freitag

Kann man ja mal machen. Wochentag nennen ist nie verkehrt. Ein neuer Freitag, der mich begrüßt.
Die Printausgabe hab ich nur kurz angeschaut im Büdchen, online scheint es eher nicht so prall zu sein. Für meinen Geschmack: Viel zu viel flash (man kann auch mit JS eine gute Benutzeroberfläche bieten, siehe Gugl), Kommentarsystem noch nicht ausgereift, aber man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben, und so wollen wir hoffen, dass freitag.de doch noch eine Plattform für emanzipative Diskurse sein kann (so, wie es wahrscheinlich gedacht und verkauft wurde).
Es würde dem Freitag gut stehen, mit dem Medienpartner von der Insel, auch ein wenig britisches Understatement zu kultivieren. Noch ist davon leider wenig zu spüren. Dennoch:
Das Potential ist vorhanden. Wenn man die richtigen Leute zusammenbringt, die Oberfläche hier und da etwas abspeckt und poliert, scheint es ein ganz interessanter Neubeginn, zumal die alte Homepage doch etwas sehr nüchtern wahr.

So wird erneut die Entropie, und wir mit ihr, urteilen können, ob Jakob Augstein und seine Mitstreiter das selbst gesetzte Ziel erreichen. Ich wünsche ihnen zum neuen Start: Viel Erfolg!

P.S.: Wie man die falsche Leute zusammen bringt, zeigt neben stehende Illustration:

Berlinale: US-Independent at its best

The Exploding GirlThe Exploding Girl von Bradley Rust Gray ist ein kinematografisches Kleinod. Er braucht nur 79 Min. um die Geschichte der beiden College-Studenten Ivy und Al zu erzählen, die ihren spring-break zuhause in New York verbringen. Die beiden kennen sich schon seit Jahren und sind befreundet. Ob sich zwischen beiden vielleicht doch mehr entwickelt, bleibt lange offen.

Bezeichnend für diesen wirklich sehr schönen US-Indie-Film ist die wunderbare Kameraarbeit von Eric Lin. Auf HDCam gedreht nutzt Lin beinahe durchgängig das Tele-Objektiv und erzeugt so Einstellungen, in denen die Protagonisten gleichzeitig ganz nah und weit weg wirken. Vorne fahren Autos unscharf durchs Bild oder Passanten verdecken die Figuren. Die Bilder, der Soundtrack und die lakonische aber genau Figurenbeobachtung erzeugen ein ähnliches Gefühl wie Old Joy, der letztes Jahr in (wenigen) deutschen Kinos lief.

06.02. 19:30 — CineStar 8
07.02. 13:00 — Cubix 7
12.02. 16:30 — Delphi
14.02. 21.30 — Arsenal 1
15.02. 15:30 — Cubix 8

Berlinale: Vier Stunden

Ai no mukidashiSono Sion ist in Japan bekannt für seine kontroversen Gedichte und extremen Filme. Mit Ai no mukidashi (Love Exposure) hat er sich diesmal selbst übertroffen. Schon rein zeitlich gesehen: 237 Minuten. Das schreckt erst mal ab. Schon weil man in der Zeit bestimmt auch drei andere Filme sehen könnte. Gut, dass der erste Berlinale-Tag noch ziemlich ruhig anläuft, das Sitzfleisch noch frisch ist und ein kurzer Blick ins Programmheft so ziemlich alles verspricht, was man von einem japanischen Film erwartet: Kindesmissbrauch, Fetischismus, Sekten, Sünde und kurze Röcke.

Die Versprechen werden eingehalten — vor allem letzteres bekommt sozusagen eine Hauptrolle. Wer wissen möchte, welche und noch ca. 200 Minuten unverplant hat (die letzte halbe Stunde ist ziemlich unnötig), hat hier die Chance:

06.02. 19:00 — Delphi
07.02. 09:30 — CineStar 8
08.02. 17:30 — Arsenal 1
14.02. 20:00 — Cubix 9

Berlinale: zwei koreanische

Ab heute liefern wir hier Empfehlungen und Warnhinweise für all die Glücklichen (und Unglücklichen), die nicht irgendwo anders in der Republik wohnen (oder gerade in Berlin zu Besuch sind).

Beginnen wir mit zwei sehr schönen koreanischen Filmen, die beide am Sonntag zum ersten Mal gezeigt werden.

Treeless MountainTreeless Mountain von der Regisseurin So Yong Kim ist was für FreundInnen kontemplativer Bilder. Es geht um zwei junge Mädchen, Jin und Bin, die von ihrer Mutter, die in die USA aufbricht, um dort den Vater zu (be)suchen, zu einer Tante gebracht werden (vorübergehend angeblich). Die Tante hat allerdings offenbar wenig Lust, sich um die beiden zu kümmern, so dass sie einander überlassen bleiben. Der Film ist konsequent aus der Perspektive der Mädchen erzählt; die Kamera vollzieht ihre Erlebniswelt phänomenal mit.

Zu sehen am 8.2. um 14:15 im CineStar8, am 9. im Arsenal 1 um 20:15, im Delphi am 12. um 19:00 und im Colosseum 1 am 13. um 20:00 Uhr.

Meotjin haruEin sehr zu empfehlender Film ist Meotjin haru (My Dear Enemy) von Lee Yoon-Ki, ebenfalls aus Südkorea. Er erzählt lakonisch, amüsant, mit Liebe fürs Detail das Wiedersehen zwischen Hee-Su und ihrem Exfreund Byung-Woon. Hee-Su möchte endlich die geliehenen 4000 (?) Dollar zurückhaben, Byung-Woon hat das Geld nicht, verspricht aber, es zu besorgen. Er nimmt sie mit auf eine Fahrt durch Seoul, um bei verschiedenen Leuten zu versuchen, Geld aufzutreiben. Das Ganze ist wunderbar geschrieben, gefilmt, gespielt. Der Soundtrack ist auch sehr schön.

Läuft am 8.2. um 19:30 im CineStar 8, tags darauf um 22:30 im Cubix 9, im Delphi am 11. um 14:00 und nochmal im CineStar 8 am 15. um 19:30.

Auf alle Fälle zu vermeiden ist Das Vaterspiel von Michael Glawogger. Misslunger kann ein Film eigentlich nicht sein. Für den solltet ihr die Karten nicht mal geschenkt nehmen und falls ihr sie schon gekauft habt: wegschmeißen.

Gruß

nach Berlin, wo meine geschätzten Mitblogger das dort stattfindende Filmfestival besuchen und kommentieren werden.
Da ich leider gar keine Ahnung von Filmen habe (hab erst zwei oder drei gesehen), werde ich versuchen, dem gerecht zu werden, wovon hier u.a. die Rede ist.
Also hab ich für die nächsten Tag ein paar gute Fotos mit Kino-Bezug vorbereitet, die ich wahllos hier einstreuen werde.