Liebeslied
Hui über drei Oktaven
Glissando unsre Lust.
Laß mich noch einmal schlafen
An deiner Brust.
Fern schleicht der Morgen sachte,
Kein Hahn, kein Köter kläfft.
Du brauchst doch erst um achte
Ins Geschäft.
Laß die Matratze knarren!
Nach hinten schläft der Wirt.
Wie deine Augen starren!
Dein Atem girrt!
Um deine Stirn der Morgen
Flicht einen bleichen Kranz.
Du ruhst in ihm geborgen
Als eine Heilige und Jungfrau ganz.
Klabund
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„Seine hervorquellenden Spionenenaugen berührten ständig die Innenseite seiner Sonnenbrille.“ Horace Bianchon, private Mitteilung, 2009
Ich hatte es ja letztes Mal mit der Überwachung, und den Menschen, die sich nicht zu schade sind, derartig unsinnige Umtriebe zu unterstützen. Dazu nun ein kleines Update:
Das neue BKA-Gesetz ist am ersten Tag im Jänner in Kraft getreten. Am 27.01.2009 wurde Verfassungsbeschwerde eingelegt, der Beschwerdeführerin sei hier in aller Deutlichkeit noch einmal gedankt. Falls sich aller Widrigkeiten zum Trotz noch irgendjemand für den legislativen Prozess interessiert,
der dieser neuesten Fassung des BKA-Gesetzes vorangegangen ist: Fefe war bei der öffentlichen Innenausschuß-Expertenbefragung.
Apropos Experten: Die Expertin neben mir ist unsere Justizministerin, die gerne mal ein schönes Terrorcamp-Gesetz machen würde, respektive die präventive Bestrafung installieren möchte. Und wenn wir uns schon mit Jurisdiktion und –prudenz beschäftigen, soll hier der Hinweis nicht unerwähnt bleiben, dass es durchaus auch nette Anwälte geben kann. Wenn auch nicht viele. Die meisten geben U-Bahn Geisterfahrer-Sätze wie diesen von sich:
Wenn die erste U-Bahn in Deutschland hochgehe, würde auch die Opposition als erstes auf die Koalitionslinie einschwenken, meinte Joachim Stünker von der SPD-Fraktion, und ermahnte gleichzeitig die Kritiker für ihre Wortwahl, mit der sie „die Schmerzgrenze überschritten“ hätten.
Mal sehen, wie weit sich die Bürgerrechts-Bewegung FDP in Hessen drängen lässt. Zu deren Wahlsieg wollte ich eigentlich auch noch etwas schreiben, genauer gesagt zum fragwürdigen Ausdruck „bürgerliche Mitte“. Das hat aber Michael Jäger im Freitag schon gemacht, und das war so ein Lesemisvergnügen, das ich von diesem Vorhaben in aller Öffentlichkeit zurücktreten möchte.
Achja Freitag, da war doch noch was. Da gibt es ja in wenigen Tagen den großen Relaunch (wir berichteten exklusiv), und der Spiegelfechter hat schon einmal ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert. Das ist natürlich alles ganz aufregend, daher nehmen wir passend zu derzeitigen Situation die adäquate Auszeit: Weiterlesen
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Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke
Der Mann:
Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße
und diese Reihe ist zerfallene Brust.
Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich.
Komm, hebe ruhig diese Decke auf.
Sieh, dieser Klumpen Fett und faule Säfte,
das war einst irgendeinem Mann groß
und hieß auch Rausch und Heimat.
Komm, sieh auf diese Narbe an der Brust.
Fühlst du den Rosenkranz von weichen Knoten?
Fühl ruhig hin. Das Fleisch ist weich und schmerzt nicht.
Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern.
Kein Mensch hat soviel Blut.
Hier dieser schnitt man
erst noch ein Kind aus dem verkrebsten Schoß.
Man läßt sie schlafen. Tag und Nacht. — Den Neuen
sagt man: hier schläft man sich gesund. — Nur sonntags
für den Besuch läßt man sie etwas wacher.
Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken
sind wund. Du siehst die Fliegen. Manchmal
wäscht sie die Schwester. Wie man Bänke wäscht.
Hier schwillt der Acker schon um jedes Bett.
Fleisch ebnet sich zu Land. Glut gibt sich fort,
Saft schickt sich an zu rinnen. Erde ruft.
Gottfried Benn
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Der Dichter und Theaterautor Peter Hacks hat zum Thema DDR bekanntlich eine ganze Menge Blödsinn zusammenfabuliert. (Er ist freiwillig hingegangen, weil da der Klassenkampf beendet war und er als kommunistischer Dichter und Dramatiker endlich in Ruhe Kunst machen konnte…) Nichtsdestotrotz war er einer der brillantesten, sprachgewandtesten, lustigsten nicht zuletzt, Polemiker in deutscher Sprache. Ein sehr langer und — ich verbürge mich dafür — höchst lesenswerter Text von Hermann L. Gremliza (konkret) zu ihm hier. Ein etwas weniger toller, aber auch nicht ganz schlechter, stammt von Ex-Fazist D. Dath und ist hier zu finden.
Und dann noch drei Zitate vom Meister selbst:
Der heilige Benediktus, der, wie man mir sagt, im Jahre 480 geboren wurde, befasste sich vornehmlich mit der Lösung des Problems, wie einer auf Erden möglichst glücklich leben und doch eben noch in den Himmel kommen könne. Ich, der ich, wie man mir sagt, im Jahre 1928 geboren bin, befasse mich (das zu Ändernde geändert) ganz mit demselben Problem. (‚Autobiographie‘)
Das manipulierende Vermögen der Illusion, die dröhnende Feier ununtersuchter Größe, das Zusammenschmelzen denkängstlicher Vereinzelter durch die magische Gefühlskollektivierung im Untergemütlichen: das sind die sehr genauen Zwecke, welche der Imperialismus der Kunst abfordert. (aus ‚Versuch über das Libretto‘)

Und zu guter Letzt ein überliefertes Bonmot von Peter Hacks, das — soweit ich sehe — hier Netzpremiere feiert, und das ich Daniel ganz herzlich vorträglich zum Geburtstag schenke:
Trau keinem Kommunisten unter Dreißig!
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