Berlinale 2014 – Panorama Xi you von Tsai Ming-liang

Xi you (Journey to the West, Tsai Ming-liang, F/TW 2013) Panorama

Für mich der bisherige Höhepunkt im Panorama (aber, zugegeben, viel habe ich aus dieser Sektion nicht gesehen) stammt von Tsai Ming-liang und ist ein Kunst-Film mit ganz großem K. Soll heißen: Es geht hier um ein ästhetisches Konzept und um einen Modus ästhetischer Erfahrung, der mit Spielfilm-Gratifikationen (narrative Spannung, emotionale Einfühlung etc.) nichts zu tun hat. In der ersten sehr langen Einstellung sehen wir in einer wundervollen Großaufnahme das schräg im Bild liegende Gesicht von Denis Lavant, ein Auge im Halbschatten, zu kontemplieren wie ein Gebirgslandschaft. Spätere, oft noch viel längere Einstellungen zeigen dann einen sehr, sehr, sehr langsam durch Marseille gehenden buddhistischen Mönch. Schon die extreme Körperbeherrschung, mit der er seine Bewegung ausführt, ist faszinierend zu betrachten. Weiterlesen

Berlinale ’11 Auftakt

Zugegeben: fühlt sich schon ein wenig blöd an, wenn in Ägypten gerade Großes passiert («friedliche Revolution»!), und man selbst von nichts anderem zu berichten hat als von dritt- oder viertklassigen Filmchen, aus denen man nach 20 Minuten frustriert fluchtartig rausläuft. Meine Berlinale begann ein bisschen verspätet heute um 12.30 mit der Abholung meiner (dritt- oder viertklassigen, weil nicht zu allen Vorführungen Zutritt verschaffenden) Akkreditierung. Auf das Programm hatte ich zu dem Zeitpunkt noch keinen Blick geworfen, ein Fehler, der sich rächen sollte: sonst hätte ich gleich bemerkt, dass der richtige Zug D2 gewesen wäre: im Delphi lief um 14.00 Honjitsu Kyushin (Doctor’s Day Off, Shibuya Minoru, J 1952) ein japanischer Film aus den 50ern, vom renommierten Shochiku-Studio (für das auch Ozu, Naruse und Gosho arbeiteten), da konnte eigentlich nichts schief gehen. Aber wie gesagt, dass ist mir erst Stunden später aufgefallen, als schon C6 gezogen war: The Devil’s Double, vermutlich eine direct-to-video-Produktion, die in Kinosälen wirklich nichts zu suchen hat. Story: Saddam Husseins Sohn zwingt einen alten Schulkameraden, der ihm erstaunlich ähnlich sieht, in der Öffentlichkeit sein Double zu spielen; er selbst raucht bei jeder Gelegenheit riesige kubanische Zigarren (damit er von dem anderen unterscheidbar ist) und umgibt sich und vögelt mit halbnackten Frauen. Dazwischen gibt es sinnfrei Vergewaltigungs- und Folterszenen und dann… bin ich rausgegangen. Weiterlesen