Von Margarita Tsoumo Nach- und Vortrag

Ein Tag danach: keiner spricht von Niederlage
Zu meiner Überraschung hat die Abstimmung der neuen Hilfskredite und der damit einhergehende Polizeiterror keinen davon abgehalten schon am nächsten Tag wieder auf den Syntagma-Platz zu gehen und der größten Generalversammlung seit Wochen beizuwohnen. Die Menschen auf dem Platz waren nicht demoralisiert, sondern wütender und noch entschiedener. Eine Lehrerin meinte charakteristisch: «Gewählt haben sie, aber jemand muss das Gesetz auch umsetzen. Wir erkennen die Entscheidung nicht an und werden uns weigern sie anzuwenden» – alle Interviews auf dem Platz an diesem Tag hatten ähnliche Aussagen. Die Wut gegenüber dem Staat, der sie zwei Tage lang mit Tränengas beschossen hat, war enorm. Es geht also weiter, die Menschen stellen sich auf eine Langfristigkeit ein. Das Ende ist unbekannt und fern…

Ich lasse die Pressemitteilung des Platzes sprechen:
http://www.real-democracy.gr/en/teamvotes/2011-07-03-warning-troica-banks-and-investors

Und: Ich berichte heute über die Woche in Athen mit Film und Fotos auf der Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Festsaal Kreuzberg. Zusammen mit Stephan Kaufmann von der Frankfurter Rundschau. Ich werde viel Material zeigen. Hier die Ankündigung.

SMS aus Athen

Die Proteste in Griechenland weiten sich aus. Die Bewegung mobilisiert für einen 48-stündigen Generalstreik und eine Blockade des Parlaments vor der Abstimmung über die neuerlichen «Sparmaßnahmen» (lies: Privatisierung & Sozialkahlschlag) am Dienstag. Da wir ansonsten kaum über Informationen verfügen, hier Kurznachrichten von Marga Tsoumo, die gerade in Athen ist:

«Generalversammlung // 5000 Menschen koordinieren die Busse und Schiffe, die von ganz Griechenland zur Parlamentsumzingelung kommen // 200 Zelte, alle Altersgruppen»

«Ein Papier gegen Fremdenfeindlichkeit wird abgestimmt, damit die Generalversammlung sich eindeutig von den Rassisten distanziert, die sich auch unter den Protesten mischen // Sonst werden die 48 Stunden vorbereitet. Ziel ist, dass 48 Stunden Menschen ständig auf der Straße sind, parallel zum Generalsreik. Die 28 Arbeitsgruppen des Camps stellen die Infrastruktur. Das wird gerade diskutiert, das Rederecht wird ausgelost»