Demo-Aufruf UNITED NEIGHBOURS

 

(via)

Die Proteste um den Oranienplatz, um die besetzte Schule in der Ohlauer Straße und in der Gürtelstraße haben den Kampf gegen Rassismus und Kapitalismus in der Stadt auf eine neue Ebene gehoben. Wir, Geflüchtete und stadtpolitische Aktive, kämpfen gemeinsam gegen Verhältnisse, in denen unser Bedürfnis nach Wohnraum, Bewegungsfreiheit, nach Solidarität und einem selbstbestimmten Leben von Politik und Polizei unterdrückt wird.

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Berlinale 2014 – Forum II Ich will mich nicht künstlich aufregen

Der aufregendste Film, den ich bisher in der Forums-Sektion gesehen habe. Es geht um eine junge Kuratorin, der aufgrund kapitalismuskritischer Äußerungen das Budget für ihre Ausstellung zusammengekürzt wird, in der sie der Frage nachgehen wollte, warum der künstlerische Film allerorten in das ältere und viel bürgerlicher konnotierte Präsentationsmedium des Museums verbannt wird; und es geht um Kreuzberg, den Wohnungskampf und Anti-Mieterhöhungskampf rund um den Kottbusser Platz, um junge Migranten und die Bioladen-Gentrifizierung.

Sarah Ralfs in: Ich will mich nicht künstlich aufregen (Max Linz, D 2014)

Formal steht der Film ganz in der Tradition des politischen Modernismus von Jean-Luc Godard, Alexander Kluge und René Pollesch – oder um weiter zurückzugreifen, von Bertolt Brecht, auf den all das letztlich zurückgeht. Weiterlesen

Bilanz 2013: Liebste im Kino gesehene Filme Ältere

In der Reihenfolge ihrer Sichtung durchs Jahr hindurch: die mir liebsten älteren Filme, die ich im zu Ende gehenden Jahr & im Kinosaal sehen durfte.

Im Januar im Berliner Arsenal den wunderbar komischen U samogo sinego morya (By the Bluest of Seas, Boris Barnet, SU 1936);

im Rahmen der dem japanischen Regisseur Keisuke Kinoshita gewidmeten Forum-Mini-Retrorspektive während der Berlinale Kanko no machi (Jubilation Street, J 1944), der während des 2. Weltkriegs spielt, aber bis auf eine kurze Coda gänzlich unpropagandistisch, sondern wie ein sehr zärtliches shomin-geki daher kommt, das jede Figur des Ensembles vorsichtig und mit Anmut umarmt;

Max Ophüls Liebelei (D 1933), der mir nicht aus dem Kopf gegangen ist, seit ich ihn im Februar im Zürcher Filmpodium sah;

von der von der Canine Condition kuratierten Reihe zum klassischen chinesischen Film, die im März im Arsenal lief, konnte ich nur sehr wenig sehen; darunter immerhin und zu meinem Glück Shen Nu (The Goddess, Wu Yonggang, CN 1934), einen großen klassischen Stummfilm mit vielen Großaufnahmen von vielsagenden Gesichtern, der weniger exaltiert wirkte als andere (nicht weniger großartige) Schanghai-Filme dieser Jahre;

sehr eindrücklich auch, Ende März, nun wieder im Filmpodium und in Begleitung einer Gruppenimprovisation vom ioicL’Atlantide (Jacques Feyder, F 1921), der erste genuine Wüstenfilm, der, in der Sahara gedreht, alle Tropen (Verlorenheit, Exotik, Halluzinationen) dieses Quasi-Genres in eine verwirrend komplexe und visuell berauschende Flashback-Erzählung bettet;

 

L’atlantide

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Notizen zur Berlinale 2012 ALLES

KANN

Kino to ashita no aida (Between Yesterday and Tomorrow, Kawashima Yuzo, J 1954)
solides klassisches japanisches Studiokino zu Fragen von Tradition & Neuerung, Loyalität & Innovation, Geld & Liebe

Okraina (Outskirts, Boris Barnet, SU 1933)
spielt zu Beginn und am Ende des 1. WKs in einem kleinen Provinzort, vor allem rund um eine große Schusterei und an der Front im Krieg mit den Deutschen; kreativer Einsatz des technisch noch sehr primitiven Sounddesigns

Zolotoye ozero (Golden Lake, Vladimir Shneiderov, SU 1935)
in jeder Hinsicht wilder Abenteuer- und Expeditionsfilm

Captive (Brillante Ma. Mendoza, GB/PHI/D/F 2012)
auf realen Gegebenheiten basierendes Geiseldrama: auf einer philippinischen Insel wird eine Gruppe Touristen & Entwicklungshelfer von Islamisten entführt; Mendoza filmt das erratisch, was stellenweise zu einer seltsamen, eigenen Bildschönheit gerät (Autofokus, der vorne auf irgendwelche Seile scharf stellt, während hinten die Gruppe leicht unscharf bleibt), dann wieder fast unbeholfen aussieht (als spiele die digitale Technik den Bildern üble Streiche); immer wieder werden die Tiere des Dschungels gefilmt: Fledermäuse, Ameisen, Echsen, Schlangen, die einen Vogel fangen – was das soll, bleibt fraglich; überhaupt wundert man sich, was der Film resp. sein Macher eigentlich will; letztlich ist das ein Realismus der schlechteren Sorte: der nichts durchdringt und nichts eröffnet Weiterlesen