Lyrischer Adventskalender 22 — Cotten

Ingeniös, begrif­f­en Ist alles kalt und brüchig. Alles ist längst ver­standen. Die Luft beste­ht aus Kan­ten, Win­ter aus seinen Rän­dern. Wir sitzen in Gewän­dern, wir sitzen gegenüber, ich spiele mit Stre­ich­hölz­ern, Bierdeck­eln und Papieren. Das Spiel mit deinen Augen habe ich fall­en lassen. Der Win­ter wird nur käl­ter wenn man noch weiß, was warm ist. Wenns kein Ver­gle­ichen gibt veren­det man im Erträglichen. So geh ein­her ich in den täglichen und …

Lyrischer Adventskalender 21 — Elze

im fal­l­en­wald wir fliegen in die net­ze ja wie vögel von den wän­den wie die fliegen fall­en wir ja wie die füchse gehen wir ja in die fall­en wie die bären wie frau reh herr hirsch (ungeziefer unterirdisch untertage übern­immt uns) wir flat­tern ja noch zap­peln ja noch bellen hier & da brum­men blöken da & dort wald & wiesen fel­dreport es …

Lyrischer Adventskalender 20 — Altmann

fab­rik gelände der weg ver­liert seine spuren unter den sträuch­ern. vielle­icht bin ich der einzige, der ihn noch geht. das lockere holz der bäume klopft gegen den wind, der es ver­streut. die nahe fab­rik ist geräumt. und die mauern begin­nen, sich ein geheim­nis zu suchen. es wird erzählt, sie haben maschi­nen im see versenkt. und sein eis hätte im win­ter rost ange­set­zt. viele, …

Lyrischer Adventskalender 19 — Lehnert

Lichte­in­fall (I) Wie die Nägel in den Gliedern Gottes, Streben in einem Dach, das west­wärts kriecht, wie Bohlen sind Nebel aufgeschichtet. Hier erheben sich Flam­men, wehen über die Molen, die aufgewühlte See? … Ein leck­er Tanker? Die Explo­sion von Gras aus vagen Tiefen? Die sich im Auge fes­thakt wie ein Anker und Kreise zieht, die blendend weit­er­liefen, bist du die Lohe schautest, Leere, nichts? Du …

Lyrischer Adventskalender 18 — Schinkel

Cetacea das zärtliche Miß­traun der Riesen, Ver­schüchtert­er in ihren Pock­en­häuten, rührt uns, die Göt­ter des Krills, wenn in den Met­all­bäuchen von Schif­f­en, hin­ter den Schildern wir unsere Kör­p­er bewahren. und in den Tagen, wenn wir Mäuler nur stre­icheln, — die metrischen Bögen, an denen die Hände zer­brechen mit der schäu­menden Ohn­macht der See, schnaufen die Tiere ein weit­eres winziges Mal -: Gesänge in Trauer. (André Schinkel, 1998, Die Spur der Vogel­men­schen, Mit­teldeutsch­er Ver­lag)