Heute ging es los in Rio de Janeiro mit dem World Urban Forum in seiner fünften Ausgabe. Das (soweit ich weiß) jüngste und kleinste aller UN-Agenturen, die UN-Habitat, ist Ausrichter der ganzen Geschichte. Und weil — wie man so hört — die UN mal wieder total pleite sind und Habitat sowieso, nutze ich doch die Chance, dem wahrscheinlich letzten WUF beizuwohnen.
Die Diskussion zwischen Urban Citizen und old school citizen verspricht amüsant zu werden, und der Bürgermeister von (und jetzt nicht verwechseln) Ahmedabad hat schon im Vorfeld ein Schlagwort in den Ring geworfen, das die fünf Tage dominieren soll: rurban. Urban + rural ist gemeint und soll das Konzept beschreiben, wenn ländliche Ideen in die Städte integriert werden, wenn also Leute vom Land sich wie Bauern in der Stadt benehmen. › Weiterlesen
Gestern abend habe ich nun endlich auch Der Räuber (Benjamin Heisenberg, D 2010) gesehen, der im Berlinale-Wettbewerb lief und den ich dort verpasst hatte.
Er ist ganz großartig. Nicht makellos — er hat Schwächen, wo die meisten Berliner-Schule-Filme Schwächen haben: bei den Dialogen — aber doch großartig. Die Kameraarbeit von Reinhold Vorschneider scheint mir hier noch brillanter als bei Angela Schanelecs Orlyund Thomas Arslans Im Schatten (die beide auch sehr schön sind), weil er hier weniger formstreng zu Werke gehen durfte. Sie funktioniert besonders in Zusammenhang mit der Mise en scène, z.B. der Figurenanordnung und –choreografie. Oft kommt es zu Rückenansichten, zu Verdeckungen, also Einschränkungen der Sichtbarkeit. Gleichzeitig bleiben die Einstellungen aber funktional integriert. Das ist keine artistische Angeberei, keine ornamentale Verschnörkelung, sondern macht narrativ Sinn. Was den Film überhaupt auszeichnet: Er funktioniert wunderbar einfach als packende Geschichte. › Weiterlesen
I was listening to a recent All Things Considered episode on NPR the other night about basically how shitty this year’s Oscar nominees are (agreed, especially considering it’s 5 more than the usual) compared to 1962’s Oscars, a year that SHOULD have had 10 nominees. And no I haven’t, nor do I EVER plan on seeing The Blind Side, but I can’t help but think that despite how amazing Sandra Bullock’s performance might have been (totally doubtful), the bottom line is, she’s nominated and these films WERE NOT. Dig: › Weiterlesen
Der erste ‚teaser‘ zur neuen Serie der Macher von The Wire, die in New Orleans spielt und u.a. natürlich Katrina, Armut, Jazz verhandelt. Geht im April bei HBO auf Sendung.
Einer der besten Filme dieser Berlinale läuft überraschenderweise in der Panorama-Sektion. Die Rede ist von Por tu culpa (It’s your fault, ARG/F 2010) von der argentinischen Regisseurin Anahí Berneri.
Gleich zu Beginn des Films musste ich an Lars von Triers Credo denken, ein Film müsse sein wie ein Stein im Schuh. Die erste Sequenz spielt in der Wohnung einer alleinerziehenden Mutter, die von ihren hyperaktiven Söhnen völlig überfordert ist. Normalerweise, so erfahren wir, gibt es ein Kindermädchen, das sich um die beiden kümmert, und einen Vater, von dem sie aber getrennt lebt und der gerade auf Geschäftsreise ist. Unerträglich lang wirkt diese Sequenz; der Stress, den die Mutter erlebt, ihre Hilflosigkeit überträgt sich auf die Zuschauerinnen. Nichts wünscht man sich sehnlicher als einen erlösenden Schnitt zu einem anderen Ort, einer anderen Situation, einer anderen Figurenkonstellation. Aber den gönnt einem die Regisseurin nicht. › Weiterlesen
Eigentlich ist es in jedem Jahr das gleiche. Erst stürze ich mich wie ein Doofer in jede angebotene Pressevorführung, stelle dann fest, dass da viel Mist läuft, bekomme schlechte Laune und einen gehörigen Hass auf die Veranstalter der Berlinale: Wie kann man dem Publikum so einen Schrott vorsetzen? Nach einem Tag Retrospektiven-Katharsis wird meine Wahl dann selektiver, und siehe da: Auch unter den neuen Filmen, selbst jenen, die im Wettbewerb laufen, finden sich ein paar Perlen.
Die bisherige Entdeckung ist für mich Eu cand vreau sa fluier, fluier (If I Want to Whistle, I Whistle, ROM 2010) von Florin Serban. An anderer Stelle hat Lukas Förster auf die ästhetische Verankerung in der neuen rumänischen Filmbewegung hingewiesen (alles deutet darauf hin, dass das rumänische zur Zeit das interessanteste europäische Kino ist), und auf die Finesse und den Realismus, mit der die räumlichen wie sozialen Verhältnisse im Jugendknast dargestellt werden. Er moniert jedoch Schwächen im Drehbuch. Und da bin ich ausnahmsweise nicht seiner Meinung (sondern eher der des Kommentars von Ekkehard Knörer).
Ich kann zwar den Wunsch verstehen, lieber noch mehr über die Knastverhältnisse erfahren zu wollen. Aber die Wendung, die der Plot nimmt, scheint mir konsequent — durch die vorherigen Ereignisse sogar sehr gut motiviert — und darüber hinaus politisch klug. › Weiterlesen