Ring of Fire

cigarette burns (John Carpenter, 2005)
Manche Dinge treten erst dann groß in Erscheinung, wenn sie abtreten müssen. Wie zum Beispiel jene kleinen, dunklen Kreise im rechten oberen Eck des Filmbildes, die sich Überblendzeichen (cigarette burns) nennen, am Ende jedes Filmaktes zweimal, etwas länger als ein Augenzwinkern erscheinen und im klassischen Vorführbetrieb einen nahtlosen Staffellauf der Bilder von Projektor zu Projektor gewährleiste(te)n.
Die fortschreitende Digitalisierung des Kinos wird filmische Paratexte dieser Art irgendwann hinfällig gemacht haben. Umso bemerkenswerter, dass gerade das Kino um die Jahrtausendwende diese Schwellenzeichen prominent ins Bild setzt und das, was reine Funktion und Handlungsanweisung für den Film-Operateur war, plötzlich ästhetisch und diegetisch werden lässt. In David Lynchs Inland Empire (USA 2006) fungieren Brandlöcher in Seidenunterwäsche als Pforten in andere Bewusstseinsregionen und auch in Cigarette Burns (USA 2005), John Carpenters brillantem Beitrag für die Fernseh-Reihe “Masters of Horror”, verwandeln sich Überblendzeichen in diabolische Signifikanten und Umschaltstellen zwischen dem Realen und dem Imaginären. Fast so, als halte ein marginales, infames Zeichen der “Reel World” noch einmal an seinem Recht fest, sich nachhaltig ins Bild und ins Bewusstsein des Publikums zu brennen.

3 Meinungen zu “Ring of Fire

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    Ein sehr schönes Debüt. Danke.

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    hallo mw

  3. avatar

    […] Julia Holters „Loud City Song“ ist erst vor kurzem dank MMW bei mir gelandet. „Horns Surrounding Me“ habe ich seitdem 80 mal gehört. Aber auch und gerade […]

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