M’illumino d’immenso

Das ist keine Überschrift, sondern ein Gedicht. Das wohl kürzeste und berühmteste Gedicht des italienischen Poeten Giuseppe Ungaretti erreicht eine Bedeutungsdichte, die schwerlich überboten werden kann. Das italienische Original beschränkt sich auf vier aufs Äußerste verknappte Wörter und sieben Silben. Es enthält fast ausschließlich Vokale und fließende Laute und jeder Versuch einer Übertragung steht vor der Schwierigkeit, die minimalistische Lakonie des Originals zu erreichen. Die größte Nähe zum Original erreichte die Übersetzung Ingeborg Bachmanns: Ich erleuchte mich / durch Unermeßliches.

So kann man selbst als überzeugter Anti-Karnevalist in der fünften Jahreszeit ein wenig Spaß haben, und sei es durch die Flucht in die geistigen Genüsse Digitaliens. Bei telepolis ist bspw. ein interessanter Artikel über Aufstieg und Fall des russischen Anarchisten Nestor Machno erschienen; ein kurzer Einblick in eine fast vergessen Episode der russischen Revolution. Weiterlesen

short rant

Das von mir sehr geschätzte Feuilleton der FAZ erbricht ab und an ein wenig strukturkonservative Galle, in Form nutzloser Interviews mit sogenannten „Netzkritikern“ wie Andrew Keen. Wobei der Interviewer gar nicht mal schlecht ist, sondern lediglich an der strutzdoofen Arroganz seines Gegenübers scheitert, und dazu noch machtlos mit ansehen muss, wie die FAZ, unschuldig neben dem Text plaziert, ihren angeblichen Hintergrund „Macht das Internet dumm?“ feilbietet.

Doch zurück zu Andrew Keen und seinem Buch „Stunde der Stümper“, von der FAZ als „Internetkritik“ beschrieben (was auch immer man sich darunter vorstellen mag). Wenn das, was in diesem Werk steht, kongruent mit seinen Argumenten Worten im Interview ist, sollte man sowohl den amerikanischen, als auch den deutschen Verlag dafür verachten. Weiterlesen

EPIC WINNING LOL

zwitscherte Peter Sunde heute vergnügt in die Welt hinaus. Er hatte allen Grund dazu, denn im Verfahren gegen The Pirate Bay musste die Staatsanwaltschaft schon heute einen derben Rückschlag hinnehmen. Woraufhin die taz zu schäbiger Polemik sich hinreißen liess:

Schon an Prozesstag zwei lässt die Staatsanwaltschaft die Hälfte ihrer Klage gegen die „Pirate Bay“-Betreiber fallen. Grund: Die Piraten stellten die technische Inkompetenz der Ankläger bloß.

Abgesehen davon, dass wohl die wenigsten Schreiberlinge der taz auf Anhieb erklären könnten, was distributed hash tables sind, und diese Zwischenüberschrift den Axel-Springer-Orden am Band verdient hat, scheint es aber tatsächlich so zu sein, dass der Staatsanwalt (nachdem er sich 3 Jahre auf den Prozess vorbereitet hat), mit äußerst dürftigen Beweisen vor Gericht erschienen ist.
So sind seine sogenannten Beispiel-Downloads samt und sonders nichtig, weil er damit nicht beweisen kann, dass die Downloads nur durch den Pirate-Bay-Tracker (übrigens deutsche Softwähr) ermöglicht wurden. Denn auf den Traktor Tracker kommt es an, da dieser die Information über evtl. vorhandene Dateien verwaltet. Wer nicht weiß, was ein Tracker ist, oder was überhaupt Bittorrent sein soll, dem sei hier noch einmal die famose, zweistundenlange Ausgabe 57 des Chaosradio Express Podcasts empfohlen.

Da der Staatsanwalt Håkan Roswall keine Ahnung von Treckern hat, musste er heute einen wichtigen Punkt seiner Anklage fallen lassen. Roswall wirft den vier Angeklagten nun nicht mehr die Mittäterschaft bei der „Vervielfältigung“ urheberrechtlich geschützten Materials vor, sondern lediglich die Komplizenschaft bei der „Bereitstellung“ von Raubkopien. Ist für jeden normalen Menschen im Grunde dasselbe, juristisch aber ein deutlicher Unterschied. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden die Angeklagten aber noch nicht einmal dafür belangt werden. Weiterlesen

The Pirate Bay Spectrial

The trial against The Pirate Bay that starts today in Stockholm, Sweden is one of the most important issues of our time. Our adversaries basically wants to close down internets and remodel it into something similar of a sodamachine serving entertainment. During the trial, the prosecutor together with a coterie of representatives for a disabled business model will put up a tacky theater by telling stories designed to convince the court that The Pirate Bay infact is a menace to society.

What differs this trial from most earlier trials is that everything in and surrounding it will whirl round and round in diverse channels of communication; to be discussed, reinterpreted, copied and critizised. Every crack in their appeal will be penetrated by the gaze of thousands upon thousands of eyes on the internets, in all the channels covering the trial. Old cliches from the antipiracy lobby wont stick. You won’t be able to say stuff like, ”you can’t compete with free” or ”filesharing is theft” without a thousand voices making fun of you.

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