Feb 15 2010

Auswärtsspiel

Hier der Hin­weis auf eine Rezen­sion zu dem Buch Alter­na­ti­ven aus dem Rech­ner von Paul Cocks­hott und Allin Cott­rell, die ich gemein­sam mit Michel geschrie­ben habe und die heute bei Keim­form, dem Blog zur „Suche nach dem Neuen im Alten“, veröffentlicht wurde.


Feb 14 2010

Berlinale: Beste

Eine prak­ti­sche Übung in self ful­fil­ling pro­phecy: Erst schrei­ben, dass die bes­ten Filme der Ber­li­nale die alten sind, die in den ver­schie­de­nen Retro­spek­ti­ven lau­fen, dann nur diese Filme gucken, dann fest­stel­len, dass dies die bes­ten sind, die man gese­hen hat. Ganz einfach.

Also, die bis­her bes­ten Filme:

1. Bill Dou­glas Tri­logy: drei Filme von 1972, 1973 und 1978 jeweils mit den glei­chen Schau­spie­lern, die in betö­ren­den und ver­stö­ren­den Bil­dern an die triste Kind­heit des Regis­seur im Nach­kriegs­schott­land erin­nern, wobei die Erin­ne­rungs­ar­beit sub­til in die Erzähl­weise (Nach­träg­lich­keit) und die Bil­der inte­griert ist. Meisterwerk.

2. Il giar­dino dei Finzi Con­tini (Vit­to­rio de Sica, I/BRD 1970), ein ziem­lich Vis­con­ties­kes Spät­werk des Regis­seurs, der eigent­lich für seine neo­rea­lis­ti­schen Filme bekannt gewor­den ist; Ver­fil­mung eines Romans von Gior­gio Bas­sani, in dem es um das faschis­ti­sche Ita­lien und die ein­set­zende gesetz­li­che Ver­an­ke­rung der Dis­kri­mi­nie­rung der jüdi­schen Bevöl­ke­rung geht. Bril­lant erzählt und gefilmt.

Sa, 20.2. Cine­maxx 8, 22:30

3. Kon­yaku san­ga­ba­rasu (The Trio’s Enga­ge­ment, Shi­mazu Yasu­jiro, J 1937), eine kleine (66 Min.), sehr feine Komö­die um drei Typen, die sich auf die glei­che Stelle in einem Waren­haus bewer­ben, sie alle drei bekom­men und sich dann alle drei Hoff­nung auf eine Ehe mit der Toch­ter des Chefs machen. Shi­mazu dreht das in einer Mischung aus dama­li­gem Hollywood-Style und fei­nem japa­ni­schem Humor mit wun­der­ba­rem Tempo. Macht viel Spaß.

Sa, 20.2. Cine­star 8, 19:30

4. Solnze (The Sun, 2005), Sokurovs düs­tere Ver­fil­mung der letz­ten Tage des japa­ni­schen Kai­sers wäh­rend der ame­ri­ka­ni­schen Inva­sion am Ende des 2. Welt­kriegs; zeich­net ein ambi­va­len­tes Por­trät des Kai­sers, der sich sei­ner Situa­tion voll bewusst, ihr dabei ohn­mäch­tig aus­ge­lie­fert ist und sich in seine bio­lo­gi­schen und poe­ti­schen Hob­bies flüch­tet. Sehr sehenswert.

Mi, 17.2. Cine­maxx 8, 15:30; Do, 18.2. Cine­maxx 8, 11:00


Feb 11 2010

Berlinale zum 60.

Eben wurde mit dem Film Tuan Yuan die Ber­li­nale eröff­net, die heuer ihren 60. Geburts­tag fei­ert. Das ist kein Grund für Jubel­ge­schrei. Denn im Grunde han­delt es sich um eine recht triste Ver­an­stal­tung. Sehr viele ziem­lich schlechte oder gerade noch mit­tel­mä­ßige Filme lau­fen hier und man hat nicht das Gefühl, dass das mit den Jah­ren bes­ser, son­dern eher das Gefühl, dass es immer schlim­mer wird. Der Wett­be­werb war noch nie so schwach besetzt wie in dies­mal. (Einen klu­gen aus­führ­li­chen Text, der auch ein paar Gründe (z.B. Kosslick) für die Dilem­mata der Ber­li­nale nennt, fin­det man hier.)

Der Eröff­nungs­film ist sym­pto­ma­tisch. Soli­des chi­ne­si­sches Film­hand­werk baut mit okayen Dar­stel­lern eine rühr­se­lige Geschichte, die nie­man­dem weh­tut und mit ein biss­chen Sen­ti­ment und ein biss­chen betrun­ke­nem Gesang so vor sich hin men­schelt. Der Regis­seur Wang Quan’an, der zu Sechs­ten Gene­ra­tion chi­ne­si­scher Fil­me­ma­cher gezählt wird, hat vor drei Jah­ren mit Tuyas Hoch­zeit den Gol­de­nen Bären gewon­nen, einem Film, der (vor allem auf­grund der Prot­ago­nis­tin) noch deut­lich bes­ser war als der heu­tige. Aber auch der hatte schon das glei­che Haupt­pro­blem wie jetzt Tuan Yuan, ein Pro­blem, das bereits vor 20 Jah­ren in Bezug auf die Filme der soge­nann­ten Fünf­ten Gene­ra­tion dis­ku­tiert wurde: Der Blick des Regis­seurs ist gewis­ser­ma­ßen autoe­th­no­gra­phi­sie­rend, er führt die chi­ne­si­sche Gesell­schaft für die Augen west­li­cher Zuschaue­rin­nen vor. In Tuyas Hoch­zeit war der der­ma­ßen exo­ti­sierte Schau­platz die Mon­go­lei, in Tuan Yuan ist es die Groß­stadt Shanghai.

Sym­ptome die­ser Selbst­exo­ti­sie­rung: der eine alternde Mann, der dem ande­ren erklärt, dass er sich vor dem Ein­schla­fen immer die Füße mit war­men Was­ser wasche, wor­auf der andere ant­wor­tet, dass dies in Tai­wan nicht Brauch sei; die Sze­nen auf dem Stan­des­amt, wo die bei­den Ehe­leute erfah­ren, sie müss­ten noch­mal hei­ra­ten, um sich schei­den las­sen zu kön­nen (mit denen der Film sich über die put­zige chi­ne­si­sche Büro­kra­tie amü­siert); die alten Lie­der, die drei alten Men­schen beim Abend­es­sen gemein­sam sin­gen etc. Immer wirkt das so als wollte der Film sagen: Seht her, so sind die Chi­ne­sen, irgend­wie drol­lig, oder? Und auch sehr menschlich.

In den ande­ren Sek­tio­nen sieht es nicht bes­ser aus. Aus dem Pro­gramm des Pan­orama (wo erfah­rungs­ge­mäß der übelste Mist läuft), kenne ich kaum einen der Namen; im Forum sind zwar wie immer ein paar Per­len dabei (dazu dem­nächst mehr), aber auch einige ganz unter­ir­di­sche Filme. Ganz trau­rig ist auch die dies­jäh­rige Retro­spek­tive. Auf die war eigent­lich immer noch am ehes­ten Ver­lass, oft war sie auch rich­tig schön zusam­men­ge­stellt. In die­sem Jahr ist das Kon­zept der Retro­spek­tive eine Nicht-Idee: ein­fach ein paar High­lights aus 60 Jah­ren Ber­li­nale zei­gen. So Filme wie À bout de souf­fle oder La notte. Ein paar unbe­kann­tere (und dem Ver­neh­men nach tolle) Filme sind zwar auch dar­un­ter. Aber ob sich die Fes­ti­val­ma­cher da nicht selbst ein Bein gestellt haben? Neben die­sen Fil­men muss das Rest­pro­gramm doch noch c-klassiger wirken…


Feb 10 2010

Ein Blick zurück zur SPD

Nun hat also ges­tern das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über die Regel­leis­tun­gen nach SGB II geur­teilt, diese seien dem Grund­ge­setz wider­spre­chend. Und alle sind ganz auf­ge­regt, obwohl das glei­che Gericht schon 2007 die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Hartz IV genann­ten Geset­zes für moderne Dienst­leis­tun­gen am Arbeits­markt (auch rück­wir­kend für die letz­ten 5 Jahre) ver­neint hat, obwohl der Euro­päi­sche Gerichts­hof es bereits 2005 als erwie­sen ansah, dass Teile des Hartz IV-Gesetzes nicht mit dem EU-Recht ver­ein­bar sind, obwohl im letz­ten Jahr das Bun­des­so­zi­al­ge­richt die Regel­leis­tung für Kin­der unter 14 Jah­ren für ver­fas­sungs­wid­rig hielt.

Das Gesetz, das von Puff­mut­ter Peter Hartz und sei­nen zwölf Kapi­talhu­ren vor ziem­lich genau 7 Jah­ren erdacht, und anschlie­ßend vom Brioni-Proleten Schrö­der mit sei­nem urei­ge­nen Basta-Charme dekre­tiert wurde, das Mil­lio­nen Kin­der hat ver­ar­men las­sen und einen Para­dig­men­wech­sel in der Sozi­al­ge­setz­ge­bung der BRD dar­stellt, ist also nicht nur „gefühlt“ der inhu­manste Scheiß, den sich eine rot-grüne Koali­tion aus­den­ken konnte, er ist auch hand­werk­lich so schlecht gemacht, dass sich in Karls­ruhe die Bal­ken bie­gen. Nur: Wer hat was Ande­res erwar­tet? › Wei­ter­le­sen


Jan 29 2010

Zugabe

Und die Pro­pa­ganda geht wei­ter. Inzwi­schen wird wirk­lich jede auch nur halb­wegs plau­si­ble Gele­gen­heit genutzt, nach Regeln (d.h. Geset­zen) fürs Inter­net zu rufen. Womit lei­tet die FAZ den Bericht zum neuen Apple-Spielzeug ein?

Die ganze com­pu­te­ri­sierte Welt spielt ver­rückt, weil da einer in San Fran­cisco eine Elek­tro­ta­fel aus­packt, aber Jaron Lanier, der Tech­no­guru und Inter­netskep­ti­ker, lässt sich nicht aus der Ruhe brin­gen. „Ich wün­sche Apple alles Gute“, sagt er, „für die Mensch­heit wird es jedoch eher von grund­le­gen­der Bedeu­tung sein, ein welt­weit gül­ti­ges Abkom­men über die Bezah­lung von Infor­ma­tion, von geis­ti­gem Eigen­tum zu tref­fen. Sonst ist es nicht mög­lich, wirk­lich ver­netzt zu sein.“

Abge­se­hen davon, dass es sich dabei wie­der um die Lanier-typische geis­tige Diarrhoe han­delt — was genau hat das jetzt mit dem iPad zu tun? Egal, Haupt­sa­che schnell noch­mal Restrik­tio­nen gefordert. Die Bür­ger­li­chen haben offen­bar eine ganz fürch­ter­li­che Angst vorm Chaos — sie brau­chen Regeln, Kon­trol­len, Sank­tio­nen - und davor, dass das Geld nicht ganz so strom­för­mig fließt, das Kapi­tal nicht ganz so rei­bungs­los akku­mu­liert, wie unter jenen erspon­nen idea­len Bedin­gun­gen, die vom Staat doch bitte ganz schnell wie­der her­ge­stellt wer­den sol­len. Fes­se­lung der Pro­duk­tiv­kräfte, ick hör dir trapsen.


Jan 28 2010

Offenbar ähneln Menschen Hunden

Offen­bar ist der Tech­no­guru und Inter­netskep­ti­ker (FAZ) Jaron Lanier auch Denkskep­ti­ker. Anders lässt sich sein selbst­ge­rech­tes Geraune wohl kaum erklä­ren. Wie er zu dem Mensch-Hund-Vergleich gelangt? Sol­che Fra­gen stellt man nur wider bes­se­res Wis­sen oder in Unkennt­nis der zahl­rei­chen Inter­views, die der Inter­net­pio­nier (SZ) in der ver­zwei­fel­ten Hoff­nung, jemand möge doch sein kaum rele­vant zu nen­nen­des Buch erwer­ben, der bür­ger­li­chen Presse gibt. So schlägt er mit den ewig glei­chen, ewig lang­wei­len­den The­sen am 17. Jänner zuerst bei der FAZ auf, am 24. bei der Süd­deut­schen und am 25. schließ­lich bei SpOn. Und immer geht es darum, dass das Inter­net ein Ding ist, in dem maro­die­rende Mobs durch die Gegend zie­hen („Des­halb habe ich ernst­haft Sorge, dass es eines Tages zu einem gefähr­li­chen Mob-artigen Aus­bruch im Inter­net kom­men wird.“ Oh no! What should we do about it? The mob is in the interweb!!1! We’re totally hel­pless! May god have mercy with us all!), die dunk­len „Lords der digi­ta­len Wolke“ alles beherr­schen wol­len und der in den USA als Schreck­ge­spenst mit Sicher­heit noch funk­tio­nie­rende Kom­mu­nis­mus in Form eines digi­ta­len Mao­is­mus gras­siert. › Wei­ter­le­sen


Jan 26 2010

Oettinger Export

http://www.youtube.com/watch?v=OXPPu418C78

Lecker! via Nig­ge­meier


Jan 13 2010

Nachgereicht

Hier der Ver­weis auf einen Arti­kel von Petra Stein­ber­ger, der ver­gan­ge­nes Wochen­ende den Wochen­end­teil der SZ schmü­cken durfte: ein Auf­ruf zum Ver­zicht auf Fleisch– und Fisch­kon­sum mit allen im Grunde hin­läng­lich bekann­ten und völ­lig rich­ti­gen Argu­men­ten. Geschrie­ben ist er nicht mal beson­ders gut (Stakkato-Bildzeitungsstil), aber inhalt­lich (und auch rhe­to­risch dann doch irgend­wie) über­zeu­gend. So über­zeu­gend jeden­falls, dass ich (bis dato Fleisch: nein, Fisch: ja), jetzt auch kei­nen Fisch mehr kau­fen oder im Restau­rant bestel­len werde (Überg­angs­phase). Und Milch, But­ter, Eier nur im Bio­la­den. (Ja, bio ist spie­ßig, schon klar, aber es geht hier ja nicht um cool und uncool und wie man sich fühlt.) Wei­ter­le­sen hier und hier.


Jan 11 2010

Unknown Pleasures

…ist nicht nur der Titel eines ziem­lich tol­len Films von Jia Zhang-ke, son­dern auch ein sehr gut kura­tier­tes Fes­ti­val zum US-amerikanischen Inde­pen­dent­film, das momen­tan im Baby­lon Mitte (Ber­lin) stattfindet.

Fol­gende Filme habe ich bereits gese­hen und kann sie unein­ge­schränkt empfehlen:

Two Lovers USA 2008, R: James Gray; mit Joa­quin Pheo­nix, Gwyneth Paltrow, Vanessa Shaw, 35mm, 108 Min, OmU

Di, 12.1. 21.00; Sa, 16.1. 22.00

The Explo­ding Girl USA 2009, R: Brad­ley Rust Gray; mit Zoe Kazan, Mark Ren­dall, Digi­beta, 79 Min, OV

Fr, 15.1. 20.00; Sa, 16.1. 20.00

Go Get Some Rose­mary USA 2009, R: Josh und Benny Saf­die; mit Ronald Bron­stein, Sage Renaldo, Frey Renaldo, Abel Fer­rara; 35mm, 100 Min, OV

Fr, 15.1. 22.00


Jan 11 2010

Eric Rohmer gestorben

Ich mochte seine Filme; nicht alle, aber viele sehr. Heute ist er im Alter von 89 Jah­ren gestorben.