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Demokratie, das sind wir alle.

Na, von wem stammt dieses Zitat? Merkel? Vielle­icht. Stein­meier? Kön­nte sein. Schröder? Eher nicht. Kohl? Gut möglich. Hugo Egon Balder? Nicht unwahrschein­lich. Schwan? Knapp daneben. Die Liste ließe sich wahrschein­lich noch ohne Mühe ver­längern, und lei­der sind auch die anderen Zitate des Urhe­bers von ähn­lich­er Null-Rel­e­vanz. Das ist jet­zt nicht bösar­tig gemeint, aber wie soll man so etwas denn bitte schön son­st deuten:

Meine Damen und Her­ren, dieses Land ist stark.

Ja, genau so etwas! Das erweit­ert den Kreis der vorstell­baren Urhe­ber sog­ar noch, Putin kommt einem da in den Sinn. Okay, das wird lang­weilig. Wenn man ihn anhand markan­ter For­mulierun­gen ( “Wir wer­den sehen”, “was machen die vie­len Leute hier”, “12 Euro? Das ist ja der rein­ste Wuch­er.”) nicht erken­nt, dann muss wohl ein Tipp her.

Hier in einem inti­men Moment gezeigt, han­delt es sich zweifel­sohne um den alten und neuen Bun­de­spräsi­den­ten, zitiert [1] aus den Dankesworten nach sein­er ver­meintlichen Wieder­wahl vor der Bun­desver­samm­lung. Die erste Frage, die sich angesichts solch­er Inhalt­sleere

Wir haben viel Arbeit vor uns;

(jaja, jet­zt ist auch mal gut), fast unver­mei­dlich stellt, ist die Frage nach dem Grund dieses unwürdi­gen Wieder­wahl-The­aters. Warum jeman­den zum zweit­en Mal wählen, der schon in der ersten Amt­szeit seinem gesamten Leben bewiesen [2] hat, diese Posi­tion nicht adäquat aus­füllen zu kön­nen? Welch­er Staat hat einen Repräsen­tan­ten, der Horst Köh­ler ist?

Zumal die Konkur­rentin nicht bess­er war, obwohl sie das ständig behauptet hat. Die es in verzweifel­ter Anerken­nungssuche in die Öffentlichkeit ver­schla­gen hat­te, obwohl sie doch eigentlich nur einem harlekinesken Früh­stücks­di­rek­tor nachemp­fun­den war. Die zwar etwas mehr Elo­quenz, dafür aber keine Stim­men besaß. Deren Bewer­bung “nicht schaden kann [3]”, wahrschein­lich auch beim zweit­en Mal nicht, wir wis­sen es nicht so genau. Fest­ste­ht: Die Wahl von Horst Köh­ler zum Bun­de­spräsi­den­ten ist ein ganz ein­deutiger Ver­fas­sungsver­stoß. Und bevor das jet­zt wieder keine glaubt, ver­weise ich mal auf die SZ [4] vom 29. Mai, wo es ein­deutig heißt:

Dabei geht es um die Prax­is in vie­len Bun­deslän­dern, dass alle oder zumin­d­est die stärk­sten Frak­tio­nen der Land­tage ihre Parteilis­ten in einem gemein­samen Wahlvorschlag zur Abstim­mung stellen. Dies wider­spreche klar den geset­zlichen Vor­gaben, erk­lärten die Staat­srecht­slehrer Ulrich Bat­tis, Hans Mey­er, Mar­tin Mor­lok und der ehe­ma­lige Bun­desver­fas­sungsrichter Hans Hugo Klein.”

In ein­er ver­fas­sungswidri­gen Abstim­mung gegen eine chan­cen­lose Mit­be­wer­berin zu gewin­nen, das lässt wenig­stens etwas hof­fen. Der Wun­sch, dass Horst Köh­ler sein Amt schon allein auf­grund sein­er Antrittsrede umge­hend wieder aberkan­nt wird, bleibt vor­erst, wie so vieles, uner­füllt. Die zweite Frage die sich jet­zt allerd­ings stellt: Wer legt gegen dieses Unrecht Ver­fas­sungs­beschw­erde ein?