Drüben im ND

Ganz am Anfang mag es mal eine gute Idee gewesen sein: Lebensmittel nicht wegschmeißen, sondern verteilen. Das klingt nett, das verstehen alle. In jedem anderen Land als diesem könnte diese Idee vielleicht funktionieren. In diesem unseren Land jedoch wird auch aus so einer harmlosen, lieben Idee ein Ungetüm, ein Schauplatz niederster Instinkte, ein ganzes Abbild der deutschen Gesellschaft im Kleinen. Noch im Kampf um Müll gibt es oben und unten, müssen sich die Braunhäutigen und Mandeläugigen hinten anstellen und doppelt so nett sein wie alle anderen. Noch im Kampf um Müll muss den Befehlen der Kommandanten gehorcht werden, muss Reih und Glied herrschen und schwebt über allem die Zuchtrute. Und noch im Kampf um Müll gibt es predigende Millionäre, die genaue Vorstellungen haben, wie die Ärmsten diesen Kampf zu führen haben.

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PLinks KW 12/11 Das Schöne

Weil wir mit unseren bescheidenen Mitteln und knappen Zeitresourcen dem sich in alle Richtungen überschlagenden Weltgeschehen ja ohnehin nicht mehr beikommen können, versuchen wir es erst gar nicht, und verlinken einfach Belangloseres – aber Schöneres:

1. das schönste Weblog im deutschsprachigen Netz (das keins sein will)

2. das Blog mit dem schönsten Untertitel

3. einen sehr schönen Text von Diedrich Diederichsen – diesen vor allem weil es mir, mit dem Fahrrad unterwegs im Berliner Stadtverkehr, peinlicherweise oft ganz genauso geht oder ging wie D. Diederichsen – ich mir mein eigenes Fahrradnazitum aber nie so schön explizieren konnte (via).

Ansonsten kann man ja auch noch anderes lesen als Internet, wie ich z.B. die durchgängig empfehlenswerte, sehr schön gestaltete und preisgünstige Reihe Argentinischer Literatur im WagenbachVerlag. Und auch sonst alles von Aira.

Auswärtsspiel

Hier der Hinweis auf eine Rezension zu dem Buch Alternativen aus dem Rechner von Paul Cockshott und Allin Cottrell, die ich gemeinsam mit Michel geschrieben habe und die heute bei Keimform, dem Blog zur „Suche nach dem Neuen im Alten“, veröffentlicht wurde.

Adventskalender

Die schönste Weihnachtsgeschichte

Nachdem sich gestern das letzte Türchen im lyrischen Adventskalender geöffnet hat, haben wir hier noch eine kleine prosaische Dreingabe. Es handelt sich um nichts weniger als die schönste Weihnachtsgeschichte aller Zeiten. Sie eignet sich trotz ihres Titels auch für Atheistinnen, Agnostiker und andere Weihnachtsmuffel. Ihre Lektüre sei allen sehr empfohlen, man kann sie auch laut vorlesen und anderen eine Freude machen. Enjoy!

Das Paket des lieben Gottes 
(Bertolt Brecht)

Nehmt eure Stühle und eure Teegläser mit hier hinter an den Ofen und vergeßt den Rum nicht. Es ist gut, es warm zu haben, wenn man von der Kälte erzählt. Weiterlesen

Lyrik XXII – Ko Un

Dass es nicht ganz leicht ist, Lyrik zu übersetzen, haben wir hier schon mal erläutert. Im Fall einer Übersetzung aus dem Koreanischen ist es naturgemäß schwierig, ihre Güte zu beurteilen. Was die Übersetzer von Ko Un, Woon-Jung Chei und Siegfried Schaarschmidt, in ihrem Nachwort der deutschen Ausgabe von Die Sterne über dem Land der Väter schreiben, klingt aber sehr vertrauenserweckend, zumindest nach skrupulöser Arbeit am sprachlichen Detail:

Woon-Jung Chei, die den Kontakt zu ihrem Landsmann aufgenommen hatte, sandte mir Stück für Stück ihre wörtliche Übertragung nach dem koreanischen Original; ich, der Japanologe, übersetzte nach einer japanischen Fassung, erstellt von dem an einer Universität nahe Osaka lehrenden Koreaner Kim Hak-Hyon, und dann wurde eine jede Zeile diskutiert, wurde um größte Genauigkeit bei dennoch gewährleisteter Lesbarkeit gerungen.

Interessant ist auch Woon-Jung Cheis kurze biographische Skizze, die auch die oppositionelle Haltung und damit die politische Dimension der Gedichte von Ko Un deutlicher werden lässt. Weiterlesen