Lyrischer Adventskalender 22 — Cotten

Ingeniös, begriffen

Ist alles kalt und brüchig.
Alles ist längst ver­standen.
Die Luft beste­ht aus Kan­ten,
Win­ter aus seinen Rän­dern.

Wir sitzen in Gewän­dern,
wir sitzen gegenüber,
ich spiele mit Stre­ich­hölz­ern,
Bierdeck­eln und Papieren.

Das Spiel mit deinen Augen
habe ich fall­en lassen.
Der Win­ter wird nur käl­ter
wenn man noch weiß, was warm ist.
Wenns kein Ver­gle­ichen gibt
veren­det man im Erträglichen.

So geh ein­her ich in den täglichen
und nie kom­plett geglück­ten Din­gen.
Ich wollte gern glück­lich und tra­gend sin­gen.
Es endet alles im trüben und kläglichen

Brüten über nichts als das Ver­sagen,
ewiges Scheit­ern am Mor­gen, an Tagen,
zulet­zt an den Gedicht­en, die ich zu ver­führen
gedachte. Das Vorhaben war ver­früht.

Dann bette meinen Kopf auf Schrauben,
vergebens werde ich am Win­ter kratzen
bis alle Brück­en auseinan­der­fet­zen.
Habs aufgegeben, diese schö­nen Knaben
mit Inge­nieurskun­st zu beschwatzen,
werd for­t­an frieren und dran glauben

(Ann Cot­ten, 2007, Fremd­wörter­buch­sonette, Suhrkamp)

Eine Meinung zu “Lyrischer Adventskalender 22 — Cotten

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    […] Dieser Ein­trag wurde auf Twit­ter von Prin­cip­i­en, Prin­cip­i­en erwäh­nt. Prin­cip­i­en sagte: Lyrisch­er Adventskalen­der 22 — Cot­ten Ingeniös, begrif­f­en Ist alles kalt und brüchig. (http://bit.ly/809Zao) #Gedicht #Lyrik […]

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