Feb 2 2009

sexualität III


Feb 2 2009

Spionenaugen

„Seine her­vor­quel­len­den Spio­ne­n­en­au­gen berühr­ten stän­dig die Innen­seite sei­ner Son­nen­brille.“ Hor­ace Bian­chon, pri­vate Mit­tei­lung, 2009

Ich hatte es ja letz­tes Mal mit der Über­wa­chung, und den Men­schen, die sich nicht zu schade sind, der­ar­tig unsin­nige Umtriebe zu unter­stüt­zen. Dazu nun ein klei­nes Update:
Das neue BKA-Gesetz ist am ers­ten Tag im Jän­ner in Kraft getre­ten. Am 27.01.2009 wurde Ver­fas­sungs­be­schwerde ein­ge­legt, der Beschwer­de­füh­re­rin sei hier in aller Deut­lich­keit noch ein­mal gedankt. Falls sich aller Wid­rig­kei­ten zum Trotz noch irgend­je­mand für den legis­la­ti­ven Pro­zess inter­es­siert, der die­ser neu­es­ten Fas­sung des BKA-Gesetzes vor­an­ge­gan­gen ist: Fefe war bei der öffent­li­chen Innenausschuß-Expertenbefragung.

Apro­pos Exper­ten: Die Exper­tin neben mir ist unsere Jus­tiz­mi­nis­te­rin, die gerne mal ein schö­nes Terrorcamp-Gesetz machen würde, respek­tive die prä­ven­tive Bestra­fung instal­lie­ren möchte. Und wenn wir uns schon mit Juris­dik­tion und –pru­denz beschäf­ti­gen, soll hier der Hin­weis nicht uner­wähnt blei­ben, dass es durch­aus auch nette Anwälte geben kann. Wenn auch nicht viele. Die meis­ten geben U-Bahn Geisterfahrer-Sätze wie die­sen von sich:

Wenn die erste U-Bahn in Deutsch­land hoch­gehe, würde auch die Oppo­si­tion als ers­tes auf die Koali­ti­ons­li­nie ein­schwen­ken, meinte Joa­chim Stün­ker von der SPD-Fraktion, und ermahnte gleich­zei­tig die Kri­ti­ker für ihre Wort­wahl, mit der sie „die Schmerz­grenze über­schrit­ten“ hätten.

Mal sehen, wie weit sich die Bürgerrechts-Bewegung FDP in Hes­sen drän­gen lässt. Zu deren Wahl­sieg wollte ich eigent­lich auch noch etwas schrei­ben, genauer gesagt zum frag­wür­di­gen Aus­druck „bür­ger­li­che Mitte“. Das hat aber Michael Jäger im Frei­tag schon gemacht, und das war so ein Lese­mis­ver­gnü­gen, das ich von die­sem Vor­ha­ben in aller Öffent­lich­keit zurück­tre­ten möchte.
Achja Frei­tag, da war doch noch was. Da gibt es ja in weni­gen Tagen den gro­ßen Relaunch (wir berich­te­ten exklu­siv), und der Spie­gel­fech­ter hat schon ein­mal ein wenig aus dem Näh­käst­chen geplau­dert. Das ist natür­lich alles ganz auf­re­gend, daher neh­men wir pas­send zu der­zei­ti­gen Situa­tion die adäquate Aus­zeit: › Wei­ter­le­sen


Feb 1 2009

Lyrik IV

Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke

Der Mann:
Hier diese Reihe sind zer­fal­lene Schöße
und diese Reihe ist zer­fal­lene Brust.
Bett stinkt bei Bett. Die Schwes­tern wech­seln stündlich.

Komm, hebe ruhig diese Decke auf.
Sieh, die­ser Klum­pen Fett und faule Säfte,
das war einst irgend­ei­nem Mann groß
und hieß auch Rausch und Heimat.

Komm, sieh auf diese Narbe an der Brust.
Fühlst du den Rosen­kranz von wei­chen Kno­ten?
Fühl ruhig hin. Das Fleisch ist weich und schmerzt nicht.

Hier diese blu­tet wie aus drei­ßig Lei­bern.
Kein Mensch hat soviel Blut.
Hier die­ser schnitt man
erst noch ein Kind aus dem ver­krebs­ten Schoß.

Man läßt sie schla­fen. Tag und Nacht. — Den Neuen
sagt man: hier schläft man sich gesund. — Nur sonn­tags
für den Besuch läßt man sie etwas wacher.

Nah­rung wird wenig noch ver­zehrt. Die Rücken
sind wund. Du siehst die Flie­gen. Manch­mal
wäscht sie die Schwes­ter. Wie man Bänke wäscht.

Hier schwillt der Acker schon um jedes Bett.
Fleisch ebnet sich zu Land. Glut gibt sich fort,
Saft schickt sich an zu rin­nen. Erde ruft.

Gott­fried Benn


Jan 28 2009

dreimal Hacks, bitte

hacks_peter_1823632propertyzoomDer Dich­ter und Thea­ter­au­tor Peter Hacks hat zum Thema DDR bekannt­lich eine ganze Menge Blöd­sinn zusam­men­fa­bu­liert.  (Er ist frei­wil­lig hin­ge­gan­gen, weil da der Klas­sen­kampf been­det war und er als kom­mu­nis­ti­scher Dich­ter und Dra­ma­ti­ker end­lich in Ruhe Kunst machen konnte…) Nichts­des­to­trotz war er einer der bril­lan­tes­ten, sprach­ge­wand­tes­ten, lus­tigs­ten nicht zuletzt, Pole­mi­ker in deut­scher Spra­che. Ein sehr lan­ger und — ich ver­bürge mich dafür — höchst lesens­wer­ter Text von Her­mann L. Grem­liza (kon­kret) zu ihm hier. Ein etwas weni­ger tol­ler, aber auch nicht ganz schlech­ter, stammt von Ex-Fazist D. Dath und ist hier zu finden.

Und dann noch drei Zitate vom Meis­ter selbst:

Der hei­lige Bene­dik­tus, der, wie man mir sagt, im Jahre 480 gebo­ren wurde, befasste sich vor­nehm­lich mit der Lösung des Pro­blems, wie einer auf Erden mög­lichst glück­lich leben und doch eben noch in den Him­mel kom­men könne. Ich, der ich, wie man mir sagt, im Jahre 1928 gebo­ren bin, befasse mich (das zu Ändernde geän­dert) ganz mit dem­sel­ben Problem. (‚Autobiographie‘)

Das mani­pu­lie­rende Ver­mö­gen der Illu­sion, die dröh­nende Feier unun­ter­such­ter Größe, das Zusam­men­schmel­zen den­kängst­li­cher Ver­ein­zel­ter durch die magi­sche Gefühls­kol­lek­ti­vie­rung im Unter­ge­müt­li­chen: das sind die sehr genauen Zwe­cke, wel­che der Impe­ria­lis­mus der Kunst abfordert. (aus ‚Ver­such über das Libretto‘)

hacks

Und zu guter Letzt ein über­lie­fer­tes Bon­mot von Peter Hacks, das — soweit ich sehe — hier Netz­pre­miere fei­ert, und das ich Daniel ganz herz­lich vor­träg­lich zum Geburts­tag schenke:

Trau kei­nem Kom­mu­nis­ten unter Dreißig!


Jan 27 2009

Zitat des Monats

tra­di­tion ist nicht anbe­tung der asche, son­dern wei­ter­gabe des feuers.

Gus­tav Mahler


Jan 26 2009

Schuldig!

Toll. Der Guar­dian weiß jetzt, wer schuld ist an der welt­wei­ten Finanz­mi­sere. Nein, nicht etwas das kapi­ta­lis­ti­sche Sys­tem, der unkon­trol­lierte Markt oder das jah­re­lange blinde Ver­trauen in eben die­sen. Nein, nein. Genau 25 böse Men­schen sind es. Sie allein haben die (Finanz-)Welt zugrunde gerich­tet. Sie sind schuld. Da liegt die gerechte Strafe doch auf der Hand: Zwei Jah­ren auf Bewäh­rung! Das muss rei­chen. So ist allen gehol­fen und wir kön­nen wei­ter­ma­chen wie bisher.

Noch bes­ser: Wie es sich für Angel­säch­si­schen Qua­li­täts­jour­na­lis­mus 2.0 gehört, darf der User Leser sich an der Debatte betei­li­gen und dar­über abstim­men, wer denn der Aller­schlimmste die­ser Teu­fel ist. Zur Zeit führt Alan Green­span, dicht gefolgt von Gor­don Brown und Ex-Präsi Junior. Groß­ar­tig. Das Web gekonnt genutzt. Und wenn Jakob Augs­tein ernst macht, dür­fen wir im neuen Frei­tag dem­nächst die Aus­wer­tung lesen.


Jan 23 2009

sexualität II

Liebe Marie, Seelenbraut

Liebe Marie, See­len­braut:
Du bist viel zu eng gebaut.
Eine sol­che Jung­fern­schaft
Braucht mir zu viel Manneskraft.

Ich ver­gieße mei­nen Samen
Immer­dar schon vor der Zeit:
Wohl nach einer Ewig­keit
Aber lange vor dem Amen.

Liebe Marie, See­len­braut:
Deine dicke Jung­fern­haut
Bringt mich noch zur Rase­rei.
Warum bist du auch so trei?

Warum soll ich, sozu­sa­gen:
Nur weil du lang sit­zen­bliebst
Grade ich, den du doch liebst
Mich statt einem andern plagen?!

Ber­tolt Brecht


Jan 23 2009

sexualität I


Jan 23 2009

Stauffenbergfilm

Der sympathische Pressesprecher von nevergoinghome bei einer Infoveranstaltung

Der sym­pa­thi­sche Pres­se­spre­cher von never­go­ing­home bei einer Info-Veranstaltung

Ges­tern ist der ja nun wirk­lich ange­lau­fen. Angeb­lich soll er fil­misch sogar recht gelun­gen sein. Aber ich weiß nicht: ein Thril­ler bei dem man schon vor­her weiß, was pas­siert und wie er aus­geht? Gähn.

Den gan­zen feuille­to­nis­ti­schen Debat­ten­murks mit dem Tenor „posi­ti­ver Held trotz Demo­kra­tie­de­fi­zit blah­blah“ und das unsäg­li­che „Anse­hen Deutsch­lands in der Welt“-Geschwafel kann man sich natür­lich eh schen­ken und alles Wesent­li­che nach­le­sen in einer Bro­schüre der sym­pa­thi­schen Gruppe never­go­ing­home. (Die SZ hat heute ein Kurz­ver­sion in schlecht in ihrem Maga­zin gebracht, naja wird ver­mut­lich mehr Lese­rIn­nen fin­den…)
 

 

Ah ja: bes­ser als den Film gucken ist immer noch das hier.


Jan 21 2009

Directing