Die neuen GEMA-Regeln

Die Interessen des Berufsverbands Discjockey können nicht die Interessen sein, die DJs haben

Als heute ein Freund, ein DJ, das hier postete

Mit diesem "Berufsverband Discjockey e.V." hat die GEMA die neuen Dj-Tarife angeblich vertraglich ausgehandelt. Da fühlt man sich ja richtig gut repräsentiert! Die ersten 3 Charts-plätze:  1. Matthias Reim - Einsamer Stern  2. Dj Ötzi - Wie ein Komet  3. Andrea Berg - Flieg mit mir fort (Remix 2013)  Und jetzt alle: hölle hölle hölle!!

war auch mein erster Gedanke: Hölle! Und wenn man sich die dort verlinkte Liste anschaut, wird das gen Top 100 ja auch nicht besser… Das sind also diejenigen, die die mit der GEMA ausgehandelten „0,13 Euro je Musikwerk“ bekommen sollen?

So sieht’s aus. Denn die eigene Playlist mit den tatsächlich gespielten Tracks dürfen DJs gar nicht erst bei der GEMA abgegeben. Die Möglichkeit gibt es gar nicht. Also wandert das Geld an die Künstler, die ohnehin schon in den Charts stehen (s.o.). Und das obwohl es selbst auf den DJ-Playlisten der verhandlungsführenden DJ-Organisation ganz anders aussieht:

  1. WILL.I.AM FT. BRITNEY SPEARS — Scream & Shout
  2. DJ ANTOINE — Bella Vita
  3. CASCADA — Glorious

Das ist — sagen wir es neutral — für die deutsche ClubTanzlokallandschaft schon deutlich erwartbarer als die Schlagerparade von oben. Auch wenn es mit der feinen Musik, die mein DJ-Kumpel auflegt, so viel zu tun hat, wie Cascada mit innovativer Tanzmusik. Das ist schade.

Richtig bedenklich ist, dass diese Playlist bei Entscheidungen des Verbands anscheinend überhaupt keine Rolle spielt. Sollte man doch meinen, dass z.B. ein DJ-Preis berücksichtigen müsste, was DJs so auflegen. Weit gefehlt. Preisträger des German DJ Award: Gina Lisa (die Gina Lisa), Mickie Krause, Tim Toupet und Dieter-Thomas Heck (Lebenswerk). Alles Künstler aus demselben Paralleluniversum wie die oben erwähnten nationalen Charts.

Jetzt lässt sich spekulieren: War der Verzicht auf das Einreichen von DJ-Playlisten teil des Deals mit der GEMA, um die eigenen Künstler zu schützen? Zu vermuten ist es.

Sicher ist: Der „Berufsverband Discjockey e.V.“ vertritt mitnichten das, was wir — und damit schließe ich jetzt einfach jeden mit ein, der einen Club schon mal von innen gesehen hat — unter DJ-Kultur verstehen. Ein Verein, der sich ernsthaft dafür einsetzt, ein IHK-Zertifikat für DJs zu schaffen („Fachkraft für Musik-Entertainment“) und schon den DJ-Führerschein eingeführt hat — übrigens in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (sic!) — der wird den aus Leidenschaft Platten auflegenden Musiker niemals verstehen, geschweige denn, seine Interessen vertreten können.

Was wir und unsere DJs machen können? Da bin ich ganz bei Sascha Kösch von der De:Bug:

Weitermachen! Aussitzen. Verbände gründen. Irgendwen kurz anschreien. Nachdenken. Bessere Strategien entwickeln. Zweitverwertungsgesellschaft gründen.

Erst mal.

Griechenland in der Krise Betrieb in Selbstverwaltung

Die Arbeiter/innen von Vio.Me., einer Baustoff-Fabrik in Thessaloniki, die von ihren Besitzern aufgegeben wurde, wurden seit Mai 2011 nicht mehr bezahlt. Auf einer Generalversammlung haben sie beschlossen, die Fabrik zu besetzen und unter direkter demokratischer Arbeiterkontrolle zu betreiben. Nach einem Jahr des Kampfes, der Aufmerksamkeit und Solidarität in Griechenland und weltweit erregt hat, haben sie am 12. Februar 2013, nach drei Tagen intensiver Mobilisierung, mit der Produktion begonnen.

(weiterlesen)