Schwarzer Peter

Die SZ schreibt:

Ihre zum Teil sehr subjektiven Urteile über die deutschen Politiker haben die Amerikaner offenbar nicht nur aufgrund persönlicher Begegnungen gefällt. Auch eine deutsche Quelle hat ausführlich über Stärken und Schwächen von Merkel, Westerwelle und Co. geplaudert. Laut Spiegel sitzt dieses Leck mitten in der schwarz-gelben Koalition: Ein FDP-Politiker, der unter anderem während der Koalitionsverhandlungen protokollierte, soll die internen Papiere an die Amerikaner weitergeben haben.

Cui bono?

Weiteres pikantes Detail: Sein Parteikollege, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der vielen als Seehofers schärfster parteiinterner Rivale gilt, wird in den Depeschen als „enger und bekannter Freund der USA“ bezeichnet.

Offenbar ähneln Menschen Hunden

Offenbar ist der Technoguru und Internetskeptiker (FAZ) Jaron Lanier auch Denkskeptiker. Anders lässt sich sein selbstgerechtes Geraune wohl kaum erklären. Wie er zu dem Mensch-Hund-Vergleich gelangt? Solche Fragen stellt man nur wider besseres Wissen oder in Unkenntnis der zahlreichen Interviews, die der Internetpionier (SZ) in der verzweifelten Hoffnung, jemand möge doch sein kaum relevant zu nennendes Buch erwerben, der bürgerlichen Presse gibt. So schlägt er mit den ewig gleichen, ewig langweilenden Thesen am 17. Jänner zuerst bei der FAZ auf, am 24. bei der Süddeutschen und am 25. schließlich bei SpOn. Und immer geht es darum, dass das Internet ein Ding ist, in dem marodierende Mobs durch die Gegend ziehen („Deshalb habe ich ernsthaft Sorge, dass es eines Tages zu einem gefährlichen Mob-artigen Ausbruch im Internet kommen wird.“ Oh no! What should we do about it? The mob is in the interweb!!1! We’re totally helpless! May god have mercy with us all!), die dunklen „Lords der digitalen Wolke“ alles beherrschen wollen und der in den USA als Schreckgespenst mit Sicherheit noch funktionierende Kommunismus in Form eines digitalen Maoismus grassiert. Weiterlesen

Beisereflexe – Verlässlich und vorhersehbar

Ach Marc, auf dich ist Verlass. Auch nach den übelsten Verwerfungen der Weltwirtschaft singst du immer noch unbeirrt das Hohelied des freien Marktes.

Noch gibt es relativ viele Menschen, die anpacken wollen – wenn der Staat sie denn lässt und ihnen nicht mehr als die Hälfte des Einkommens über Steuern und Abgaben nimmt.

Genau. Schließlich zahlen ganz viele Menschen hierzulande den Spitzensteuersatz. Und das geht nicht, schreibst du. Das geht einfach nicht! Denn

nicht der Staat, sondern Bürger und Unternehmen wissen am besten, was sie mit Geld anfangen.

Eben! Soll doch jeder seine Müllabfuhr selber organisieren und die Kinder von einer billigen, russischen Diplom-Physikern zuhause unterrichten lassen. Am besten wissen natürlich die Banken, was man mit Geld so alles machen kann. Da bist du ganz bei Sloterdijk, der ja auch schon seit Wochen von Leistungseliten und Steuerfreiwilligkeit faselt, und dabei ohne Empirie auskommt. Als Professor oder Ressortchef ist man darauf wohl nicht mehr angewiesen. Aber Beise, so ganz durchdacht wirkt dein Pamphlet der Steuergerechigkeit für Bestverdienende ja nicht, da steckt einfach noch zu viel Argumentation drin. Weiterlesen

Hosen runter!

Stell dir vor, der Wahlkampf ist langweilig, und alle schauen zu. Wobei die Bezeichnung Wahlkampf  für die derzeit statthabende, niveauarme Politclownerie schon ein unverdientes Gütesiegel ist. Gut, es ist ja nichts Neues, dass die von der wichtigsten (demokratischen) politischen Entscheidung in diesem Land evozierten Erwartungen in schnöder Regelmäßigkeit enttäuscht werden. Zurück zum Titel: Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, wie krass 2005 in den Medien Schwarz-Gelb herbeigeschrieben wurde? Mit der Wahl Köhlers (wer?), als Signal? Mit den feuchten, neoliberalen Träumen der Elite ausgebreitet in jeder Zeitung, jedem Blatt? Mit Chefpropagandist Marc Beise? Nein? Gut, ich auch nicht. Wobei…sueddeutsche.de ist wohl schon in Wahlkampflaune. Allein im August sind auf sueddeutsche.de 15 Artikel über die Sache mit Ulla Schmidt (wahllos ausgewählter Satz von Susanne Höll:„Aber die Gesundheitsministerin hat alles falsch gemacht.“) erschienen, und bei soviel Content hat man gleich mal ein Dossier angelegt, welches man praktischerweise auch als Feed abonnieren kann (da ist wohl noch was geplant). So etwas gibt es für die Causae Linklater/Ackermann selbstverständlich nicht, wobei gerade letztere ja alleine durch die Gästeliste erst richtig interessant wird: Springer, Diekmann, Hambrecht (BASF), Schaeffler, Döpfner, Metzler (Bankier), kurz gesagt: normale Leute aus dem einfachen Volk. Die Sueddeutsche hat also den Hosenstall schonmal offen, natürlich nur für den Fall, dass die Sozen aus ihrem medialen Loch doch noch einmal heraus kriechen können, natürlich, ist doch Ehrensache Pressecodex Verlagslinie Kapitalinteresse. Weiterlesen