Lyrik XVIII — Bukowski

Musik am Mor­gen

Es ist bess­er als Liebe, denn
es hin­ter­läßt keine Wun­den: am Mor­gen
stellt sie das Radio an, Brahms oder Ives
oder Straw­in­s­ki oder Mozart. Sie kocht
die Eier und zählt laut die Sekun­den:
56, 57, 57 … Sie pellt die Eier,
bringt sie mir ans Bett. Nach dem
Früh­stück sitze ich in meinem alten
Ses­sel und höre mir die Musik an. Sie
trinkt ihr erstes Glas Scotch und
raucht ihre dritte Zigarette. Ich sage
ihr, daß ich mal wieder auf ein paar
Pferde wet­ten muß. Sie ist seit zwei
Tagen und Nächt­en da. “Wann sehe ich
dich wieder?” frage ich. “Wann du
willst”, meint sie. Ich nicke, und das
Radio spielt Mozart dazu. 

 

(Charles Bukows­ki, aus: Eine Kinoreklame in der Wüste)

Eine Meinung zu “Lyrik XVIII — Bukowski

  1. avatar

    Das ist echt gute Lit­er­atur, ähn­lich gut wie Frank Zipfel “Kein Platz zum Schlafen” im Tra­di­tion Ver­lag erhältlich

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