Dez 30 2009

Renés Musik des Jahres

Also der René meint, man soll das hier nicht ver­passt haben dürfen:

Plat­ten

(Elec­tro­nica) Luciano — Tri­bute to the Sun

(Techno) Ben Klock — One

(Hip-Hop) Com­fort Fit — Poly Shuffle

(Grime) Diz­zie Ras­cal — Tongue n‘ Cheek

(Dub­step) Scuba — Scuba

(Pop) La Roux — La Roux

(Neo-Folk) Grizzly Bear — Veckatimest

Songs/Tracks

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Dez 29 2009

25 Filme des Jahres 2009

Ich hatte immer Pro­bleme mit die­sen Lis­ten des Jah­res. Zu unklar bleibt mir da immer: Meint sie, die Lis­to­lo­gin, wenn sie „Filme des Jah­res“ sagt, die, die sie am bes­ten fand? Oder die, die sie am liebs­ten gese­hen hat, bei denen sie sich am bes­ten amü­siert hat? (Das ist ja nicht immer das glei­che.) Und: Aus wel­cher Aus­wahl? (Sie wird wohl kaum alle gese­hen haben.) Wel­che Filme wur­den absicht­lich weg­ge­las­sen? Und wel­che nur, weil sie gar nicht gese­hen wur­den? Und: Ist das nicht immer auch ein eher pein­li­ches Dis­tink­ti­ons­spiel, das mit die­sen Lis­ten gespielt wird? Sind meine Filme rarer, ist mein Geschmack erle­se­ner als deiner?

Den­noch: der­ar­tige Lis­ten kön­nen auch hilf­reich sein. So wenn man bei Leu­ten, deren Film­ge­schmack man kennt und schätzt, auf Titel stößt, die man noch nicht kannte und deren Sich­tung man dann nach­ho­len kann. Oder wenn ein Film, den man ver­passt hat, auf ver­schie­de­nen Lis­ten auf­taucht und so das Bedürf­nis, ihn doch unbe­dingt noch sehen zu müs­sen, verstärkt.

Hier mein Top-25, › Wei­ter­le­sen


Dez 25 2009

Die schönste Weihnachtsgeschichte

Nach­dem sich ges­tern das letzte Tür­chen im lyri­schen Advents­ka­len­der geöff­net hat, haben wir hier noch eine kleine pro­sai­sche Drein­gabe. Es han­delt sich um nichts weni­ger als die schönste Weih­nachts­ge­schichte aller Zei­ten. Sie eig­net sich trotz ihres Titels auch für Athe­is­tin­nen, Agnos­ti­ker und andere Weih­nachts­muf­fel. Ihre Lek­türe sei allen sehr emp­foh­len, man kann sie auch laut vor­le­sen und ande­ren eine Freude machen. Enjoy!

Das Paket des lie­ben Gottes
(Bertolt Brecht)

Nehmt eure Stühle und eure Tee­glä­ser mit hier hin­ter an den Ofen und ver­geßt den Rum nicht. Es ist gut, es warm zu haben, wenn man von der Kälte erzählt.

Man­che Leute, vor allem eine gewisse Sorte Män­ner, die etwas gegen Sen­ti­men­ta­li­tät hat, haben eine starke Aver­sion gegen Weih­nach­ten. Aber zumin­dest ein Weih­nach­ten in mei­nem Leben ist bei mir wirk­lich in bes­ter Erin­ne­rung. Das war der Weih­nachts­abend 1908 in Chi­cago. Ich war Anfang Novem­ber nach Chi­cago gekom­men, und man sagte mir sofort, als ich mich nach der all­ge­mei­nen Lage erkun­digte, es würde der här­teste Win­ter wer­den, den diese ohne­hin genü­gend unan­ge­nehme Stadt zustande brin­gen könnte. Als ich fragte, wie es mit den Chan­cen für einen Kes­sel­schmied stünde, sagte man mir, Kes­sel­schmiede hät­ten keine Chan­cen, und als ich eine halb­wegs mög­li­che Schlaf­stelle suchte, war alles zu teuer für mich. Und das erfuh­ren in die­sem Win­ter 1908 viele in Chi­cago, aus allen Berufen.

Und der Wind wehte scheuß­lich vom Michi­gan­see her­über durch den gan­zen Dezem­ber, und gegen Ende des Monats schlos­sen auch noch eine Reihe gro­ßer Fleisch­pa­cke­reien ihren Betrieb und war­fen eine ganze Flut von Arbeits­lo­sen auf die kal­ten Stra­ßen. › Wei­ter­le­sen


Dez 24 2009

Lyrischer Adventskalender 24 — Wenzel

IM SCHLAF BEISST DU den tag fest
auf die zähne und mahlst die nächte
zu je ein­zel­nen sekun­den die im ticken
des weckers im kna­cken des kiefers

ver­wit­tern wäh­rend du noch kaust ohne
zu schlu­cken und noch näch­tens nagst an
aller­lei gest­ri­gem: an die kno­chen gehende
geschich­ten von vater von mut­ter vom rande

kna­cken die kie­fern und neh­men den schlaf
aus­ein­an­der das holz von dem es heißt
es arbeite nachts wäh­rend du dich drehst
gibt das bett etwas nach im knirschen

reibst du den schmelz von den träu­men
und du erwachst im mund noch
einen beige­schmack von holz: von kiefer

(Chris­toph Wen­zel, 2009)


Dez 23 2009

Lyrischer Adventskalender 23 — Kehle

Nichts weiß ich vom

Groß­va­ter Scharf­schütze
sei er im Krieg gewesen

Ein­mal zeigte er auf
einen Hau­ben­tau­cher im Zoo
und sagte Peng

Hin­ter­las­sen hat er
ein Spanholzschächtelchen

darin einen Faden­zäh­ler und
ein win­zi­ges Stück Gold

ein­ge­wi­ckelt in ein
Straf­man­dat (Leip­zig 1947)

(Mat­thias Kehle, 2008)


Dez 22 2009

Lyrischer Adventskalender 22 — Cotten

Inge­niös, begriffen

Ist alles kalt und brü­chig.
Alles ist längst ver­stan­den.
Die Luft besteht aus Kan­ten,
Win­ter aus sei­nen Rändern.

Wir sit­zen in Gewän­dern,
wir sit­zen gegen­über,
ich spiele mit Streich­höl­zern,
Bier­de­ckeln und Papieren.

Das Spiel mit dei­nen Augen
habe ich fal­len las­sen.
Der Win­ter wird nur käl­ter
wenn man noch weiß, was warm ist.
Wenns kein Ver­glei­chen gibt
ver­en­det man im Erträg­li­chen. › Wei­ter­le­sen


Dez 21 2009

Lyrischer Adventskalender 21 — Elze

im fal­len­wald

wir flie­gen in die netze ja wie vögel von den wän­den
wie die flie­gen fal­len wir ja wie die füchse gehen wir
ja in die fal­len wie die bären wie frau reh herr hirsch
(unge­zie­fer unter­ir­disch unter­tage über­nimmt uns)
wir flat­tern ja noch zap­peln ja noch bel­len hier & da
brum­men blö­ken da & dort wald & wie­sen feld­re­port
es nützt ja nichts es hilft ja nichts es kommt ja nichts
mehr dabei raus; der jäger kommt zu ange­sicht
viel­leicht ja noch viel­leicht auch nicht zu fliege fuchs
zu vogel bär zu frau & herr im netz im wachs im fal­len­wald
die schnap­pen ja solang es geht nach guter guter luft.

(Carl-Christian Elze, 2006; via)


Dez 20 2009

Lyrischer Adventskalender 20 — Altmann

fabrik gelände

der weg ver­liert seine spu­ren unter den sträu­chern.
viel­leicht bin ich der ein­zige, der ihn noch geht.

das lockere holz der bäume klopft gegen den wind,
der es ver­streut. die nahe fabrik ist geräumt. und

die mau­ern begin­nen, sich ein geheim­nis zu suchen.
es wird erzählt, sie haben maschi­nen im see versenkt.

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Dez 19 2009

Lyrischer Adventskalender 19 — Lehnert

Licht­ein­fall (I)

Wie die Nägel in den Glie­dern Got­tes, Stre­ben
in einem Dach, das west­wärts kriecht, wie Boh­len
sind Nebel auf­ge­schich­tet. Hier erhe­ben
sich Flam­men, wehen über die Molen,

die auf­ge­wühlte See? … Ein lecker Tan­ker?
Die Explo­sion von Gras aus vagen Tie­fen?
Die sich im Auge fest­hakt wie ein Anker
und Kreise zieht, die blen­dend weiterliefen,

bist du die Lohe schau­test, Leere, nichts?
Du sag­test: „Fest­land…“, sahst, wie es im Dre­hen
in Brand geriet, aus Bre­chun­gen des Lichts:

ein Kern, von dem du abge­schmol­zen bist?
Als ein Teil­chen oder Innen­raum, zu sehen
in einer Höh­lung, die ver­schlos­sen ist?

(Chris­tian Leh­nert, 2000, Der Augen Auf­gang, Suhrkamp)


Dez 18 2009

Lyrischer Adventskalender 18 — Schinkel

Ceta­cea

das zärt­li­che
Miß­traun
der Rie­sen,
Ver­schüch­ter­ter in ihren Pocken­häu­ten,
rührt uns, die Göt­ter des Krills,
wenn in den Metall­bäu­chen von Schif­fen,
hin­ter den Schil­dern
wir unsere Kör­per bewahren.

und in den Tagen,
wenn wir Mäu­ler
nur strei­cheln,
– die metri­schen Bögen,
an denen die Hände zer­bre­chen
mit der schäu­men­den Ohn­macht der See,
schnau­fen die Tiere
ein wei­te­res win­zi­ges Mal -:

Gesänge in Trauer.

(André Schin­kel, 1998, Die Spur der Vogel­men­schen, Mit­tel­deut­scher Verlag)