Drüben im ND

Ganz am Anfang mag es mal eine gute Idee gewesen sein: Lebensmittel nicht wegschmeißen, sondern verteilen. Das klingt nett, das verstehen alle. In jedem anderen Land als diesem könnte diese Idee vielleicht funktionieren. In diesem unseren Land jedoch wird auch aus so einer harmlosen, lieben Idee ein Ungetüm, ein Schauplatz niederster Instinkte, ein ganzes Abbild der deutschen Gesellschaft im Kleinen. Noch im Kampf um Müll gibt es oben und unten, müssen sich die Braunhäutigen und Mandeläugigen hinten anstellen und doppelt so nett sein wie alle anderen. Noch im Kampf um Müll muss den Befehlen der Kommandanten gehorcht werden, muss Reih und Glied herrschen und schwebt über allem die Zuchtrute. Und noch im Kampf um Müll gibt es predigende Millionäre, die genaue Vorstellungen haben, wie die Ärmsten diesen Kampf zu führen haben.

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Merkel als Antifaschistin?

Verkehrte Welt? Die BRD an der Spitze einer neuen antifaschistischen Front?

Merkel erinnerte an die tiefen Verbindungen zwischen Deutschland und den USA, die auch auf gemeinsamen Werten beruhten: „Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung“. Merkel sagte, „auf Basis dieser Werte“ biete sie Trump „eine enge Zusammenarbeit“ an.

Das ist das genaue Gegenteil eines Angebots zur Zusammenarbeit: eine Kampfansage. Sie weiß ja, dass diese Werte nicht die von Trump sind. Im neuen politischen Koordinatensystem ist Merkel objektiv nach links gerückt. In der neuen Weltordnung wird es neue faschistische und antifaschistische Achsen geben. Es ist irritierend und gewöhnungsbedürftig, dass der Staat, in dem man lebt, plötzlich in der generellen Tendenz, in den ganz großen Fragen, auf der richtigen Seite steht.

Bologna 2016 – Cinema Ritrovato

Eine schöne Bologna-Woche mit durchschnittlich drei Filmen am Tag (vorbei der Exzess alter Zeiten) ist gestern zu ende gegangen. Hier meine persönliche Bilanz mit Sternchen, zum ausführlichen Schreiben bin ich mal wieder zu faul und es ist Sommer…

 

***** A Woman of the World (Malcom St. Clair, USA 1925)

***** Laughter in Hell (Edward L. Cahn, USA 1933)

***** Takový je zivot / So ist das Leben (Carl Junghans, Tsch/D 1929)

***** Yoru no kawa (Night River, Yoshimura Kozaburo, J 1956)

***** Karumen kokyo ni kaeku (Kinoshita Keiskuke, J 1951)

***** A House Divided (William Wyler, USA 1931)

***** Jazz Musume Tanjo (A Jazz Girl is Born, Sunohara Masashisa, J 1957)

 

**** New Tales of the Taira Clan (Kenji Mizoguchi, J 1955)

**** Dora Nelson (Mario Soldati, I 1939)

**** Goupi mains rouges (Jacques Becker, F 1953)

**** Kiiroi Karasu (The Yellow Crow, J 1957)

**** Back Street (John M. Stahl, USA 1932)

**** Cetvero (The Four, Vasilij Ordynskij, SU 1957)

**** Remember Last Night? (James Whale, USA 1935)

**** Flesh and the Devil (Clarence Brown, USA 1926)

**** Cœur fidèle (Jean Epstein, F 1923)

 

*** The Good Fairy (William Wyler, USA 1935)

*** Her Man (Tay Garnett, USA 1930)

*** Balettprimadonnen (Mauritz Stiller, SWE 1916)

 

** Broadway (Paul Fejos, USA 1929)

** Senninbari (J 1937)

 

Bilanz 2013: Liebste im Kino gesehene Filme Ältere

In der Reihenfolge ihrer Sichtung durchs Jahr hindurch: die mir liebsten älteren Filme, die ich im zu Ende gehenden Jahr & im Kinosaal sehen durfte.

Im Januar im Berliner Arsenal den wunderbar komischen U samogo sinego morya (By the Bluest of Seas, Boris Barnet, SU 1936);

im Rahmen der dem japanischen Regisseur Keisuke Kinoshita gewidmeten Forum-Mini-Retrorspektive während der Berlinale Kanko no machi (Jubilation Street, J 1944), der während des 2. Weltkriegs spielt, aber bis auf eine kurze Coda gänzlich unpropagandistisch, sondern wie ein sehr zärtliches shomin-geki daher kommt, das jede Figur des Ensembles vorsichtig und mit Anmut umarmt;

Max Ophüls Liebelei (D 1933), der mir nicht aus dem Kopf gegangen ist, seit ich ihn im Februar im Zürcher Filmpodium sah;

von der von der Canine Condition kuratierten Reihe zum klassischen chinesischen Film, die im März im Arsenal lief, konnte ich nur sehr wenig sehen; darunter immerhin und zu meinem Glück Shen Nu (The Goddess, Wu Yonggang, CN 1934), einen großen klassischen Stummfilm mit vielen Großaufnahmen von vielsagenden Gesichtern, der weniger exaltiert wirkte als andere (nicht weniger großartige) Schanghai-Filme dieser Jahre;

sehr eindrücklich auch, Ende März, nun wieder im Filmpodium und in Begleitung einer Gruppenimprovisation vom ioicL’Atlantide (Jacques Feyder, F 1921), der erste genuine Wüstenfilm, der, in der Sahara gedreht, alle Tropen (Verlorenheit, Exotik, Halluzinationen) dieses Quasi-Genres in eine verwirrend komplexe und visuell berauschende Flashback-Erzählung bettet;

 

L’atlantide

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Bayrisches Provinzverhalten

Wenn einer den Wulff nicht halten kann

Das ist es also, das Video der ZDF heute-Redaktion. Der Stein des bayrischen Anstoßes. Kam ja in der Berichterstattung gar nicht vor, um was es da überhaupt ging: Ein völlig belangloser Beitrag vom biederen Haussender der Union. Umso unverständlicher ist es dann, warum ein erfahrener Pressesprecher wie Hans Michael Strepp den Wulff macht, in Mainz anruft und seinen Job dafür riskiert. Strepp hat schon für die CSU gesprochen, als Edmund Stoiber das auch noch durfte. Sogar Erwin Huber hat er überlebt. Nun ist er (erst mal) weg. Das hat offenbar sogar Generalsekretär Alexander Dobrindt die Sprache verschlagen. Zumindest sagt er nichts. Und nicht mal der lustige Parteichef Horst Seehofer hat einen seiner schaurig-witzigen Sprüche auf Lager. Tragisch!

Jetzt übernimmt Strepps Stellvertreter Andreas Weisser. So ist das ja, es gibt immer jemanden der nachrückt. 2006 war dieser jemand schon einmal für ein höheres Pöstchen im Gespräch. Damals musste er sich aber noch ein bisschen gedulden. Jetzt darf er. Weisser ist interessanterweise – laut seiner Facebook-Seite – Fan von Sat.1 in Bayern – und der BR Rundschau des Bayrischen Fernsehens. Verständlich. Die spuren wenigstens, wenn man da mal anruft.