Lyrischer Adventskalender 9 — Lavant

Die Bettlerschale Horch! das ist die leere Bettlerschale, halb aus Lehm noch, aber halb schon Stein und sie trommelt dir bei jedem Male Hungerlieder zwischen Brot und Wein. Blick nicht weg und stelle dich nicht taub! Deine Zehen zucken längst schon lüstern, eigenmächtig tanzt in deinen Nüstern Bettler-Hochmut und verschmähter Raub. Brich nur weiter das gelobte Brot! Es ist durch und durch schon angesäuert von dem …

Lyrischer Adventskalender 8 — Bachmann

Die große Fracht Die große Fracht des Sommers ist verladen, das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit, wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit. Die große Fracht des Sommers ist verladen. Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit, und auf die Lippen der Galionsfiguren tritt unverhüllt das Lächeln der Lemuren. Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit. Wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit, kommt aus …

Lyrischer Adventskalender 7 — Eich

Inventur Dies ist meine Mütze, mein Mantel, hier mein Rasierzeug im Beutel aus Leinen. Konservenbüchse: mein Teller, mein Becher, ich hab in das Weißblech den Namen geritzt. Geritzt hier mit diesem kostbaren Nagel, den vor begehrlichen Augen ich berge. Im Brotbeutel sind ein Paar wollene Socken und einiges, was ich niemand verrate, so dient es als Kissen nachts meinem Kopf. Die Pappe hier liegt zwischen mir und der Erde. Die Bleistiftmine lieb ich am meisten: Tags schreibt sie …

Lyrischer Adventskalender 6 — Langgässer

Daphne Du siehst, wo sich der Waldhang weitet, Die Espe zitternd niederwehn, Dem Brand des Himmels hingebreitet, Von Gras und Habichtskraut begleitet, Die ärmlich in den Winter gehn. Doch auch das Dunkel einer Mauer, Wenn sie am Saum der Städte lebt, Berührt oft ihrer Krone Schauer, An dem du dieser Zeiten Trauer Ermissest, da sie grundlos bebt. Sie wurzelt mühsam im Gerölle, Das sie verfolgt, indem es …

Lyrischer Adventskalender 5 — Borchardt

Urlaub Fort fort und lungere mir nicht neben der Fensterbank Langflügelig allzu Lieblicher Nicht Saitenspiels, so bin ich auch nicht Lauschens Dir Cupido, heut zu Willen nicht Weder heut noch morgen. Morgen oh noch weniger Umsonst gelacht, glaubs nicht wie sonst Kehraus klatscht in die Hände, bei den Türen pfeift Der Nord zum Loch des Zimmermanns. Nimm gleich, da schon Du die Füße hebst …