Kampf dem Grassismus

„Und dann diese Obsession mit dem magischen Realismus; die Manie, mit aller Macht den Alltag zu verzaubern, das Schöne im Banalen zu entdecken. Das geschieht doch bereits, ständig! Der Alltag wird bereits hinreichend verzaubert! Pausenlos machen Fernsehen und Presse Reklame für die Realität, behaupten die Erträglichkeit der Verhältnisse, als duldete der Kapitalismus Wunder und Geheimnis. Der Grassismus ist Reklame höherer Art, für den Lebensstil der neuen Mitte, die glaubt, aus den Nischen des Alltags einen Zauber herauspressen zu können, der doch nichts als die Herrlichkeit ihres Angekommenseins feiert.“

Der etwas andere Nachruf – drüben bei der Jungle World.

Berlinale 2014 – Forum II Ich will mich nicht künstlich aufregen

Der aufregendste Film, den ich bisher in der Forums-Sektion gesehen habe. Es geht um eine junge Kuratorin, der aufgrund kapitalismuskritischer Äußerungen das Budget für ihre Ausstellung zusammengekürzt wird, in der sie der Frage nachgehen wollte, warum der künstlerische Film allerorten in das ältere und viel bürgerlicher konnotierte Präsentationsmedium des Museums verbannt wird; und es geht um Kreuzberg, den Wohnungskampf und Anti-Mieterhöhungskampf rund um den Kottbusser Platz, um junge Migranten und die Bioladen-Gentrifizierung.

Sarah Ralfs in: Ich will mich nicht künstlich aufregen (Max Linz, D 2014)

Formal steht der Film ganz in der Tradition des politischen Modernismus von Jean-Luc Godard, Alexander Kluge und René Pollesch – oder um weiter zurückzugreifen, von Bertolt Brecht, auf den all das letztlich zurückgeht. Weiterlesen

Der Bundesparteitag der Linken in Göttingen ist ohne die von der Mainstream-Presse herbei geschriebene und erhoffte Spaltung der Partei mit allen geplanten Beschlüssen und Wahlen zu Ende gegangen – am Tag danach fielen an der Frankfurter Börse die Kurse auf neue Tiefststände. Beide Tatsachen entsprechen der Wirklichkeit, der kausale Zusammenhang besteht leider nicht....

Antikapitalistische Linke

Aus einer Erklärung der AKL zum Ausgang des Parteitags der Linken in Göttingen. Kommentieren

Kapitalismus macht krank Burnout-Syndrom

Die Ergebnisse aus der Wissenschaft sind eindeutig und lassen sich nicht mehr verleugnen: Die Stressbelastung hat in vielen Arbeitsbereichen in den letzten Jahren enorm zugenommen. Dadurch werden auch immer mehr Menschen krank und im Extremfall sogar arbeitsunfähig.

Aus einer sehr hörenswerten Sendung, die eben auf Deutschlandfunk lief.

Die Krise und die Folgen II Öffentlicher Selbstmord

Heute vormittag hat sich ein griechischer Rentner auf dem zentralen Syntagma-Platz erschossen, nur einige hundert Meter vom Parlamentseingang entfernt. Hauptgrund scheint die Verzweifelung über seine Verschuldung gewesen zu sein.

Augenzeugen berichten, der Mann habe, bevor er abdrückte, gerufen: «So hinterlasse ich meinen Kindern keine Schulden». Es habe sich offenbar um einen symbolisch motivierten Akt gehandelt, mutmaßte einer der Zeugen, da die gleiche Tat an einem anderen Ort kaum die gleiche Aufmerksamkeit bekommen hätte.

Griechenland ist im fünften Jahr einer heftigen ökonomischen Krise, deren Folgen durch die von den europäischen Geldgebern geforderten Austeritätsmaßnahmen noch verschlimmert wurden. Diese Maßnahmen haben zu großen Kürzungen geführt, etwa um bis zu 25% bei den Rentenzahlungen.

Die sozialen Auswirkungen der Krise werden auf den Straßen Athens und anderer Großstädte immer deutlicher sichtbar. Die Selbstmordraten sind gestiegen. In einem bekannten Fall hat sich im letzten September ein mit seinen Schulden kämpfender Mann vor einer Bankfiliale in Thessaloniki selbst angezündet.

(Quelle)

Update (05.04., 10.00): Inzwischen wurde bei Dimitris Christoulas (so hieß der Mann) ein Abschiedsbrief gefunden. In ihm steht:

Die Regierung von Tsolakoglou hat mich aller Überlebensmöglichkeiten beraubt; sie basierten auf einer würdigen Rente, für die ich allein während 35 Jahren bezahlt habe, ohne Hilfe vom Staat. Da mir mein vorangeschrittenes Alter eine dynamischere Reaktion nicht erlaubt (obwohl: wenn einer meiner griechischen Landsmänner zu einer Kalashnikov greifen würde, würde ich mich hinter ihn stellen), sehe ich keine andere Lösung als mein Leben in Würde zu beenden. So werde ich nicht eines Tages in den Mülleimern nach Lebensmitteln suchen müssen. Ich glaube, dass Menschen ohne Zukunft eines Tages zu den Waffen greifen werden und die Verräter unseres Landes auf dem Syntagmaplatz hängen werden, so wie es die Italiener 1945 mit Mussolini taten.(Quelle)