Trouble with Academia

Unterhält man sich mit KollegInnen, die an einer Universität arbeiten, hört man in letzter Zeit vor allem Klagen - über zu geringe Löhne, zu lange Arbeitszeiten, zu viele Tätigkeiten, die einen von der Forschung abhalten, und vor allem über viel zu unsichere Zukunftsaussichten. Ich kenne vor allem Leute in den Geisteswissenschaften und die haben zum Teil die gleichen, zum Teil andere Probleme als solche, die an natur- oder sozialwissenschaftlichen Fakultäten arbeiten. Dass fast überall radikaler Reformbedarf herrscht, ist aber nicht mehr zu übersehen. Einen sehr lesenswerten Text zu dem Thema hat ein ehemaliger PhD-Student von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) geschrieben. Er ist hier zu finden.

 

Bilanz 2013 Noch ein paar Pop-Hits

Neben den genannten Platten habe ich in diesem Jahr in erster Linie die großartigen Mixes von Fog Puma gehört (mein Favorit nach wie vor: Lost Island). Aber es gibt auch noch ein paar einzelne Songs und Videos, die in guter Erinnerung bleiben:

1. Insgesamt finde ich die Platte ein bisschen öde, aber das ist definitiv einer der Songs des Jahres:

2. Ok, hier ist eigentlich doch das ganze Album ziemlich toll und ich verstehe nicht mehr, wieso es nicht auf meiner Bestenliste gelandet ist:

Bilanz 2013 Mein Bild des Jahres

Ausstellungen, die mich restlos begeistert hätten, habe ich dieses Jahr kaum gesehen. Gut gefallen hat mir Constantin Wallhäusers Show Das Orchester im Espace Surplus Le Grand. Am schönsten war aber der Besuch der Sammlung außereuropäischer Kunst im Rietberg Museum in Zürich. Da sind bezaubernde chinesische Tuschzeichnungen und japanische Drucke und indische Skulpturen zu sehen.

Mein Lieblingsbild trägt den Titel „Heftiger Gewitterregen“ und stammt aus der Edo-Zeit (ca. 1857) und aus der Serie „Hundert Ansichten von Edo“ von Andô Hiroshige (1797−1858). Ich liebe an diesem Bild einfach alles: den dichten Regen, der aussieht wie im klassischen Kino, die matten Farben, den schrägen Horizont, die Brücke, die ins Nichts zu laufen scheint, und die verdeckten, über die Brücken eilenden Figuren.

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Bilanz 2013 Lieblingsplatten

With a lot of help from my friends: Spex und Intro lese ich kaum noch und auch byte.fm, das mich im letzten Jahr gut auf dem Laufenden hielt, hatte ich heuer seltener an — war also besonders auf Tipps des aufmerksamen Freundeskreises angewiesen.

1. Meine Lieblingsplatte „We Are the 21st Century Ambassadors of Peace & Magic“ von Foxygen hätte ich zum Beispiel nie ohne David entdeckt. Das ist Neo-Retro, über die Ironie soweit hinaus, das man es wahrscheinlich als post-ironisch bezeichnen kann: Die Geste des Augenzwinkerns oder der tongue in cheek wird so ernsthaft vorgetragen, das sie sich selbst transzendiert. Vor allem ist das aber unglaublich musikalisch, mit mehreren Tempowechseln, reich arrangiert, anspielungsreichen Texten und Melodien. Und der Sänger klingt wie eine Mischung aus Mick Jagger und Jarvis Cocker.

2. Julia Holters „Loud City Song“ ist erst vor kurzem dank MMW bei mir gelandet. „Horns Surrounding Me“ habe ich seitdem 80 mal gehört. Aber auch und gerade die ruhigeren Stücke sind sehr schön.

3. „Overgrown Path“ von Chris Cohen habe ich eher zufällig im Plattenladen entdeckt. An manchen Stellen ähnelt das der Foxygen-Platte, aber hier kann von Ironie eigentlich gar keine Rede mehr sein. Eher als das Retro-Attribut ist man  geneigt die abgegriffene Formel der Zeitlosigkeit zu bemühen.  Weiterlesen

Bilanz 2013: Liebste im Kino gesehene Filme Ältere

In der Reihenfolge ihrer Sichtung durchs Jahr hindurch: die mir liebsten älteren Filme, die ich im zu Ende gehenden Jahr & im Kinosaal sehen durfte.

Im Januar im Berliner Arsenal den wunderbar komischen U samogo sinego morya (By the Bluest of Seas, Boris Barnet, SU 1936);

im Rahmen der dem japanischen Regisseur Keisuke Kinoshita gewidmeten Forum-Mini-Retrorspektive während der Berlinale Kanko no machi (Jubilation Street, J 1944), der während des 2. Weltkriegs spielt, aber bis auf eine kurze Coda gänzlich unpropagandistisch, sondern wie ein sehr zärtliches shomin-geki daher kommt, das jede Figur des Ensembles vorsichtig und mit Anmut umarmt;

Max Ophüls Liebelei (D 1933), der mir nicht aus dem Kopf gegangen ist, seit ich ihn im Februar im Zürcher Filmpodium sah;

von der von der Canine Condition kuratierten Reihe zum klassischen chinesischen Film, die im März im Arsenal lief, konnte ich nur sehr wenig sehen; darunter immerhin und zu meinem Glück Shen Nu (The Goddess, Wu Yonggang, CN 1934), einen großen klassischen Stummfilm mit vielen Großaufnahmen von vielsagenden Gesichtern, der weniger exaltiert wirkte als andere (nicht weniger großartige) Schanghai-Filme dieser Jahre;

sehr eindrücklich auch, Ende März, nun wieder im Filmpodium und in Begleitung einer Gruppenimprovisation vom ioicL’Atlantide (Jacques Feyder, F 1921), der erste genuine Wüstenfilm, der, in der Sahara gedreht, alle Tropen (Verlorenheit, Exotik, Halluzinationen) dieses Quasi-Genres in eine verwirrend komplexe und visuell berauschende Flashback-Erzählung bettet;

 

L’atlantide

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