Lyrischer Adventskalender 16 — Papenfuß-Gorek

gesicht im pflaumenschein der stahlummantelung ent-täuscht verbarrikadiert sich die sonne hinterm asbestplatten barakkendach hetzt sie zum „Volkssturm“ auf verendet in letzten aufgeboten ; johlende heerscharen der LUne die sich zZ als pflaume gebärdet überantworten’s marine sich selbst mir grünt saulieb ein todestrieb woher die erde such denn dreht (bleibt mein ARKANUM) isz mir ohnehin inzwsichensicht indessen mithinnahme zu sauer ist bewußtseub bzr angesichts des todes & davon druchdrungen leben uns sterben …

Lyrischer Adventskalender 15 — Pastior

Über meinen Schlaf Früher, wenn ich einschlief, kam der Schlaf. Heute, wenn der Schlaf kommt, schlaf ich schon tief. Der Schlaf kam damals später, jetzt schlafe ich früher ein. Wenn ich tief schlafe, kommt es vor, daß der Schlaf, wenn er dann kommt, mich noch einmal weckt, bevor ich weiter tief schlafe. Früher war das so: ich schlief, und der Schlaf kam. …

Lyrischer Adventskalender 14 — Brinkmann

Gedicht Zerstörte Landschaft mit Konservendosen, die Hauseingänge leer, was ist darin? Hier kam ich mit dem Zug nachmittags an, zwei Töpfe an der Reisetasche festgebunden, Jetzt bin ich aus den Träumen raus, die über eine Kreuzung wehn. Und Staub, zerstückelte Pavane, aus totem Neon, Zeitungen und Schienen dieser Tag, was krieg ich jetzt, einen Tag älter, tiefer und tot? Wer hat gesagt, daß sowas Leben ist? Ich gehe in …

Lyrischer Adventskalender 13 — Artmann

landschaft 1 eine linie nach der lerche der höhe eine linie nach der lerche des nestes gelärme im silberhaus der luft die bahn kommt das dampfroß die eiserne sache ah rechts biegt der rausch ab die sonne grast überm tunnel — farngrün wirkt fahl geht schatten ufernd bergwärts nein und ja klingt  s aus brunnenröhren rohren bambussen aus wiesenquadraten großen seen ohn …

Lyrischer Adventskalender 12 — Krolow

Drei Orangen, zwei Zitronen Drei Orangen, zwei Zitronen: — Bald nicht mehr verborgne Gleichung, Formeln, die die Luft bewohnen, Algebra der reifen Früchte! Licht umschwirrt im wespengelben Mittag lautlos alle Wesen. Trockne Blumen ruhn im selben Augenblick auf trocknem Wind. Drei Orangen, zwei Zitronen. Und die Stille kommt mit Flügeln. Grün schwebt sie durch Ulmenkronen, Selges Schiff, matrosenheiter. Und der Himmel ist ein blaues Auge, das sich nicht mehr …