Offenbar ähneln Menschen Hunden

28. Januar 2010 | 10 Kommentare

Offenbar ist der Technoguru und Internetskeptiker (FAZ) Jaron Lanier auch Denkskeptiker. Anders lässt sich sein selbstgerechtes Geraune wohl kaum erklären. Wie er zu dem Mensch-Hund-Vergleich gelangt? Solche Fragen stellt man nur wider besseres Wissen oder in Unkenntnis der zahlreichen Interviews, die der Internetpionier (SZ) in der verzweifelten Hoffnung, jemand möge doch sein kaum relevant zu nennendes Buch erwerben, der bürgerlichen Presse gibt. So schlägt er mit den ewig gleichen, ewig langweilenden Thesen am 17. Jänner zuerst bei der FAZ auf, am 24. bei der Süddeutschen und am 25. schließlich bei SpOn. Und immer geht es darum, dass das Internet ein Ding ist, in dem marodierende Mobs durch die Gegend ziehen („Deshalb habe ich ernsthaft Sorge, dass es eines Tages zu einem gefährlichen Mob-artigen Ausbruch im Internet kommen wird.“ Oh no! What should we do about it? The mob is in the interweb!!1! We’re totally helpless! May god have mercy with us all!), die dunklen „Lords der digitalen Wolke“ alles beherrschen wollen und der in den USA als Schreckgespenst mit Sicherheit noch funktionierende Kommunismus in Form eines digitalen Maoismus grassiert. » Weiterlesen… «


Oettinger Export

26. Januar 2010 | 1 Kommentar

http://www.youtube.com/watch?v=OXPPu418C78

Lecker! via Niggemeier


Nachgereicht

13. Januar 2010 | Kommentieren

Hier der Verweis auf einen Artikel von Petra Steinberger, der vergangenes Wochenende den Wochenendteil der SZ schmücken durfte: ein Aufruf zum Verzicht auf Fleisch– und Fischkonsum mit allen im Grunde hinlänglich bekannten und völlig richtigen Argumenten. Geschrieben ist er nicht mal besonders gut (Stakkato-Bildzeitungsstil), aber inhaltlich (und auch rhetorisch dann doch irgendwie) überzeugend. So überzeugend jedenfalls, dass ich (bis dato Fleisch: nein, Fisch: ja), jetzt auch keinen Fisch mehr kaufen oder im Restaurant bestellen werde (Übergangsphase). Und Milch, Butter, Eier nur im Bioladen. (Ja, bio ist spießig, schon klar, aber es geht hier ja nicht um cool und uncool und wie man sich fühlt.) Weiterlesen hier und hier.


Unknown Pleasures

11. Januar 2010 | Kommentieren

…ist nicht nur der Titel eines ziemlich tollen Films von Jia Zhang-ke, sondern auch ein sehr gut kuratiertes Festival zum US-amerikanischen Independentfilm, das momentan im Babylon Mitte (Berlin) stattfindet.

Folgende Filme habe ich bereits gesehen und kann sie uneingeschränkt empfehlen:

Two Lovers USA 2008, R: James Gray; mit Joaquin Pheonix, Gwyneth Paltrow, Vanessa Shaw, 35mm, 108 Min, OmU

Di, 12.1. 21.00; Sa, 16.1. 22.00

The Exploding Girl USA 2009, R: Bradley Rust Gray; mit Zoe Kazan, Mark Rendall, Digibeta, 79 Min, OV

Fr, 15.1. 20.00; Sa, 16.1. 20.00

Go Get Some Rosemary USA 2009, R: Josh und Benny Safdie; mit Ronald Bronstein, Sage Renaldo, Frey Renaldo, Abel Ferrara; 35mm, 100 Min, OV

Fr, 15.1. 22.00


Eric Rohmer gestorben

11. Januar 2010 | Kommentieren

Ich mochte seine Filme; nicht alle, aber viele sehr. Heute ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.


Renés Musik des Jahres

30. Dezember 2009 | 1 Kommentar

Also der René meint, man soll das hier nicht verpasst haben dürfen:

Platten

(Electronica) Luciano — Tribute to the Sun

(Techno) Ben Klock — One

(Hip-Hop) Comfort Fit — Poly Shuffle

(Grime) Dizzie Rascal — Tongue n‘ Cheek

(Dubstep) Scuba — Scuba

(Pop) La Roux — La Roux

(Neo-Folk) Grizzly Bear — Veckatimest

Songs/Tracks

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25 Filme des Jahres 2009

29. Dezember 2009 | 1 Kommentar

Ich hatte immer Probleme mit diesen Listen des Jahres. Zu unklar bleibt mir da immer: Meint sie, die Listologin, wenn sie „Filme des Jahres“ sagt, die, die sie am besten fand? Oder die, die sie am liebsten gesehen hat, bei denen sie sich am besten amüsiert hat? (Das ist ja nicht immer das gleiche.) Und: Aus welcher Auswahl? (Sie wird wohl kaum alle gesehen haben.) Welche Filme wurden absichtlich weggelassen? Und welche nur, weil sie gar nicht gesehen wurden? Und: Ist das nicht immer auch ein eher peinliches Distinktionsspiel, das mit diesen Listen gespielt wird? Sind meine Filme rarer, ist mein Geschmack erlesener als deiner?

Dennoch: derartige Listen können auch hilfreich sein. So wenn man bei Leuten, deren Filmgeschmack man kennt und schätzt, auf Titel stößt, die man noch nicht kannte und deren Sichtung man dann nachholen kann. Oder wenn ein Film, den man verpasst hat, auf verschiedenen Listen auftaucht und so das Bedürfnis, ihn doch unbedingt noch sehen zu müssen, verstärkt.

Hier mein Top-25, » Weiterlesen… «


Die schönste Weihnachtsgeschichte

25. Dezember 2009 | 2 Kommentare

Nachdem sich gestern das letzte Türchen im lyrischen Adventskalender geöffnet hat, haben wir hier noch eine kleine prosaische Dreingabe. Es handelt sich um nichts weniger als die schönste Weihnachtsgeschichte aller Zeiten. Sie eignet sich trotz ihres Titels auch für Atheistinnen, Agnostiker und andere Weihnachtsmuffel. Ihre Lektüre sei allen sehr empfohlen, man kann sie auch laut vorlesen und anderen eine Freude machen. Enjoy!

Das Paket des lieben Gottes
(Bertolt Brecht)

Nehmt eure Stühle und eure Teegläser mit hier hinter an den Ofen und vergeßt den Rum nicht. Es ist gut, es warm zu haben, wenn man von der Kälte erzählt.

Manche Leute, vor allem eine gewisse Sorte Männer, die etwas gegen Sentimentalität hat, haben eine starke Aversion gegen Weihnachten. Aber zumindest ein Weihnachten in meinem Leben ist bei mir wirklich in bester Erinnerung. Das war der Weihnachtsabend 1908 in Chicago. Ich war Anfang November nach Chicago gekommen, und man sagte mir sofort, als ich mich nach der allgemeinen Lage erkundigte, es würde der härteste Winter werden, den diese ohnehin genügend unangenehme Stadt zustande bringen könnte. Als ich fragte, wie es mit den Chancen für einen Kesselschmied stünde, sagte man mir, Kesselschmiede hätten keine Chancen, und als ich eine halbwegs mögliche Schlafstelle suchte, war alles zu teuer für mich. Und das erfuhren in diesem Winter 1908 viele in Chicago, aus allen Berufen.

Und der Wind wehte scheußlich vom Michigansee herüber durch den ganzen Dezember, und gegen Ende des Monats schlossen auch noch eine Reihe großer Fleischpackereien ihren Betrieb und warfen eine ganze Flut von Arbeitslosen auf die kalten Straßen. » Weiterlesen… «


Lyrischer Adventskalender 24 — Wenzel

24. Dezember 2009 | 2 Kommentare

IM SCHLAF BEISST DU den tag fest
auf die zähne und mahlst die nächte
zu je einzelnen sekunden die im ticken
des weckers im knacken des kiefers

verwittern während du noch kaust ohne
zu schlucken und noch nächtens nagst an
allerlei gestrigem: an die knochen gehende
geschichten von vater von mutter vom rande

knacken die kiefern und nehmen den schlaf
auseinander das holz von dem es heißt
es arbeite nachts während du dich drehst
gibt das bett etwas nach im knirschen

reibst du den schmelz von den träumen
und du erwachst im mund noch
einen beigeschmack von holz: von kiefer

(Christoph Wenzel, 2009)


Lyrischer Adventskalender 23 — Kehle

23. Dezember 2009 | Kommentieren

Nichts weiß ich vom

Großvater Scharfschütze
sei er im Krieg gewesen

Einmal zeigte er auf
einen Haubentaucher im Zoo
und sagte Peng

Hinterlassen hat er
ein Spanholzschächtelchen

darin einen Fadenzähler und
ein winziges Stück Gold

eingewickelt in ein
Strafmandat (Leipzig 1947)

(Matthias Kehle, 2008)