short rant

Das von mir sehr geschätzte Feuilleton der FAZ erbricht ab und an ein wenig strukturkonservative Galle, in Form nutzloser Interviews mit sogenannten „Netzkritikern“ wie Andrew Keen. Wobei der Interviewer gar nicht mal schlecht ist, sondern lediglich an der strutzdoofen Arroganz seines Gegenübers scheitert, und dazu noch machtlos mit ansehen muss, wie die FAZ, unschuldig neben dem Text plaziert, ihren angeblichen Hintergrund „Macht das Internet dumm?“ feilbietet.

Doch zurück zu Andrew Keen und seinem Buch „Stunde der Stümper“, von der FAZ als „Internetkritik“ beschrieben (was auch immer man sich darunter vorstellen mag). Wenn das, was in diesem Werk steht, kongruent mit seinen Argumenten Worten im Interview ist, sollte man sowohl den amerikanischen, als auch den deutschen Verlag dafür verachten. Weiterlesen

EPIC WINNING LOL

zwitscherte Peter Sunde heute vergnügt in die Welt hinaus. Er hatte allen Grund dazu, denn im Verfahren gegen The Pirate Bay musste die Staatsanwaltschaft schon heute einen derben Rückschlag hinnehmen. Woraufhin die taz zu schäbiger Polemik sich hinreißen liess:

Schon an Prozesstag zwei lässt die Staatsanwaltschaft die Hälfte ihrer Klage gegen die „Pirate Bay“-Betreiber fallen. Grund: Die Piraten stellten die technische Inkompetenz der Ankläger bloß.

Abgesehen davon, dass wohl die wenigsten Schreiberlinge der taz auf Anhieb erklären könnten, was distributed hash tables sind, und diese Zwischenüberschrift den Axel-Springer-Orden am Band verdient hat, scheint es aber tatsächlich so zu sein, dass der Staatsanwalt (nachdem er sich 3 Jahre auf den Prozess vorbereitet hat), mit äußerst dürftigen Beweisen vor Gericht erschienen ist.
So sind seine sogenannten Beispiel-Downloads samt und sonders nichtig, weil er damit nicht beweisen kann, dass die Downloads nur durch den Pirate-Bay-Tracker (übrigens deutsche Softwähr) ermöglicht wurden. Denn auf den Traktor Tracker kommt es an, da dieser die Information über evtl. vorhandene Dateien verwaltet. Wer nicht weiß, was ein Tracker ist, oder was überhaupt Bittorrent sein soll, dem sei hier noch einmal die famose, zweistundenlange Ausgabe 57 des Chaosradio Express Podcasts empfohlen.

Da der Staatsanwalt Håkan Roswall keine Ahnung von Treckern hat, musste er heute einen wichtigen Punkt seiner Anklage fallen lassen. Roswall wirft den vier Angeklagten nun nicht mehr die Mittäterschaft bei der „Vervielfältigung“ urheberrechtlich geschützten Materials vor, sondern lediglich die Komplizenschaft bei der „Bereitstellung“ von Raubkopien. Ist für jeden normalen Menschen im Grunde dasselbe, juristisch aber ein deutlicher Unterschied. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden die Angeklagten aber noch nicht einmal dafür belangt werden. Weiterlesen

freitag

Kann man ja mal machen. Wochentag nennen ist nie verkehrt. Ein neuer Freitag, der mich begrüßt.
Die Printausgabe hab ich nur kurz angeschaut im Büdchen, online scheint es eher nicht so prall zu sein. Für meinen Geschmack: Viel zu viel flash (man kann auch mit JS eine gute Benutzeroberfläche bieten, siehe Gugl), Kommentarsystem noch nicht ausgereift, aber man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben, und so wollen wir hoffen, dass freitag.de doch noch eine Plattform für emanzipative Diskurse sein kann (so, wie es wahrscheinlich gedacht und verkauft wurde).
Es würde dem Freitag gut stehen, mit dem Medienpartner von der Insel, auch ein wenig britisches Understatement zu kultivieren. Noch ist davon leider wenig zu spüren. Dennoch:
Das Potential ist vorhanden. Wenn man die richtigen Leute zusammenbringt, die Oberfläche hier und da etwas abspeckt und poliert, scheint es ein ganz interessanter Neubeginn, zumal die alte Homepage doch etwas sehr nüchtern wahr.

So wird erneut die Entropie, und wir mit ihr, urteilen können, ob Jakob Augstein und seine Mitstreiter das selbst gesetzte Ziel erreichen. Ich wünsche ihnen zum neuen Start: Viel Erfolg!

P.S.: Wie man die falsche Leute zusammen bringt, zeigt neben stehende Illustration:

Schuldig!

Toll. Der Guardian weiß jetzt, wer schuld ist an der weltweiten Finanzmisere. Nein, nicht etwas das kapitalistische System, der unkontrollierte Markt oder das jahrelange blinde Vertrauen in eben diesen. Nein, nein. Genau 25 böse Menschen sind es. Sie allein haben die (Finanz-)Welt zugrunde gerichtet. Sie sind schuld. Da liegt die gerechte Strafe doch auf der Hand: Zwei Jahren auf Bewährung! Das muss reichen. So ist allen geholfen und wir können weitermachen wie bisher.

Noch besser: Wie es sich für Angelsächsischen Qualitätsjournalismus 2.0 gehört, darf der User Leser sich an der Debatte beteiligen und darüber abstimmen, wer denn der Allerschlimmste dieser Teufel ist. Zur Zeit führt Alan Greenspan, dicht gefolgt von Gordon Brown und Ex-Präsi Junior. Großartig. Das Web gekonnt genutzt. Und wenn Jakob Augstein ernst macht, dürfen wir im neuen Freitag demnächst die Auswertung lesen.

Werbe-Titel

freitag screenshotErstmals in ihrer Geschichte hat die ehrwürdige New York Times diese Woche Werbung auf ihrer Titel-Seite zugelassen. Die Reaktionen waren vielfältig. Die Grenzen sind nun anscheinend gefallen und die „Ost-West-Wochenzeitung“ Freitag geht noch einen Schritt weiter. Nachdem in der gedruckten Ausgabe bereits eine ganze Seite ersatzlos durch Anzeigen ersetzt wurde, wird ebenfalls seit dieser Woche die gesamte Homepage mit Werbung überdeckt. Ein Countdown zählt die Zeit bis zum „neuen Freitag“. Wie der aussehen wird, hat Neubesitzer Jakob Augstein der Springer-Presse erklärt.