Drüben im ND

Ganz am Anfang mag es mal eine gute Idee gewesen sein: Lebensmittel nicht wegschmeißen, sondern verteilen. Das klingt nett, das verstehen alle. In jedem anderen Land als diesem könnte diese Idee vielleicht funktionieren. In diesem unseren Land jedoch wird auch aus so einer harmlosen, lieben Idee ein Ungetüm, ein Schauplatz niederster Instinkte, ein ganzes Abbild der deutschen Gesellschaft im Kleinen. Noch im Kampf um Müll gibt es oben und unten, müssen sich die Braunhäutigen und Mandeläugigen hinten anstellen und doppelt so nett sein wie alle anderen. Noch im Kampf um Müll muss den Befehlen der Kommandanten gehorcht werden, muss Reih und Glied herrschen und schwebt über allem die Zuchtrute. Und noch im Kampf um Müll gibt es predigende Millionäre, die genaue Vorstellungen haben, wie die Ärmsten diesen Kampf zu führen haben.

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Bilanz 2013 Mein Bild des Jahres

Ausstellungen, die mich restlos begeistert hätten, habe ich dieses Jahr kaum gesehen. Gut gefallen hat mir Constantin Wallhäusers Show Das Orchester im Espace Surplus Le Grand. Am schönsten war aber der Besuch der Sammlung außereuropäischer Kunst im Rietberg Museum in Zürich. Da sind bezaubernde chinesische Tuschzeichnungen und japanische Drucke und indische Skulpturen zu sehen.

Mein Lieblingsbild trägt den Titel „Heftiger Gewitterregen“ und stammt aus der Edo-Zeit (ca. 1857) und aus der Serie „Hundert Ansichten von Edo“ von Andô Hiroshige (1797-1858). Ich liebe an diesem Bild einfach alles: den dichten Regen, der aussieht wie im klassischen Kino, die matten Farben, den schrägen Horizont, die Brücke, die ins Nichts zu laufen scheint, und die verdeckten, über die Brücken eilenden Figuren.

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