Zensur

findet nicht statt. So steht es zumindest im Grundgesetz. Dass es ausgerechnet die GebärFamilienministerin sein würde, die ein derartiges Kontrollinstrument mit dem Hinweis auf die Kinderpornographie wieder einführt, ist zwar auf den ersten Blick merkwürdig, hätte man sich aber denken können.

Es gibt also demnächst eine vom Bundeskriminalamt verwaltete Zensurliste, die niemand einsehen darf. Und der Besuch bei einer auf der Liste stehenden Seite ist strafbar, ja, auch der Versuch ist es bereits, obwohl kein Mensch weiß, welche Seiten das sind. Wenigstens werden die Menschen nicht mit dem Unterschied zwischen Besuch und Versuch verwirrt, da es keinen gibt. Nun hat es derart ausreichend Erfahrungen mit den „Sperrlisten“ anderer Länder gegeben, dass es bei weitem noch nicht ausgemacht ist, ob dort tatsächlich nur kinderpornographische Seiten zu finden sind. So tummeln sich dort Zahnärzte (Australien), Wikipedia (GB) und Online-Poker-Anbieter (Finnland). Auch in Deutschland hätte man für die Sperrung von Online-Glücksspielen sicher Interesse und Verwendung. So stellt der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow bereits Sperrungsverfügungen gegen ausländische Glücksspiel-Seiten in Aussicht. Und wenn man schonmal dabei ist, kann man auch etwas gegen die „flächendeckende Enteignung geistigen Eigentums“ unternehmen, denkt sich dabei die Musikindustrie in der Person Dieter Gornys: Weiterlesen

digital ist besser: Marek Lieberberg

Seines Zeichens alter Konzertveranstalter, der von den Milliönchen, die er als Geschäftsmann mit der Kreativität anderer Menschen verdient hat, wahrlich gut leben kann. Das hindert ihn jedoch nicht, für die SZ einen Gastbeitrag zu verfassen, der sich mit dem Urheberrecht im Internet befasst. Natürlich tut er das nicht auf eine sachliche Art und Weise, sondern stänkert und pöbelt was das Zeug hält und wirft dabei alles zusammen und durcheinander, was er im VHS-Computer-Kurs für Senioren aufgeschnappt hat. Doch der Reihe nach.

Nachdem der selbst ernannte Künstlervater in der ersten beiden Absätzen lediglich länglich und uninteressant von einem Pink-Floyd-Konzert aus dem frühen 17. Jahrhundert schreibt, geht es dann mit Vollgas in die Agitation. Da ist die Rede von den Heimsuchungen durch die „Pest der Raub- und Privatkopien„, von „flächendeckender Enteignung„. Vollkommen egal, dass die Herstellung einer Privatkopie urheberrechtlich verbrieftes Recht ist, das es ermöglicht, erworbene Musikstücke für den privaten Gebrauch zu vervielfältigen; vollkommen wurscht, dass dieses Recht durch die massive Lobbyarbeit der Musikindustrie (MI) kastriert wurde, so dass man nicht einmal einen Kopierschutz umgehen darf, was u.U. dazu führt, dass man die gekaufte CD nicht mal mehr im eigenen CD-Spieler hören kann, da der Kopierschutz eine Abweichung vom ISO9660-Standard ist; vollkommen uninteressant, dass doch diejenigen enteignet werden, deren zwanzig Jahre alte CDs sich so langsam auflösen, und die für digitalen Ersatz latürnich ordentlich löhnen sollen. Weiterlesen

Digital ist besser III

Vom Sturzbach zum Umsturz

Die digitale Datenverarbeitung hat gemeinsam mit dem WWW die Möglichkeiten demokratischer Planung der Produktion materieller Güter enorm vereinfacht. Damit sind die Bedingungen für eine libertärkommunistische Produktionsweise, die rationaler, effizienter, gerechter und nachhaltiger wäre als zentralistische Planwirtschaft und als kapitalistische Marktwirtschaft, zwar nicht geschaffen worden (es gab sie schon lange). Aber sie sind nun deutlich leichter in die Tat umzusetzen, also naheliegender, also noch weniger utopisch. Ich entnehme diesen Hinweis dem Buch Maschinenwinter von Dietmar Dath, und seinem Zitat aus Alternativen aus dem Rechner von Paul Cockshott und Allin Cottrell. Seit längerem wird ein Modell, das sowohl die Produktion als auch die Distribution unter radikaldemokratische Kontrolle stellt, von Robin Hahnel und Michael Albert vorgeschlagen (unter dem Namen parecon: partizipative Ökonomie).

Gleichzeitig (und das wird bei Dath nicht erwähnt) hat sich mit der Erfindung und raschen Verbreitung des Torrentsystems, des Sturzbachs, ein universalisierter Tausch und damit das urkommunistische Prinzip „Alles für alle und das umsonst!“ auf der Ebene digitaler Güter bereits verwirklicht. Und das ohne die Notwendigkeit jedweden Altruismus, sondern durch die einfachste, banalste Preiskalkulation (0 Euro!) und nicht nur im Prinzip, sondern in der Realität des weltweiten Datenverkehrs (mehr als 50%!). Der Sturzbach basiert ganz einfach darauf, dass man tauscht, ohne etwas abzugeben. Also teilt, ohne dadurch selbst weniger zu haben. Weiterlesen

short rant

Das von mir sehr geschätzte Feuilleton der FAZ erbricht ab und an ein wenig strukturkonservative Galle, in Form nutzloser Interviews mit sogenannten „Netzkritikern“ wie Andrew Keen. Wobei der Interviewer gar nicht mal schlecht ist, sondern lediglich an der strutzdoofen Arroganz seines Gegenübers scheitert, und dazu noch machtlos mit ansehen muss, wie die FAZ, unschuldig neben dem Text plaziert, ihren angeblichen Hintergrund „Macht das Internet dumm?“ feilbietet.

Doch zurück zu Andrew Keen und seinem Buch „Stunde der Stümper“, von der FAZ als „Internetkritik“ beschrieben (was auch immer man sich darunter vorstellen mag). Wenn das, was in diesem Werk steht, kongruent mit seinen Argumenten Worten im Interview ist, sollte man sowohl den amerikanischen, als auch den deutschen Verlag dafür verachten. Weiterlesen