Jahresbilanz 2015

Das Jahr geht zu Ende. Ein eher mäßiges, teil­weise sog­ar außeror­dentlich beschissenes Jahr, vor allem poli­tisch. Per­sön­lich gefühlt war der Berlin­er Som­mer sehr schön, die vier Monate von Juni bis Sep­tem­ber. Viel Zeit habe ich im Prinzen­bad und am See ver­bracht, geschwom­men, gele­sen, die Sonne und selb­st­gemachte veg­ane Pas­ten genossen. Das scheint lange her. Auch gut im Som­mer war der große, laute, starke Protest im Wrangelkiez, der sich unter dem Namen Biz­im Kiez (“unser Kiez”) zum Teil sehr erfol­gre­ich gegen Gen­tri­fizierung und Ver­drän­gung richtete.

Es war mehr ein Jahr der Büch­er als der Filme für mich. Zwar habe ich einige sehr schöne ältere Werke auf den Lein­wän­den der Berli­nale-Ret­ro­spek­tive und in Bologna beim Cin­e­ma Ritrova­to gese­hen, aber an großar­ti­gen neueren Fil­men war es eher mager. Oder ich war nicht an den richti­gen Orten. Miguel Gomes’ (dre­it­eiliges) Mam­mutwerk “Tausendun­deine­nacht”, das in Cannes lief, hat es z.B. bis­lang nicht auf deutsche Lein­wände geschafft (und ich es nicht zu den Lein­wän­den, wo ich ihn hätte sehen kön­nen). Also fällt meine Bilanz hier kurz aus:

Neuere im Kino gese­hene Filme
 (in der Rei­hen­folge der Sich­tung)

En duva satt på en gren och fun­der­ade på till­varon (A Pigeon Sat on a Branch Reflect­ing on Exis­tence, Roy Ander­son, SWE/ GER/NOR/ F 2014)
Taxi (Jafar Panahi, IRAN 2015)
Afer­im! (Radu Jude, ROM/BUL 2015)
A Most Vio­lent Year (J.C. Chan­dor, USA/United Ara­bic Emi­rates 2014)
Mad Max: Fury Road [3D] (George Miller, AUS/USA 2015)
Jau­ja (Lisan­dro Alon­so, ARG/DEN/F/MEX/USA/GER/BRA/NL 2014)
The Mar­t­ian [3D] (Rid­ley Scott, USA/UK 2015)
Car­ol (Todd Haynes, UK/USA 2015)

Ältere im Kino gese­hene Filme (in der Rei­hen­folge der Sich­tung)

The Shep­erd of the Hills (Hen­ry Hath­away, USA 1941)
Leave Her to Heav­en (John M. Stahl, USA 1945)
The Hitch­hik­er (Ida Lupino, USA 1953)
Insiang (Lino Broc­ka, PHI 1976)
Jigoku­mon (Gate of Hell, Kin­u­gasa Teinosuke, J 1953)
The Milky Way (Leo McCarey, USA 1936)
Yek ettefagh-e sadeh (A Sim­ple Event, Sohrab Shahid Saless, IRAN 1973)
La noire de… (Ous­man Sem­bène, SEN 1966)
Jutro (The Morn­ing, Mladomir ‘Purisa’ Djord­je­vic, YUG 1967)
Kär­lek 65 (Love 65, Bo Wider­berg, SWE 1965)

Wie gesagt, es war mehr ein Jahr der Lit­er­atur für mich. Was nicht nur, aber auch daran lag, dass der nette Mattes&Seitz-Verlag auf die großar­tige Idee gekom­men ist, drei weit­ere der kurzen Nov­el­i­tas von einem mein­er Lieblingss­chrift­steller, dem Mes­si der Lit­er­atur, César Aira, auf Deutsch her­auszubrin­gen. Eigentlich hät­ten im Herb­st noch zwei Titel fol­gen sollen, aber die wur­den auf das kom­mende Früh­jahr ver­schoben. Außer­dem habe ich den pro­toex­is­ten­tial­is­tis­chen, im Stock­holm der (vor­let­zten) Jahrhun­der­wende spie­len­den Roman Dr. Glas zum Geburt­stag geschenkt bekom­men, eine tolle Ent­deck­ung!

Romane, Nov­ellen, Erzäh­lun­gen

Hjal­mar Söder­berg – Dok­tor Glas
Juan José Saer – Ermit­tlun­gen
César Aira – Wie ich Nonne wurde
César Aira – Der Beweis
Juan José Saer – The Wit­ness
Joseph Con­rad – Herz der Fin­ster­n­is
Jorge Luis Borges – Spiegel und Maske (Erzäh­lun­gen 1970–1983)
Daniel Kehlmann – Beer­holms Vorstel­lung
César Aira – Der kleine bud­dhis­tis­che Mönch
Michael Fehr – Sime­liberg
Thomas Morus – Utopia

Und dann noch die Musik. Von Selb­st­gemachtem abge­se­hen (aber davon ist noch nix spruch- oder veröf­fentlichungsreif), war vor allem das erste Hal­b­jahr voll von tollen neuen Plat­ten und eini­gen, die Ende 2014 erschienen sind, von mir aber erst später ent­deckt wur­den:

Plat­ten

Felix Laband – Deaf Safari (2015)
Ghost Poet – Shed­ding Skin (2015)
Dean Blunt – Black Met­al (2014)
Jamie xx – In Colour (2015)
Kamasi Wash­ing­ton – The Epic (2015)
Suf­jan Stevens – Car­rie Low­ell (2015)
Silk Rhodes – Silk Rhodes (2014)
Kendrick Lamar – To Pimp a But­ter­fly (2015)
Von Spar – Streetlife (2014)
Jim O’Rourke – Sim­ple Songs (2015)
Julia Holter – Have You in My Wilder­ness (2015)

So das war’s. Von mir aus kann 2016 bess­er wer­den. Cheers!

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