Die Bettlerschale
Horch! das ist die leere Bettlerschale,
halb aus Lehm noch, aber halb schon Stein
und sie trommelt dir bei jedem Male
Hungerlieder zwischen Brot und Wein.
Blick nicht weg und stelle dich nicht taub!
Deine Zehen zucken längst schon lüstern,
eigenmächtig tanzt in deinen Nüstern
Bettler-Hochmut und verschmähter Raub.
Brich nur weiter das gelobte Brot!
Es ist durch und durch schon angesäuert
von dem Salz, das meine Augen scheuert
und die Schale anzufüllen droht.
Wenn die Trommel plötzlich nicht mehr klingt,
wird kein Mahl auf Erden dir mehr munden
und dein Herz wird sich von selber runden
in der Hand, die dich zum Betteln zwingt.
(Christine Lavant, 1956)
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