Literaturkritik: Christian Kracht ‚Imperium‘ Die Ein-Satz-Kritik

Weil im Moment so viel über Christian Krachts „Imperium“ zu lesen ist und keiner gezwungen sein sollte, sich durch diesen feuilletonistischen Firlefanz durchzulesen, geschweige denn sich das Original zu holen, hier die wohl treffendste Kritik kondensiert in einem Satz:

In Zeiten, in denen das mittlere Management zu zwei Dritteln aus Skinheads in Panzerautos besteht, die im Chor mit der Politik wirtschaftsfaschistische Parolen blöken, die zentrale Botschaft der Popmusik nicht mehr Emanzipation, sondern Unterwerfung ist, die Meinung, man müsse den gesellschaftlichen Reichtum gerechter verteilen, direkt ins regierungsamtliche Aussteigerprogramm für Linksextremisten führt und der Krieg aller gegen alle das ideologische Fundament der Vorschulpädagogik liefert, ist solche Poserei einfach nur lächerlich.
Michael Sailer (Konkret 4/12)

PLinks KW 19/11 Kollektives Schreiben

Wir hatten vor kurzem (bzw. mittlerweile schon etwas längerem) die Idee zu einem Buch. Es sollte darin um dicke Eier, Gomez, Hitler, Dr. Rrranz und den Regenwald gehen und – das ist jetzt in diesem PLink-Zusammenhang interessant – in einem Kollektiv geschrieben werden. Weil wir nun einmal in verschiedenen Städten und Ländern wohnen, stellte sich die Frage, wie die grenzüberschreitende Kollaboration funktionieren sollte. Dass das nicht über Briefpost gehen würde, war klar. Und siehe da – die Lösungen liegen schon bereit, man schaue nur ins Netz:

  • Google Docs – ist auf jeden Fall die naheliegendste Lösung. Man erstellt ein Dokument und gibt es frei. Hatten wir auch bei der Übersetzung von Assanges „Conspiracy as Governance“ so praktiziert. Für die Zwecke (ein linerarer Text) war das angemessen, aber nicht unbedingt perfekt. Für eine Storyentwicklung muss etwas maßgeschneidertes her.
  • Celtx – ist so etwas maßgeschneidertes. Hauptsächlich für die Entwicklung von Drehbüchern geschrieben, lassen sich damit auch Theaterstücke, Radio- und Fernsehstücke, Comics und eben Romane entwickeln. Wir hatten vor einigen Jahren die Beta-Version ausprobiert und angefangen einen Kurzfilm zu schreiben, nunja, über „Das Princip des Films“ kamen wir nicht hinaus und in der Folge entstand dieses Blog… Weiterlesen

Das Ungebaute: Kino, Architektur, Literatur

«Das Ungebaute ist charakteristisch für die Künste, die in ihrer Realisierung die bezahlte Arbeit einer großen Anzahl von Menschen benötigen, den Kauf der Materialien, die Benutzung teurer Werkzeuge usw. Der typischste Fall ist das Kino: Jeder kann sich einen Film ausdenken, aber das Wissen um die Hindernisse, die sich vor seiner Realisierung auftürmen, sorgen dafür, dass neunundneunzig von hundert Filmen nicht gedreht werden. So dass man sich fragen kann, ob nicht diese riesigen Hemmnisse – die durch die Fortschritte der Technologie keineswegs geringer geworden sind, ganz im Gegenteil – einen wesentlichen Teil des Zaubers des Kinos ausmachen, ist es doch paradoxerweise wenigstens als Tagträumerei für jedermann erreichbar. Mit den übrigen Künsten verhält es sich mehr oder weniger genauso. Doch wäre eine Kunst denkbar, bei der sich die Beschänkungen durch die Wirklichkeit auf ein Mindestmaß reduzieren, bei der Getanes und Ungetanes miteinander verschmelzen, eine im Augenblick Wirklichkeit werdende Kunst, ohne Gespenster. Vielleicht gibt es sie ja, und es ist die Literatur. Weiterlesen

PLinks KW 12/11 Das Schöne

Weil wir mit unseren bescheidenen Mitteln und knappen Zeitresourcen dem sich in alle Richtungen überschlagenden Weltgeschehen ja ohnehin nicht mehr beikommen können, versuchen wir es erst gar nicht, und verlinken einfach Belangloseres – aber Schöneres:

1. das schönste Weblog im deutschsprachigen Netz (das keins sein will)

2. das Blog mit dem schönsten Untertitel

3. einen sehr schönen Text von Diedrich Diederichsen – diesen vor allem weil es mir, mit dem Fahrrad unterwegs im Berliner Stadtverkehr, peinlicherweise oft ganz genauso geht oder ging wie D. Diederichsen – ich mir mein eigenes Fahrradnazitum aber nie so schön explizieren konnte (via).

Ansonsten kann man ja auch noch anderes lesen als Internet, wie ich z.B. die durchgängig empfehlenswerte, sehr schön gestaltete und preisgünstige Reihe Argentinischer Literatur im WagenbachVerlag. Und auch sonst alles von Aira.