Feb 16 2009

sexualität IV


Feb 14 2009

female popsong of the week

Françoiz Breut: „Si tu disais„


Feb 14 2009

Lyrik VII

Frage und Antwort

I (japa­nisch)

Kame­rad siehst du die Wolke überm Fest­land
Kommt Wind Kommt Schnee
Kame­rad wo wer­den unsere Lei­ber liegen

Wo wir fal­len wer­den unsere Lei­ber liegen

2 (chi­ne­sisch)

Den Becher Wein vor dir und
Das Para­dies Alter was willst du mehr
Ich wollte mein Becher füllte sich von sel­ber
Ich hätte gern daß Freunde mich besuch­ten
Statt des Beam­ten der die Steuer ein­treibt
Auch sähe ich gern meine Kin­der wohl­ha­bend
Dann wollte ich gern noch hun­dert Jahre leben
Und ver­zich­ten auf das Paradies

(Hei­ner Müller)


Feb 13 2009

Berlinale: Zuckerwasser

Garapa nennt man im Nor­den Bra­si­li­ens den aus Zucker­rohr gewon­ne­nen Zucker­rohr­saft. Ein süß­li­ches Getränk, das mit Eis als Erfri­schungs­ge­tränk genos­sen wer­den kann. Alter­na­tiv bzw. in Erman­ge­lung bezahl­ba­rer Alter­na­ti­ven wird ein­fach Zucker (oder rapa­dura) mit Was­ser ver­mischt und als bil­li­ger Ener­gie­lie­fe­rant genutzt und vor allem Kin­dern zu trin­ken gegeben.

In José Padilhas Film Garapa geht es um die zweite Vari­ante und um nichts weni­ger als den Hun­ger der Welt. Vor­ne­weg: Padilhas Doku­men­ta­tion ist nur schwer zu ver­dauen ertra­gen. Schon das ver­rau­schende, grob­kör­nige schwarz-weiße 16mm-Bildmaterial nimmt dem Zuschauer jede Mög­lich­keit eine erträg­li­che Dis­tanz zu wah­ren und sich even­tu­ell dem Film nur rein ästhe­tisch zu nähern. Im Zen­trum ste­hen die betrof­fe­nen Fami­lien, die er über drei­ßig Tage mit einem klei­nen Team bei ihrem täg­li­chen Über­le­ben beglei­tet hat. Padilha lässt die Fami­lien reden. Die Kamera ist dabei, wenn die Fami­lie Was­ser aus einem ver­dreck­ten Tüm­pel schöpft. Sie ist dabei in den Hüt­ten, in dem Dreck, durch den die Kin­der krab­beln. Die Kin­der sind krank, lethar­gisch, haben Was­ser­bäu­che, offene Ekzeme auf der Haut, in denen sich die weni­gen Essens­reste sam­meln und Flie­gen ihre Eier legen. › Wei­ter­le­sen


Feb 12 2009

Berlinale: Istanbul realistisch

Der tür­ki­sche Regis­seur Reha Erdem hat mit Hayat var (My only Suns­hine) eine fil­mi­sche Kost­bar­keit geschaf­fen. Auf kei­nen Fall sollte man sich den Trai­ler anschauen, der sehr viel mehr Action ver­spricht, als der zwei­stün­dige Film zei­gen möchte und gerade des­we­gen so sehens­wert ist.


Feb 12 2009

Axolotl

Heute ist ja Dar­wins Geburts­tag und alle Welt über­schlägt sich. Ich denke mir, dass es ein paar Knie­beu­gen ja auch tun wür­den, und will daher ein­mal etwas zur Evo­lu­tion im All­ge­mei­nen, und über das Axo­lotl im Spe­zi­el­len schreiben.

Fluch und Segen der E. ist wohl die Ver­kür­zung der Theo­rie auf die These des „Sur­vi­val of the fit­test“. Ein­mal ganz abge­se­hen davon, dass mit die­sem Satz die ein oder andere Bos­haf­tig­keit auf die­sem Pla­ne­ten legi­ti­miert wer­den sollte, erschließt sich der Satz eigent­lich auch nur, wenn man die E. kennt. Und das traf und trifft wohl auf die meis­ten Men­schen nicht zu. In der heu­ti­gen Zeit mag das zu einem Teil daran lie­gen, dass die Worte fit und fit­ness in einem gänz­lich ande­ren Kon­text wahr­ge­nom­men wer­den, des­sen Beschrei­bung dem Autor hier nicht wei­ter zuge­mu­tet wer­den soll.

Und so steht bei der Evo­lu­ti­ons­theo­rie eigent­lich nicht so sehr die Art im Vor­der­grund, son­dern ihr Ökosys­tem. Denn der Ter­mi­nus fit­ness kann grund­sätz­lich nur eine rela­tive Angabe sein, sowohl in sei­ner aktu­el­len, als auch in sei­ner eigent­li­chen Bedeu­tung (to fit=in etwas hin­ein­pas­sen). Ein Zehn­kämp­fer auf dem Mars stirbt, obwohl er auf der Erde wahr­schein­lich eines der fit­tes­ten Indi­vi­duen ist. Er würde in der Ant­ark­tis nicht über­le­ben, auch nicht in Wüste, Hoch­ge­birge und Meer.

D.h. dass man eine Art immer von ihrer Nische her betrach­ten muss, um ihren evo­lu­tio­nä­ren Vor­teil erken­nen zu kön­nen, und eine Nische kann alles sein: Die Besen­kam­mer, der Ama­zo­nas, Takla­ma­kan, oder eine spe­zi­elle Höhle. › Wei­ter­le­sen


Feb 12 2009

Berlinale: dokumentarische

Zwei sehr sehens­werte Dokus lau­fen im Forum: Die wun­der­same Welt der Wasch­kraft von Hans Chris­tian Schmid und Mate­rial von Tho­mas Heise. Schmids Film zeigt im Stil des Direct Cinema (stel­len­weise erin­nern die Bil­der auch an Jonas Mekas‘ intime Expe­ri­men­tal­filme) den Mikro­kos­mos rund um den Wäsche­rei­groß­be­trieb ‚Flie­gel‘. Der wurde in den 90ern in Polen gegrün­det, weil es da dop­pelt freie Lohn­ar­bei­te­rIn­nen gab und gibt, die zu unter­ir­di­schen Prei­sen ihre Arbeits­kraft ver­kau­fen müs­sen. Und es sich des­halb lohnt, Tisch­tü­cher und Bett­be­züge aus diver­sen Ber­li­ner Luxus­ho­tels tag­täg­lich bis hin­ter die pol­ni­sche Grenze und zurück zu karren. Das Film mora­li­siert nicht, son­dern ver­an­schau­licht nur an die­sem ein­fa­chen Bei­spiel, dass der Kapi­ta­lis­mus in sei­nem ganz nor­ma­len Ablauf skan­da­lös genug ist — auch wenn gerade mal nicht Krise ist.

Waschkraft

12.2. 19:00 Cine­Star 8
13.2. 20:15 Del­phi Film­pa­last
15.2. 20:00 Cubix

Tho­mas Heise zeigt (u.a.) Mate­rial, das er vor zwan­zig Jah­ren gedreht hat und das die Wende in der DDR doku­men­tiert. ‚Wende‘, das Wort wurde damals von den Demons­trie­ren­den und den neuen Par­tei­funk­tio­nä­ren glei­cher­ma­ßen benutzt, aber bezeich­nete noch nicht, was heute all­ge­mein dar­un­ter ver­stan­den wird. Inter­es­sant ist, wie die Dis­kus­sio­nen zwi­schen ein­fa­chen SED-Genossen ver­lau­fen, denen daran gele­gen ist, den Staats­so­zia­lis­mus gerech­ter, trans­pa­ren­ter, demo­kra­ti­scher und wirt­schaft­li­cher effi­zi­en­ter zu gestal­ten. Sie kön­nen zum ers­ten Mal laut­stark ihrem Unmut über die Ver­hält­nisse Luft machen. Die Reden, die sie auf den Kund­ge­bun­gen spon­tan hal­ten, sind heute noch oder wie­der bewe­gend, weil sie Men­schen zei­gen, die wil­lens gewe­sen wären unter per­sön­li­chem Ein­satz mit­zu­wir­ken am Auf­bau eines freie­ren und bes­se­ren Sozia­lis­mus (der, das ist klar, sicher auch nicht das Para­dies auf Erden gewor­den wäre…). Mit dem Abstand von zwan­zig Jah­ren fragt man sich, von wem damals an wel­chen Rädern gedreht wurde, um eine Dyna­mik zu ent­fa­chen, die nur ein Jahr spä­ter die Wie­der­ver­ei­ni­gung alter­na­tiv­los machte.

12.2. 19:30 Cubix
14.2. 15:15 Arse­nal 1


Feb 11 2009

Ring of Fire

cigarette burns (John Carpenter, 2005)
Man­che Dinge tre­ten erst dann groß in Erschei­nung, wenn sie abtre­ten müs­sen. Wie zum Bei­spiel jene klei­nen, dunk­len Kreise im rech­ten obe­ren Eck des Film­bil­des, die sich Über­blend­zei­chen (ciga­rette burns) nennen, am Ende jedes Film­ak­tes zwei­mal, etwas län­ger als ein Augen­zwin­kern erschei­nen und im klas­si­schen Vor­führ­be­trieb einen naht­lo­sen Staf­fel­lauf der Bil­der von Pro­jek­tor zu Pro­jek­tor gewährleiste(te)n.
Die fort­schrei­tende Digi­ta­li­sie­rung des Kinos wird fil­mi­sche Para­texte die­ser Art irgend­wann hin­fäl­lig gemacht haben. Umso bemer­kens­wer­ter, dass gerade das Kino um die Jahr­tau­send­wende diese Schwel­len­zei­chen pro­mi­nent ins Bild setzt und das, was reine Funk­tion und Hand­lungs­an­wei­sung für den Film-Operateur war, plötz­lich ästhe­tisch und die­ge­tisch wer­den lässt. In David Lynchs Inland Empire (USA 2006) fun­gie­ren Brand­lö­cher in Sei­den­un­ter­wä­sche als Pfor­ten in andere Bewusst­seins­re­gio­nen und auch in Ciga­rette Burns (USA 2005), John Car­pen­ters bril­lan­tem Bei­trag für die Fernseh-Reihe „Mas­ters of Horror“, verwandeln sich Über­blend­zei­chen in dia­bo­li­sche Signi­fi­kan­ten und Umschalt­stel­len zwi­schen dem Rea­len und dem Ima­gi­nä­ren. Fast so, als halte ein mar­gi­na­les, infa­mes Zei­chen der „Reel World“ noch ein­mal an sei­nem Recht fest, sich nach­hal­tig ins Bild und ins Bewusst­sein des Publi­kums zu brennen.


Feb 11 2009

Fokalisierung (Crashkurs Filmtheorie I)

Ist der Plot mal wie­der nicht so prall, hat man Vor­teile, wenn man auf ein gewis­ses film­theo­re­ti­sches Basis­wis­sen zurück­grei­fen kann. Dann kann man ein­fach raus­ge­hen, an andere Sachen den­ken auf andere Sachen ach­ten, z.B. die Erzähl­per­spek­tive. Prak­ti­ziert anhand zweier typi­scher Forums-Filme: Kan door huid heen (Can Go Through Skin, NL 2009) von Esther Rots so möchte ich ja lie­ber nicht hei­ßen und Man tän­ker sitt (Bur­ro­wing, Hen­rik Hellström/Fredrik Wen­zel, S 2009). Beide nur mit­tel­mä­ßig inter­es­sant, aber span­nen­der, wenn man sich fragt, wie (aus wes­sen Sicht) die Geschichte hier erzählt wird. Wer aller­dings bei Theo­rie immer sofort anfängt, müde zu wer­den und an was ande­res zu den­ken Sex kann sich jetzt auf den dafür zustän­di­gen Sei­ten umgu­cken (bei uns z.B. hier, hier, hier). Für alle andern: los gehts.

Foka­li­sie­rung. Ein sper­ri­ger Begriff für einen bekann­ten Sach­ver­halt: Geschich­ten wer­den immer aus einem bestimm­ten Blick­win­kel, einer mehr oder weni­ger varia­blen Per­spek­tive mit mehr oder weni­ger Über­blick prä­sen­tiert. (Ach­tung: es geht hier nicht um den opti­schen Blick­win­kel, son­dern meta­pho­risch gespro­chen um die ‚Sicht‘ auf die Dinge, die Erleb­nis­per­pek­tive; die Foka­li­sie­rung fun­giert als eine Art ‚Fil­ter‘ der nar­ra­ti­ven Infor­ma­tion.) Gér­ard Genette, der Begrün­der der struk­tu­ra­lis­ti­schen Nar­ra­to­lo­gie (Erzähl­theo­rie), von dem der Begriff stammt, unter­schei­det drei Arten der Foka­li­sie­rung: › Wei­ter­le­sen


Feb 11 2009

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