Lyrik X

Die neue Plat­te von Beck (Mod­ern Guilt) ist ganz großar­tig. Aber die Tat­sache, dass Beck Sci­en­tologe ist, macht ihn deut­lich unsym­pa­this­ch­er. In diesem Fall hat sich das bei mir zwar nicht auf den ästhetis­chen Genuss und die ästhetis­che Wertschätzung sein­er Musik aus­gewirkt. Es ist jedoch kaum zu leug­nen, dass das Bild, das man sich von der Kün­st­lerin oder dem Kün­stler macht, als Hin­ter­grund­wis­sen die ästhetis­che Erfahrung meis­tens irgend­wie bee­in­flusst.

Thomas Kling (© Hardy Kurze)

Ziem­lich unsym­pa­thisch ist mir Thomas Kling gewor­den nach der auss­chnittsweisen Lek­türe von Itin­er­ar, ein­er Samm­lung auto­bi­ographis­ch­er und lyrik­the­o­retis­ch­er Skizzen, die ziem­lich aufge­blasen daherkommt. Sprach­lich zwar nicht ganz so schlimm wie etwa die lin­er­notes, mit denen einem Wolf­gang Rihm den Genuss sein­er Musik ver­lei­det. Aber doch so, dass ich Kling jet­zt mit anderen, weniger wohlwol­len­den Augen lese. Trotz­dem, um der alten Zeit­en willen, als Andenken und weil es ja auch immer noch sehr schön ist:

Taghim­mel

wer auf der haut liegt, auf dem
gebo­ge­nen spaziert, auf der netz-
haut: mr. bid­well der dem wind
ins gesicht blickt der die ret­tet
aus dem sirup­glas die pad­del­nde
wespe die sich jet­zt auf den heißn
balkon­fliesn putzt, der die gelenkig
keit von wind­hund wespe ins auge faßt fast
alles nach­bilder unter äußerst ver­schieb
baren stra­tocu­mu­lus wolken nichts
andres als test­bögn & zwar rohrschach

eingeschmuggelte devise: das unter­ste
zuoberst, so gehört sich das

(Thomas Kling)

2 Meinungen zu “Lyrik X

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