leugnen, dass das Bild, das man sich von der Künstlerin oder dem Künstler macht, als Hintergrundwissen die ästhetische Erfahrung meistens irgendwie beeinflusst.

Thomas Kling (© Hardy Kurze)

Ziemlich unsympathisch ist mir Thomas Kling geworden nach der ausschnittsweisen Lektüre von Itinerar, einer Sammlung autobiographischer und lyriktheoretischer Skizzen, die ziemlich aufgeblasen daherkommt. Sprachlich zwar nicht ganz so schlimm wie etwa die linernotes, mit denen einem Wolfgang Rihm den Genuss seiner Musik verleidet. Aber doch so, dass ich Kling jetzt mit anderen, weniger wohlwollenden Augen lese. Trotzdem, um der alten Zeiten willen, als Andenken und weil es ja auch immer noch sehr schön ist: Weiterlesen

The last Band of Sheeps

„Jedes Schaf hat seinen großen Tag und ein gutes vielleicht auch zwei.“
(frei nach Johnny Copeland, gefunden in Thomas Pynchons Vineland)

the_klf_-_why_sheep3fIn §531 von Ludwig Wittgensteins Philosophischen Untersuchungen findet sich eine bemerkenswerte, für mich entscheidende Unterscheidung. „Wir reden vom Verstehen eines Satzes in dem Sinne, in welchem er durch einen andern ersetzt werden kann, der das Gleiche sagt; aber auch in dem Sinne, in welchem er durch keinen anderen ersetzt werden kann. ( So wenig wie ein musikalisches Thema durch ein anderes.) Im einen Fall ist der Gedanke eines Satzes, was verschiedenen Sätzen gemeinsam ist; im andern, etwas, was nur diese Worte, in diesen Stellungen, ausdrücken. (Verstehen eines Gedichts).“

In Bilder, „Bild-Sätze“ übersetzt, könnte dies bedeuten, dass es Einsichten bzw. Erkenntnisse gibt, die nur filmisch erfahrbar gemacht werden können, als Konstruktionen in actu, in einer bestimmten Verkettung, Anordnung von Bildern und Tönen. Der Sinn, der auf diese Weise entsteht, kann unmöglich ohne Verlust in  andere Erfahrungsformen gegossen werden. Es geht um ästhetisches Erkennen, um das Erleben von Ideen im Moment ihrer Geburt und, davon unterschieden, um rein begriffliches Erkennen.

Bilder, die etwas zum Ausdruck bringen, das durch andere Bilder nicht zum Ausdruck gebracht werden kann, Bilder, die sich somit dem Kriterium der Übersetztbarkeit in andere Bilder (= Erfahrungen) entziehen, und dem Kriterium der Resümierbarkeit sowieso (vgl. Barthes), solche Bilder fand ich im Rahmen dieser Berlinale 09 kaum. Zu viele Bilder, die sich schon auf der Leinwand zu Ende begriffen, manchmal auch entlarvt haben, die von Anfang an wussten, worauf sie aus sind und was sie bewirken wollen; lenkende, manipulative Bilder, die vorgaben, gegen Manipulation vorzugehen, stattdessen Einstimmigkeit und Zustimmung gleichermaßen voraussetzten wie erzeugten (Richard Brouillettes L’Encerclement; Yoav Shamirs Defamation); politisch didaktische Bilder von erschreckender Simplizität und mangelnder Ambivalenz, manchmal auch zu nette Indie-Bildchen (Andrew Bujalskis Beeswax; Bradley R. Grays The Exploding Girl), Filme, die sich zwar für die kleinen Gesten interessieren, für das, was sonst übersehen wird, dann letztendlich aber doch – im Unterschied etwa zu Kelly Reichardts Old Joy (2006) – zu verliebt sind in Homogenität und Konsens, zuwenig Interesse haben an dissensueller Konstruktion von Milieus.

Und dann gab es doch noch einen großen Tag Weiterlesen