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Interludium

Wir polemisieren hier manch­mal gegen die Vertreter des Urhe­ber­rechts in sein­er momen­ta­nen Form, und das ist auch gut so. Wir machen das nicht zum Spaß, oder auf­grund per­sön­lich­er Aver­sio­nen, son­dern weil wir davon überzeugt sind, dass Patente, “Geistiges Eigen­tum” und ander­er Mumpitz die Gesellschaft in ihrer Entwick­lung behin­dern. Nun kom­men einem solche Vorstel­lun­gen nicht von heute auf mor­gen, son­dern tra­gen eine Ideengeschichte in sich, die ich in diesem Beitrag exem­pli­fizieren möchte. Dafür genügt ein Men­sch und eine Idee.

Die Idee heißt arXiv.org [1], und ist ein Doku­mentenserv­er für Preprints aus den Bere­ichen Physik, Math­e­matik, Infor­matik und Biolo­gie. Das hört sich erst­mal rel­a­tiv lang­weilig an, ist es aber nicht. Denn arX­iv ist die erste Open-Access [2]-Plat­tform der Geschichte. Veröf­fentlichun­gen wer­den ohne Begutach­tung zur Archivierung akzep­tiert. Seit 2004 ist das Able­gen von Artikeln auf dem Sys­tem jedoch nur noch möglich, wenn dies durch einen bere­its etablierten Autor gebil­ligt wird (endorse­ment) oder wenn ein Rech­n­er ein­er ver­trauenswürdi­gen Domain benutzt wird. In manchen Bere­ichen der Physik wer­den mit­tler­weile fast alle wis­senschaftlichen Ergeb­nisse auf arX­iv veröf­fentlicht, u.a. alle Ergeb­nisse, die am LHC [3] gewon­nen wer­den. Im Fach­bere­ich Math­e­matik sieht es ähn­lich aus. Was uns zum oben erwäh­n­ten Men­schen führt.

Grig­ori Perel­man [4] ist ein Math­e­matik­er und bewies [5] 2002 die soge­nan­nte Poin­caré-Ver­mu­tung [6], eines der großen, bis dahin ungelösten Prob­leme der Math­e­matik. Das hat ihm natür­lich die Fields-Medaille [7] (Nobel­preis der Math­e­matik­er) einge­bracht, die er aber ablehnte. Zusät­zlich hat­te er auch eines der soge­nan­nten Mil­le­ni­um-Prob­leme [8] gelöst, welche das Clay Math­e­mat­ics Insti­tute im Jahr 2000 fest­ge­set­zt hat­te. Die Lösung eines der Mil­le­ni­ums-Prob­leme brachte Perel­man ein Preis­geld von 1000000 Dol­lar — Voraus­set­zung für die Auszahlung des Preis­geldes ist eine Veröf­fentlichung des Beweis­es in einem math­e­ma­tis­chen Fach­magazin. Perel­man veröf­fentlichte seine Arbeit­en jedoch auf arXiv.org

Damit will ich nicht sagen, dass jed­er Forsch­er so leben und arbeit­en soll wie Gre­gori Perel­man, was absurd wäre, son­dern lediglich darauf hin­weisen, dass es in der Wis­senschaft auch Ideen und Pro­tag­o­nis­ten gibt, die nicht auf materiellen Gewinn abziehlen. So kann man bei der ganzen Aufre­gung [9], die zur Zeit herrscht, ein­fach­er die Fas­sung wahren.