Von Margarita Tsoumo Depesche aus Athen (I)

Unmit­tel­bare Lage:
Fieber­hafte Vor­bere­itung, Span­nung und Count Down im ganzen Land für die harte Kon­fronta­tion mit der Regierung in den näch­sten 48 Stun­den: Mit einem 48-stündi­gen Gen­er­al­streik und ein­er 48-stündi­gen Par­la­ments­block­ade soll die Abstim­mung des neuen “Hil­f­skred­its” im Par­la­ment ver­hin­dert wer­den. Man bere­it­et sich auf harte zwei Tage vor, Mot­to 48 Stun­den auf der Straße. Schiffe und Busse kom­men aus ganz Griechen­land, um an diesen Tagen Hun­dert­tausende vor dem Par­la­mentsplatz zu wer­den.
Hier der Mobi­clip, schaut rein.

Zelt­stadt, Gen­er­alver­samm­lung, Selb­stor­gan­i­sa­tion

Es sind 200 Zelte auf dem Platz aufgestellt. Die Zelt­stadt stellt die Infra­struk­tur für die abendlichen Gen­er­alver­samm­lun­gen und Kundge­bun­gen. Es gibt 28 Arbeits­grup­pen z.B.:  Essen­saus­gabe, Sauber­ma­ch-Gruppe, Medi­enkollek­tiv, Erste Hil­fe, Ruhe-Bewahren-Gruppe, Kopi­en für Flug­blät­ter-Gruppe etc…Selbstorganisation at it’s best…

Abends kom­men Tausende zur Gen­er­alver­samm­lung und um sich vor dem Par­la­ment zu beschw­eren. Die Men­schen sind ein Durch­schnitt der Gesellschaft. Alter­na­tive, mod­erne Jung­griechen, Rent­ner, aber vor allem viele arme Men­schen — das, was man hier das “Volk” nen­nt. Du siehst ihnen an, dass sie nicht mehr viel zu ver­lieren haben — das Bild macht melan­cholisch. Sie schimpfen aufs Par­la­ment mit vul­gären Aus­drück­en, selb­st die Omas und die Priester unter ihnen. Noch nie das Wort “Mala­ka” so oft in Verbindung mit dem Wort “Par­la­ment” gehört… Über­all und LAUFEND wird untere­inan­der disku­tiert.

Hap­pen­ing-Charak­ter der Bese­tung
Es laufen par­al­lel viele Aktio­nen: mit einem Crick­et-Game von Pak­istan­ern und Griechen eignet man sich eine Straße an, die Kün­st­ler­gruppe macht weit­er hin­ten ein Hap­pen­ing, am offe­nen Mikro singt eine Por­tugiesin und wird simul­tan ins Griechis­che über­set­zt. Fes­ti­val, Hap­pen­ing und Beset­zung ins einem, also.

Harte Kon­fronta­tion in den näch­sten 48 Stun­den28./29.06.
Man bere­it­et sich auf harte zwei Tage vor  — die Men­schen auf der Gen­er­alver­samm­lung gestern waren nervös und anges­pan­nt. Mit den Gew­erkschaften wird ein gemein­samer Plan aus­ge­heckt. Es gibt allerd­ings lei­der viel Angst vor Gewalt — der Vizepräsi­dent Paga­los hat gestern verkün­det, dass er im Falle ein­er Staat­spleite mit Panz­ern die Banken schützen will. Ver­schiedene, mein­er Mei­n­ung nach, unnötige Ter­rorszenar­ien kur­sieren — der Ver­gle­ich mit der Befreiungs­be­wege­gung gegen die Dik­tatur 1973 ist eine ständi­ge Ref­erenz.

Beispiel Arbeitsweise Gruppe Mul­ti­me­dia
Um die Ereignisse vom Dien­stag und Mittwoch selb­st ver­mit­teln und veroef­fentlichen zu koen­nen wurde ein Team von 38 Medi­en­mach­ern aufgestellt. An ver­schiede­nen Orten der Par­la­mentsmzin­gelung gibt es über 48 Stun­den hin­weg Schicht­en mit Grup­pen von Fotografen, Jour­nal­is­ten, Kam­eras; Run­ner holen und brin­gen Spe­icherkarten und Akkus, ein geheimes Medi­en­cen­ter ist in der Dien­stleis­tungs­gew­erkschaft aufge­baut — da wird geschnit­ten, geschrieben, hochge­laden. Das Mate­r­i­al geho­ert den Men­schen auf dem Syn­tag­ma. Ihr kön­nt alles ver­fol­gen auf:
www.real-democracy.gr

Ob es gelingt die Abstim­mung zu stop­pen oder nicht — diese Erfahrun­gen der Gesellschaft sind nicht mehr rück­gängig zu machen.

bis bald,
Mar­gari­ta

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