The Oscars reloaded

Es hieß, die 81. Acad­e­my Award-Show solle dies­mal viel “frisch­er” und “ein wenig unkon­ven­tioneller” wer­den. Es waren sog­ar “Über­raschun­gen” angekündigt wor­den. Die von ABC neu ange­heuerten Pro­duzen­ten Lau­rence Mark and Bill Con­don hat­ten sich also viel vorgenom­men.1 Teil der Frischzel­lenkur war auch die Nominierung eines Toten. Die Frage, ob Heath Ledger posthum als Bester Darsteller aus­geze­ich­net würde, sollte helfen, endlich wieder die Massen vor die Fernse­hgeräte lock­en. Die meis­ten der weltweit über­tra­gen­den Fernsehsta­tio­nen spiel­ten mit und hat­ten dementsprechend Ang Lees Oscarfilm Broke­back Moun­tain im Vor­pro­gramm — wenn auch in Ital­ien nur teil­weise. Dass Slum­dog Mil­lion­aire abräu­men und Kate Winslet ihren Oscar bekom­men würde, war schon vorher abgemachte Sache (siehe Time-Cov­er vom Son­ntag vor der Show). Aber soll­ten die end­losen Musi­cal-Med­leys mit Hugh Jack­man tat­säch­lich das ver­sproch­ene Unkon­ven­tionelle eines Neuan­fangs darstellen?

2008 war der absolute Tief­punkt in der Acad­e­my-Show-Geschichte: Der Minus­reko­rd von 32 Mio. Zuschauer im 80. Jubiläum­s­jahr durfte nicht unter­boten wer­den. Ein­er der wichtig­sten Wer­bepart­ner hat­te sich infolgedessen bere­its ver­ab­schiedet. Ein weit­eres Desaster kon­nte sich der Sender nicht leis­ten. Die Idee der Neu-Pro­duzen­ten: Stars ver­steck­en! Einige der Gelade­nen wur­den so geheim gehal­ten, dass sie nicht ein­mal über den roten Tep­pich durften, son­dern über den Hin­terein­gang kamen. Ern­sthaft! Man ahnt es: Alles im Dien­ste ein­er Sache; um die Span­nung zu steigern für eine angekündigte Sur­prise. Die Über­raschung war dann eine poten­zierte Anzahl an Lauda­toren. Jedem nominierten Darsteller wurde dies­mal promi­nent einzeln gelob­hudelt. Nicht jedem ges­tande­nen Film­star (oder seinem Stu­dio) mag das gefall­en haben, sein Star Image hin­ter den TV-Rat­ings zurück­zustellen. Wenn auch es eine Ten­denz ist, die eigentlich nur kon­se­quent nachvol­lzieht, was in der Traum­fab­rik Hol­ly­woods schon längst Real­ität gewor­den ist: Weg vom Kino, hin zum Fernse­hen.

In Zeit­en der dig­i­tal­en Repro­duzier­barkeit von Kunst­werken spielt das Dis­pos­i­tiv Kino für die Acad­e­my anscheinend keine Rolle mehr. Wur­den in ver­gan­genen Zeit­en noch zu allen Fil­men in ganz L.A. Acad­e­my-Screen­ing ver­anstal­tet, kom­men die meis­ten nominierten Filme nun als DVD-Screen­er ins Wohnz­im­mer und wer­den besten­falls im Schnell­durch­lauf geguckt. Die auf Leben­szeit berufe­nen Acad­e­my-Mit­glieder bew­erten kein Kino-Filme mehr, son­dern Fernseh-Filme. Und weil sie selb­st Filmemach­er sind und — das ist das eigentlich rel­e­vante — tagsüber meist irgendwelche pyrotech­nis­chen, unpoli­tis­chen Main­stream-Baller­streifen pro­duzieren, wollen sie wenig­sten daheim bei einem leicht­en Dra­ma kon­tem­pli­eren kön­nen. Und das darf dann auch ein biss­chen Rel­e­vanz haben, aber trotz­dem bitte intim sein und, wenn’s geht, noch eine kleine Gut­men­schen-Mes­sage mit­brin­gen. Oder wie Richard Corliss schreibt:

Real­ly, any old-timer will do. Except for Slum­dog, all the Best Pic­ture final­ists are set whol­ly in the past. Aaah, Har­vey Milk. Oooo, Nazis! Mem­bers feel sim­pati­co to films that remind them of when they were active­ly engaged in politics–and in moviego­ing.

So etwas nen­nt sich gemein­hin Fernsehsendung. Da gab es — apro­pos — tat­säch­lich Ent­war­nung: Das TV-Rat­ing stieg um 13 Prozent.

  1. Inter­view mit den Pro­duzen­ten []

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