Fritz Brupbacher

Am Dienstag hätte er seinen 125. Geburtstag gefeiert. Deshalb sei heute noch einmal an ihn erinnert.

Fritz Brupbacher (* 30. Juni 1874 in Zürich; † 1. Januar 1945 in Zürich) war ein Schweizer Arzt, libertärer Sozialist und Schriftsteller. 1901 eröffnete Brupbacher seine Arztpraxis im Zürcher Arbeiterquartier Aussersihl. Im selben Jahr heiratete er Lydia Petrowna, die nach dem Studienabschluss hauptsächlich als Ärztin in russischen Dörfern arbeitete. Das Elend, das Brupbacher als Arbeiterarzt kennen lernte, war nach seiner Ansicht die Folge von Alkoholismus und Kinderreichtum. Gegen den Alkoholismus kämpfte er bereits seit seiner Gymnasialzeit. Mit seiner Broschüre Kindersegen – und kein Ende? setzte er sich für die Geburtenkontrolle ein, um das Los der Arbeiterfrauen zu verbessern. Diese Schrift hatte ein gewaltiges Echo in der Arbeiterbewegung der deutschsprachigen Länder und erlebte in 20 Jahren eine Auflage von 500’000 Exemplaren.

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit widmete er sich der Propaganda eines freiheitlichen Sozialismus in der Arbeiterklasse. Er gründete Lesezirkel wie das Schwänli, hielt Referate und gab von 1899 bis 1900 die Agitationszeitschrift Junge Schweiz heraus. Von 1900-1904 war Brupbacher als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz im Grossen Stadtrat (jetzt Gemeinderat) von Zürich. 1905 besuchten er und seine Frau den russischen Anarchisten Peter Kropotkin auf der Insel Jersey, von dessen Buch Gegenseitige Hilfe er sehr beeindruckt war. Dort lernte er auch James Guillaume kennen und begeisterte sich für den französischen revolutionären Syndikalismus.

Das Lexikon der Anarchie schreibt folgendes über ihn:

Brupbacher ist vielleicht als einer der entschiedensten und originärsten Anarchisten seiner Zeit zu bezeichnen, obwohl oberflächlich betrachtet die Mitgliedschaft in der SP und KP und sein politisches Wirken dagegen sprechen. Aber wenn man – was wesentlich ist – die Identifikation libertärer Überzeugungen nicht allein an politische Postulate, organisatorische Deklarationen und die häufig dazugehörende Selbstgerechtigkeit bindet, sondern den Lebensweg, auch im privaten Bereich, die persönlichen mit echten Konsequenzen verbundenen Entscheidungen eines Menschen zur Grundlage nimmt, ist solch eine Aussage über ihn verständlicher.

Digital ist besser III

Vom Sturzbach zum Umsturz

Die digitale Datenverarbeitung hat gemeinsam mit dem WWW die Möglichkeiten demokratischer Planung der Produktion materieller Güter enorm vereinfacht. Damit sind die Bedingungen für eine libertärkommunistische Produktionsweise, die rationaler, effizienter, gerechter und nachhaltiger wäre als zentralistische Planwirtschaft und als kapitalistische Marktwirtschaft, zwar nicht geschaffen worden (es gab sie schon lange). Aber sie sind nun deutlich leichter in die Tat umzusetzen, also naheliegender, also noch weniger utopisch. Ich entnehme diesen Hinweis dem Buch Maschinenwinter von Dietmar Dath, und seinem Zitat aus Alternativen aus dem Rechner von Paul Cockshott und Allin Cottrell. Seit längerem wird ein Modell, das sowohl die Produktion als auch die Distribution unter radikaldemokratische Kontrolle stellt, von Robin Hahnel und Michael Albert vorgeschlagen (unter dem Namen parecon: partizipative Ökonomie).

Gleichzeitig (und das wird bei Dath nicht erwähnt) hat sich mit der Erfindung und raschen Verbreitung des Torrentsystems, des Sturzbachs, ein universalisierter Tausch und damit das urkommunistische Prinzip „Alles für alle und das umsonst!“ auf der Ebene digitaler Güter bereits verwirklicht. Und das ohne die Notwendigkeit jedweden Altruismus, sondern durch die einfachste, banalste Preiskalkulation (0 Euro!) und nicht nur im Prinzip, sondern in der Realität des weltweiten Datenverkehrs (mehr als 50%!). Der Sturzbach basiert ganz einfach darauf, dass man tauscht, ohne etwas abzugeben. Also teilt, ohne dadurch selbst weniger zu haben. Weiterlesen

Podem viure sense capitalisme

Wer sich vom System befreien will, muss Kredite aufnehmen und sie nie zurückzahlen.

Der Satz stammt von dem Globalisierungskritiker Enric Duran. Vor ziemlich genau sechs Monaten konnte er mittels Kreditbetrugs 39 Banken um insgesamt 492.000 Euro erleichtert. Die spanischen Medien fanden das gar nicht mal so schlecht und tauften ihn gleich den neuen Robin Hood der Banken bzw. Robin Bank. Ganz anders als der englische Wegelagerer mit sozialdemokratische Herz dachte der gute Mann aber einen Schritt weiter. Das Geld steckte Enric in die antikapitalistische Zeitschrift „Podemos„.
Als er zur Verteilung der 350.000 Exemplare der eben solchen aus dem Exil zurückkehrte, wurde er prompt verhaftet. Seine Reaktion: Weiterlesen

Zitat des Monats

Mir macht die Krise Angst: Wenn man Ratten in einen Käfig sperrt und dann das Bodengitter mit Krisenspannung elektrisiert, fangen sie an, einander totzubeißen. Die Frau an der Supermarktkasse ist noch besoffener als sonst. Mit Recht. Und das größte Rätsel ist, warum es immer noch erwachsene Menschen gibt, die den Kommunismus ablehnen. 

(Dietmar Dath)