Appell, korrigierte FassungWir sind die Dummen!

Wir sind immer die Urheber! Dummen!

Gegen den Diebstahl das Kopieren geistigen Eigentums kultureller Produkte

Mit Sorge und Unverständnis verfolgen wir als AutorenInnen und KünstlerInnen die öffentlichen Angriffe gegen das Urheberrecht Verteidigungen des freien Austauschs von Kulturgütern und Kochrezepten. Das Urheberrecht ist eine historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit der kapitalistischen Gesellschaft gegen die Freiheit der Kultur feudale Abhängigkeit für die Abhängigkeit vom Markt und vom Massengeschmack, und es garantiert leider keineswegs die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen.

Der in diesem Zusammenhang behauptete Interessengegensatz zwischen UrheberInnen und „VerwerterInnen“ entwirft ein abwegiges nicht ganz falsches Bild unserer Arbeitsrealität. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft geben KünstlerInnen die Vermarktung ihrer Werke in die Hände von Verlagen, Galerien, ProduzentInnen oder Verwertungsgesellschaften, wenn diese ihre Interessen bestmöglich vertreten und verteidigen weil ihnen (unter gegebenen Bedingungen oft) keine andere Wahl bleibt. Die neuen Realitäten der Digitalisierung und des Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums das freie Kopieren von Kulturgütern zu rechtfertigen oder gar seine Legalisierung zu fordern. Im Gegenteil: Es gilt, den Schutz des Urheberrechts die Repression, die Abmahnpraxis, den Verwertungszwang zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen. Weiterlesen

They did it again Gähn!

Heute mal wieder ein großer Appell von «Urheberinnen» gegen den «Diebstahl» von «geistigem Eigentum». Es wird langsam langweilig so was zu kommentieren, da auch keine neuen Argumente zu erblicken sind. Wiedermal (und dreimal wiederholt) der Diebstahlvorwurf, der doch schon hundert mal argumentativ entkräftet wurde. Also noch mal, liebe Charlotte Roche, liebe Karen Duve, lieber Feridun Zaimoglu und wie ihr alle heißt, eine Datei im Netz zu kopieren ist kein Diebstahl, da dadurch nix weniger wird. Es ist einfach kopieren, aus 1 mach 2. Wenn ihr das Gegenteil sagt, lügt ihr, oder habt nicht nachgedacht. Das aber solltet ihr doch besser tun, bevor ihr etwas unterschreibt, sonst glaubt euch niemand. Und überdies verliert ihr jeden Respekt.

Acht Brücken für John Cage

Konzerthinweis

Im Rahmen des ACHT BRÜCKEN–Festivals in Köln, dessen Schwerpunkt dieses Jahr auf dem Werk des Amerikaners John Cage liegt, gibt es am Samstag in der Kölner Philharmonie einen Ensembletag. Gespielt werden u.a. Werke von Cage, Varese, Reich, Zappa und Feldman. Beginn ist um 16:00 Uhr, gespielt wird bis ca. 24:00. Eintrittspreis für den gesamten Ensembletag ist €25,-. Hingehen lohnt sich!

Literaturkritik: Christian Kracht 'Imperium' Die Ein-Satz-Kritik

Weil im Moment so viel über Christian Krachts „Imperium“ zu lesen ist und keiner gezwungen sein sollte, sich durch diesen feuilletonistischen Firlefanz durchzulesen, geschweige denn sich das Original zu holen, hier die wohl treffendste Kritik kondensiert in einem Satz:

In Zeiten, in denen das mittlere Management zu zwei Dritteln aus Skinheads in Panzerautos besteht, die im Chor mit der Politik wirtschaftsfaschistische Parolen blöken, die zentrale Botschaft der Popmusik nicht mehr Emanzipation, sondern Unterwerfung ist, die Meinung, man müsse den gesellschaftlichen Reichtum gerechter verteilen, direkt ins regierungsamtliche Aussteigerprogramm für Linksextremisten führt und der Krieg aller gegen alle das ideologische Fundament der Vorschulpädagogik liefert, ist solche Poserei einfach nur lächerlich.
Michael Sailer (Konkret 4/12)