landschaft 1
eine linie nach der lerche der höhe eine linie nach
der lerche des nestes gelärme im silberhaus der luft
die bahn kommt das dampfroß die eiserne sache ah
rechts biegt der rausch ab die sonne grast überm tunnel -
farngrün wirkt fahl geht schatten ufernd bergwärts
nein und ja klingt s aus brunnenröhren rohren bambussen
aus wiesenquadraten großen seen ohn schwäne es folgt
seinen lettern aufrechten hingelegten fallendes laub
wirkt weit weg drum es steigt doch kein drache steigt
sommer steigt wind setiegt regen doch steigt keine rose
wie s auch in tabellen heißt: rechne die null ab aber
wie s weiter heißt: ziehe erträge nach links geregne
an horizonten von nachbarn die sehen den ochsen äsen
alpaccafarben die stoer päonienkühe fernab deren kälber
der mond mag junge tiere in mulden in blätterndem salz
der levkojennäcker drin der chinese die furche erlernt
die wie ein pfiff die schmetterlingsknäuel trifft oder
die luft der forste sibiriens reine unbeackerte erde
(H.C. Artmann, 1969)

Lyrischer Adventskalender 14 — Brinkmann
Gedicht
Zerstörte Landschaft mit
Konservendosen, die Hauseingänge
leer, was ist darin? Hier kam ich
mit dem Zug nachmittags an,
zwei Töpfe an der Reisetasche
festgebunden, Jetzt bin ich aus
den Träumen raus, die über eine
Kreuzung wehn. Und Staub,
zerstückelte Pavane, aus totem
Neon, Zeitungen und Schienen
dieser Tag, was krieg ich jetzt,
einen Tag älter, tiefer und tot?
Wer hat gesagt, daß sowas Leben
ist? Ich gehe in ein
anderes Blau.
Rolf Dieter Brinkmann (1975). In: Westwärts 1 & 2 (Rowohlt)